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Verhütung: Jugendliche suchen Rat

Für viele Mädchen treten im Zusammenhang mit der Pilleneinnahme immer wieder Unklarheiten auf, die beim Frauenarzt/bei der Frauenärztin im Zuge der Verschreibung nicht ausreichend besprochen werden können. Oft werden SchulärztInnen dann mit Fragen zum Thema konfrontiert. Das Projekt "Die wichtigsten Fragen zur Pille" soll sie in ihrer beratenden Tätigkeit unterstützen.

Bei der anonymen Internetberatung Herzklopfen (www.rbx.at) für Jugendliche werden mehr als zehn Prozent aller Fragen zum Thema Verhütung, und hier im Kontext der Pille gestellt. Für viele Mädchen ist es schwierig, die für sie wesentlichen Fragen bereits bei der Verschreibung zu formulieren.
Es ist daher wichtig, wesentliche Informationen zum Thema in einer entspannten Atmosphäre, gewohnter Umgebung und bei ausreichend Zeit besprechen zu können. Durch das von der Firma Wyeth Lederle GmbH gesponserte Projekt "Die wichtigsten Fragen zur Pille" wurde SchulärztInnen nun ein möglichst umsetzungsorientiertes Instrumentarium in die Hand gegeben, das es ihnen ermöglicht, Jugendliche zum Thema Pille verständlich und handlungsnah zu informieren. Eine Folienmappe kann einerseits möglichst unmittelbar für den Unterricht verwendet werden, andererseits lässt sie den nötigen Gestaltungsspielraum, um Inhalte und Herangehensweise für die jeweilige Gruppe adaptieren zu können. Ergänzend liegt ein Manuskript mit medizinischen Hintergrundinformationen und pädagogischen Hilfestellungen bei.
Erstellt wurden die Unterlagen von Dr. Daniela Dörfler-Grassauer, Univ.-Klinik für Frauenheilkunde, Klin. Abt. für Gynäkologie und Geburtshilfe, Wien (siehe Interview Ärzte Woche Nr. 25) und Mag. Wolfgang Kostenwein, Österr. Institut für Sexualpädagogik.
Die ÄRZTE WOCHE im Gespräch mit Mag. Wolfgang Kostenwein:

Wie wichtig ist Ihrer Erfahrung nach für Jugendliche die Möglichkeit einer Beratung zum Thema Sexualität durch das Internet oder die Schule?

Kostenwein: Unsere Studie über Sexualität und Kontrazeption von Jugendlichen in Österreich belegt, dass die Schule eine wesentliche Informationsquelle zu bestimmten Themen der Sexualität darstellt. Es würde allerdings den schulischen Rahmen sprengen, auf Fragen einzugehen, die sich z.B. durch Gespräche in der peer-group oder durch den Zugang zu Pornographie ergeben. Die Internetberatung ist eine wichtige Ergänzung, die wegen ihrer Niedrigschwelligkeit und Anonymität auch Themenbereiche abdeckt, die in einem direkten Gespräch nicht angesprochen werden. Die Zugriffszahlen auf die Beratungsseite zeigen, dass der Bedarf Jugendlicher an einer anonymen Beratungsmöglichkeit extrem hoch ist. Wesentlich erscheint mir, Informations- und Beratungsangebote auf unterschiedlichen Ebenen anzubieten und sinnvoll zu ergänzen.

Aus einer aktuellen österreichischen Studie geht hervor, dass etwa die Hälfte aller Mädchen, die bereits Geschlechtsverkehr haben, mit der Pille verhüten. Können Sie uns etwas mehr über die Studienergebnisse berichten?

Kostenwein: Die Studie belegt, dass das Kondom beim ersten Mal mit Abstand als häufigste Verhütungsmethode gewählt wird. Sehr bald aber verliert es an Bedeutung und wird durch die Pille ersetzt. Die Pille entspricht aufgrund der vergleichsweise einfachen Anwendbarkeit und der hohen Sicherheit den Bedürfnissen vieler Jugendlicher.

Wie stark werden von den zuständigen LehrerInnen sexualpädgogische Angebote (siehe Kasten) angenommen?

Kostenwein: Die Möglichkeit, außerschulische ExpertInnen als Ergänzung zur schulischen Sexualerziehung heranzuziehen, wird häufig und gerne genützt. Sie stellt eine wichtige Ergänzung zu schulinternen Angeboten durch LehrerInnen und SchulärztInnen dar. In vielen Fragen der Sexualität ist eine gute Beziehung zwischen SchülerInnen und Beratungspersonen eine wichtige Grundlage, die ein offenes Gespräch erst möglich macht. Häufig beziehen sich Fragen aber auf sehr persönliche Bereiche, wo genau diese Beziehungsebene auch im Weg stehen kann. Gerade diese Themen können durch schulexterne Personen mit Beratungserfahrung abedeckt werden.

Wie wichtig ist sexuelle Aufklärungsarbeit durch öffentliche Einrichtungen wie Schulen, "First Love"- Ambulanzen etc.? Gibt es Erhebungen über Erfolge dieser Beratungseinrichtungen? Liegen Daten über ungewollte Schwangerschaften bei Jugendlichen vor?

Kostenwein: Die Aufgabe sexueller Aufklärungsarbeit liegt für mich insbesondere auch darin, das bereits vorhandene Wissen auf die Handlungsebene zu beziehen. Das verlangt auch eine ziemlich genaue Kenntnis jugendlicher Lebenswelten. Erst dann können sexualpädagogische Angebote für Jugendliche handlungsrelevant werden. Eine Evaluierung des Beratungserfolges lässt sich schon aufgrund der Anonymität der meisten Einrichtungen nicht direkt durchführen. Die zahlreichen Rückmeldungen von Jugendlichen zeigen aber die Wichtigkeit dieser Angebote. Die Internetberatung kann dringende Fragen schnell klären und so z.B. Einnahmefehler der Pille korrigieren bzw. noch zeitgerecht mit Informationen über postkoitale Kontrazeption ungewollte Schwangerschaften verhindern helfen. Daten über Schwangerschaften oder Schwangerschaftsabbrüche gibt es für Österreich nicht. Die Zugangsbedingungen zu sicheren Verhütungsmitteln sind im internationalen Vergleich eher schlecht. Mädchen benötigen für die Pille normalerweise einen Krankenschein ihrer Eltern(!) und müssen sich die Pille dann selbst bezahlen. Das Beispiel anderer Länder zeigt, dass ungewollte Schwangerschaften durch geeignete Maßnahmen reduziert werden können.

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