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Frauengesundheit hat ihre Eigenheiten

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt als wesentliche Grundlage für eine Gesundheitspolitik, bei der Frauen nicht zu kurz kommen, die Erstellung regelmäßiger Frauengesundheitsberichte. Solche existieren etwa in Oberösterreich oder Wien und nun auch in Salzburg. Gesundheit und Krankheit lassen sich letztlich nicht geschlechterneutral betrachten. Dazu einige Ergebnisse aus dem Salzburger Bericht: Bei den befragten Frauen sind Infektionskrankheiten, Hypertonie-assoziierte Erkrankungen, Sehschwäche sowie Bandscheiben- und Wirbelsäulenbeschwerden die häufigsten Indikationen. "Frauenspezifische" Erkrankungen, wie jene der Gebärmutter, der Eierstöcke oder der Brust sowie Osteoporose, liegen bei diesem Sample unter zehn Prozent.

Gesundheitliche Beeinträchtigung steigt

Mit zunehmendem Alter steigt die Anzahl jener Frauen, die sich gesundheitlich beeinträchtigt fühlen. Im Bericht heißt es dazu: "Fast dreimal so viele Frauen über 50 leiden oft bzw. ständig unter den verschiedensten körperlichen und psychischen Beschwerden im Vergleich zur Gruppe der unter 30-Jährigen." Auch die Anfälligkeit für Krankheiten steigt mit dem Alter zunehmend an. Dies gilt besonders für Beschwerden des Bewegungsapparates, bei Bandscheiben und Wirbelsäule, Osteoporose und Gelenksrheumatismus. Signifikant höher ist auch die Wahrscheinlichkeit von operativen Eingriffen, wie Curretage, Gebärmutter- und/oder Brustoperation.

Prävention ist wichtig

Ein weiteres interessantes Ergebnis des Berichtes: "Frauen, die keine präventiven Maßnahmen setzen, fühlen sich körperlich und psychisch zu einem höheren Prozentsatz beeinträchtigt und sind anfälliger für Krankheiten." Gerade bei dieser Gruppe ist oft ein mangelndes Selbstwertgefühl vorhanden und wenig Mut, Angebote des Gesundheits- und Sozialsystems auch zu nutzen. Generell fordert der Bericht, hier durch frauenspezifische Bildungsangebote gegenzusteuern. Besonders bei jungen Frauen sollte zudem Aufklärungsarbeit über die Wichtigkeit von Vorsorgeuntersuchungen geleistet werden.

Der Frauengesundheitsbericht fordert zudem den Ausbau niederschwelliger Angebote nicht nur im Bereich der Prävention, sondern auch für die Beratung und Unterstützung in Krisensituationen sowohl in gesundheitlicher als auch psychosozialer Hinsicht. "Bestehende Angebote sollten stärker vernetzt, interdisziplinäre Kooperation gefördert werden", betont Gesundheitslandesrätin Dr. Maria Haidinger. Durch ein auf den Bericht aufbauendes, noch zu erarbeitendes Frauengesundheitsprogramm sei es besser möglich, solche Angebote zu fördern, auch in den Bereichen Gewaltvermeidung und frauenspezifische Maßnahmen im Arbeitsbereich.

Vernetzung von Beratungsstellen

Im Stadtbereich gibt es ein gutes Angebot, Nachholbedarf herrscht vor allem in den Salzburger Bezirken. Dort soll es in Zukunft etwa auch mehr FachärztInnen und niederschwellige Beratungsstellen geben bzw. Bestehendes vernetzt werden. Eine Verbesserung des regionalen Angebots wird auch bei Berufsgruppen wie Physio- und Ergotherapeuten sowie Psychotherapeuten angestrebt. Vorgesehen ist laut Haidinger zudem die Dezentralisierung von Einrichtungen, die Krisenintervention vor Ort ermöglichen. Ein Ansatzpunkt des auf dem Bericht aufbauenden Programms sieht spezifische Bildungsangebote für Ärzte vor, etwa zum Thema der Suchtprävention bei Schwangeren. "Die Studie zeigt, dass zu viele Kinder durch Nikotin- und Alkoholkonsum in der Schwangerschaft geschädigt sind", betont Haidinger. Niedergelassene Ärzte sollen außerdem vor Ort in regionale psychosoziale Konzepte eingebunden werden, die noch vor dem Sommer dieses Jahres realisierbar seien. Als weiterer Schwerpunkt steht die Einbindung der Kinderpsychiatrie und -neuropädiatrie auf dem Programm.

Der Frauengesundheitsbericht kann bestellt werden bei ISIS; Tel. 0662/44-22-55, e-mail:  

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