zur Navigation zum Inhalt
 

Gegen Hitzewallungen und Pickel

Der vorzeitige Abbruch der nordamerikanischen Women’s Health Initiative Studie führt unter Hormonexperten zu Diskussionen. Ersten Ergebnissen zufolge soll das Risiko einer neoplastischen Brusterkrankung den Benefit der Hormonersatztherapie überwiegen.

Prof. DDr. Johannes Huber, Leiter der Klinischen Abteilung für Endokrinologie am AKH Wien widmet ein breites Feld seiner Bemühungen der Hormonsubstituierung.
Daher ist es verständlich, dass er sich kritisch zu den Ergebnissen der nordamerikanischen WHI-Studie (Womens Health Initiative) äußert. Die groß angelegte Studie wurde vorzeitig abgebrochen, da das erhöhte Risiko einer neoplastischen Brusterkrankung den Benefit der Hormonersatztherapie anscheinend überwog.

Neubewertung der WHI-Studie

Daher verwunderte Huber bei der Jahrespressekonferenz der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGGG) im Mai die Zuhörer, als er erläuterte, dass die US-Studiendesigner aus ihrer Sicht der Dinge Recht hätten. Dies scheint eine komplette Neubewertung seinerseits zu sein, denn Huber kritisierte die Studie erst unlängst als "nach europäischen Standards geradezu unseriös". Warum Huber die amerikanischen Kollegen nun besser versteht, hängt mit der Teilnahme an einer in Athen stattgefundenen Konsensuskonferenz zusammen.
Huber: "Der Unterschied zu Europa ist gravierend, so wurde den Studienteilnehmerinnen eine präventive Hormonersatztherapie verschrieben, ohne Nachfrage, ob die Frauen wirklich Wechselsymptome hatten oder nicht." Laut WHI-Unterlagen zeigte tatsächlich ein Großteil der Probandinnen (bis zu 85 Prozent) keinerlei Symptome eines Klimakteriums.

Fragwürdiger Studienansatz

"Für unsere Verhältnisse einfach undenkbar, aber in den Staaten können jeder Frau ab dem 50. Lebensjahr Hormonpräparate langfristig verschrieben werden, egal ob benötigt oder nicht. Insofern verstehe ich nun den Studienansatz besser, billigen kann ich ihn trotzdem nicht. Vor allem weil hier eine Therapie in Verruf gebracht wurde, die bei sachgemäßer Betreuung zahlreichen Frauen im Wechsel viel von bereits verloren geglaubter Lebensqualität zurückgeben kann", erklärte Huber.
Ein fragwürdiges Ergebnis liefert die Studie laut Huber allemal, denn aus seiner Sicht ist es verantwortungslos, gesunden Menschen hoch potente Hormonpräparate zu verabreichen. Doch auch innerhalb Europas ist der Blickwinkel bei Hormongaben nicht immer einheitlich. Es sei ihm positiv aufgefallen, so Huber, dass vor allem die französischen Kollegen neben der Gesundheit zusätzlich kosmetische Aspekte im Auge hätten.
Natürlich steht die Gesundheit an erster Stelle, doch warum nicht auch etwas für das seelische Wohlbefinden der Patientin tun?
Die heilsame dermatologische Wirkung vieler Hormone ist ja schon lange bekannt. Geeignete Kontrazeptiva werden daher bereits seit zwei Jahrzehnten auch gegen Akne eingesetzt. Dies entspricht anscheinend auch den Wünschen der Frauen, wie eine kürzlich bei österreichischen GynäkologInnen durchgeführte Marktforschungsstudie belegte.
So fordern 59 Prozent der Praxisbesucherinnen bei der Einnahme von oralen Kontrazeptiva auch kosmetische Vorteile für die Haut, 32 Prozent hoffen auf eine Verbesserung ihrer Akne und weitere 2 Prozent wünschen sich Verbesserungen beim Kampf gegen ihre Cellulite.

Leichte Pille gegen Akne

All jene Begehren sind mit einer sicheren Verhütung durchaus in Einklang zu bringen, selbst mit nur niedrigen Hormondosen. Androgene stimulieren die Aktivität der Talgdrüsen und fördern die Komedonenbildung. Die passenden Antagonisten sind Östrogene. Es ist daher schlüssig, Antiandrogene bei Akne und Hirsutismus zu verwenden. Huber zitierte als Beweis zwei plazebokontrollierte, doppelblinde Studien mit randomisiertem, multizentrischem Design für Wyeths neue Pille Loette®.
Denn die Leichtpille mit einem sehr niedrigen Gehalt an Hormonen (20mg Ethinyl Estradiol und 100mg Levonorgestrel) konnte bei den Studien von Thiboutot und Leyden bei 721 Probandinnen vor allem bei der Behandlung von androgenabhängiger Akne punkten.
Die Ergebnisse zeigen Erfolge bei entzündlichen Effloreszenzen als auch die Anzahl der Akneläsionen betreffend. Besonders bei der Behandlung gegen milde bis moderate Akne waren die Vorteile signifikant besser als gegenüber dem Plazebo. Huber: "Dies ist besonders beachtenswert, da der Plazeboeffekt in dermatologischen Aknestudien besonders wichtig ist, da die damit verknüpfte Hautpflege und regelmäßige Arztbesuche schon sehr effektiv wirken. Weltweit gibt es nur drei derartige Studien, die diesen Effekt mit einbeziehen und somit wirklich glaubhaft sind."
Die Handhabe der Minipille ist einfach mit den üblichen Vorsichtsmaßnahmen, Nebenwirkungen und einer beruhigenden Sicherheit (Pearl-Index: 0,88). Erfreulicher Nachsatz: Auch das Körpergewicht wird bei der Einnahme der Leichtpille geschont.

Quelle : Vortrag von Prof. DDr. Johannes Huber / Jahrespressekonferenz OEGGG

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben