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Heikle Tage vor den Tagen

"Prämenstruelle Störungen werden auch heute noch vielfach unterschätzt und unterdiagnostiziert", erklärte Univ.-Prof. Dr. Meir Steiner von der Abteilung für Psychiatrie und Verhaltensforschung der McMaster University in Hamilton, Ontario, Kanada, anlässlich eines Pressegesprächs Ende Jänner in Wien. Rezenten Studien zufolge leiden bis zu 75 Prozent aller Frauen in den Tagen vor der Menstruation an zumindest einem der Symptome des prämenstruellen Syndroms (PMS). Diese Beeinträchtigungen können sich sowohl physisch als auch psychisch manifestieren. Rund fünf bis acht Prozent der zwischen 15-und 49-Jährigen erleiden in dieser Zeit eine massive Einschränkung ihrer Lebensqualität und Leistungsfähigkeit, die so genannte prämenstruelle Dysphorie (PMD).

Viel Aufklärungsarbeit notwendig

Prof. Dr. Anita Rieder vom Institut für Sozialmedizin in Wien: "Es bedarf noch viel an Aufklärungsarbeit! Während die Wechseljahre mittlerweile nicht mehr länger als Makel angesehen werden, ist das PMS für die betroffene Frau immer noch ein oft verschwiegenes, sehr unangenehmes Erlebnis." Nur die wenigsten der betroffenen Frauen wissen wirklich über das prämenstruelle Syndrom Bescheid, selbst viele der damit konfrontierten Ärzte sind nur unzureichend informiert und nur fünf Prozent der Betroffenen werden ärztlich behandelt. Über die Ursachen prämenstrueller Störungen sowie die unterschiedliche Ausprägung der Symptome ist noch relativ wenig bekannt.

Störung im Serotonin-Stoffwechsel?

Um die Diagnose "PMD" mit Sicherheit stellen zu können, werden spezielle, an das Beschwerdebild adaptierte Fragebögen verwendet, die dem Arzt dabei helfen sollen, PMS und PMD von anderen kurzdauernden Depressionen abzugrenzen. "Neueren Untersuchungen zufolge besteht ein Zusammenhang zwischen PMD und Störungen im Tryptophanstoffwechsel, die wiederum zu einem Ungleichgewicht des Serotoninspiegels im Gehirn führen", betont Univ.-Prof. Dr. Anton Bergant von der Universitätsklinik für Frauenheilkunde Innsbruck.

"Die Therapie sollte sich immer nach den Bedürfnissen der Frau richten sowie nach der Intensität der Symptome. Der individuelle Therapieplan wird vom behandelnden Arzt gemeinsam mit der Patientin erstellt. Das Spektrum der therapeutischen Intervention", so der Innsbrucker Gynäkologe, "kann von relativ einfacher Verhaltensänderung, wie reduzierte Zufuhr von Salz, Koffein, Nikotin und Alkohol, sowie ausreichend körperlicher Bewegung bis zur medikamentösen Unterstützung gehen."

Besonders die sich vorwiegend durch psychische Symptome äußernde PMD, unter anderem gekennzeichnet durch Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit und erhöhte Anspannung, zeigt gutes Ansprechen auf die Gabe von so genannten SSRIs (Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer). In den dazu durchgeführten Studien konnte eine deutliche Besserung sowohl der psychischen als auch körperlichen Symptome belegt werden. In Österreich wurde jetzt Fluoxetin (Fluctine®) als erster SSRI für die Behandlung der prämenstruellen Dysphorie zugelassen.

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