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Brustselbstuntersuchung: Wichtig für jüngere Frauen

Frauen unter dem 40. Lebensjahr weisen eine röntgendichte Brust auf, die herkömmliche Mammographie versagt hier als Screeningmethode. Deshalb ist gerade bei diesen Frauen die regelmäßige Selbstuntersuchung extrem wichtig. An der Brustvorsorgeambulanz der Krankenanstalt Rudolfstiftung läuft derzeit ein österreichweit einzigartiges Schulungsprojekt.

Die in mehreren Arbeiten erwiesene These, dass durch alleiniges Palpieren eine Verzögerung in der Diagnostik von Mammatumoren entstehen kann, gilt für den röntgendichten und in der Mammographie daher entweder insuffizient oder nur sehr erschwert beurteilbaren Drüsenkörper der jungen Frau nicht. Vielmehr muss es hier ein vorrangiges gesundheits- und sozialpolitisches Anliegen sein, bei jungen Frauen, die von mammographischen Screeninguntersuchungen ausgeschlossen sind, maximale Hilfestellung in der Brustkrebsfrüherkennung zu gewährleisten.
Die Brustvorsorgeambulanz der Krankenanstalt Rudolfstiftung (www.brustvorsorge.at) ist eine ohne Arztzuweisung zugängliche Anlaufstelle für Frauen bis zum 40. Lebensjahr. Sie wurde im Jahre 2002 eröffnet und wird von durchschnittlich fünf bis sechs Frauen pro Woche aufgesucht. Sie soll zur Prävention des Mammakarzinoms beitragen und die Frauen in die Technik der monatlichen Selbstuntersuchung der weiblichen Brustdrüse (breast self examination, BSE) einschulen, um damit die Früherkennung des Mammakarzinoms in dieser Altersgruppe zu fördern. Bei Abklärung von Brusterkrankungen steht die Spezialbrustambulanz zur Verfügung.
Derzeit wird in einem für drei Jahre anberaumten Projekt bei 500 professionell eingeschulten Frauen jeweils nach zwölf Monaten die Schulung wiederholt. Dabei soll jeweils die Häufigkeit der Brustuntersuchung, das Vertrauen in die eigene, erlernte Technik sowie die Professionalität der Technik erhoben werden.

Vorsorgeprogramme

Durch derartige Vorsorgeprogramme wird die Auffindungsrate von Mammakarzinomen erhöht und die Größe der aufgefundenen Tumoren minimiert, wie zahlreiche Studien belegen (siehe Kasten). Viele Autoren fordern daher eigene Programme mit Krankenschwesternunterricht und Informationsweitergabe im Familien- und Freundeskreis. Auch die Schulung in Brustselbstuntersuchung als integraler Bestandteil des Medizinstudiums steht für viele Experten zur Debatte.
Eine suffiziente Früherkennung erfordert es, dass junge Frauen exakt in der Technik der Eigenpalpation unterrichtet werden. Darüber hinaus soll ihnen die Gelegenheit geboten werden, ihre eigenen anatomischen Verhältnisse in physiologisch und biologisch gesundem Zustand exakt zu erfassen.
Der Einsatz einer blinden Untersuchungsschwester für den individuellen Unterricht in der Selbstuntersuchung soll Frauen aus allen psychosozialen Schichten zum Ambulanzbesuch ermutigen. Weiters sollen Kunststoffmodelle mit eingewobenen Knoten verschiedener Konsistenz für Tastübungen zur Verfügung gestellt werden.

Selbstuntersuchung kann Leben retten

Studien belegen hohe diagnostische Kompetenz der Palpationsbefunde
Studien mit großen Patientenkollektiven zeigen, dass bei routinemäßiger Selbstuntersuchung und Palpationskontrolle durch den Arzt über 53 Prozent aller Mammakarzinome im Stadium I entdeckt werden. Die Mortalität kann damit um 18,8 Prozent auf 24,4 Prozent gesenkt werden.
RC Hickey et al. berichten, dass von 32 durch Palpation gescreente Patientinnen mit Mamma-Ca 24 Frauen keine axillären Lymphknotenmetastasen aufgewiesen hätten. Dieser Umstand würde einem 96-prozentigen 5-Jahres-Überleben und damit dem Überleben eines krebsfreien Kollektivs entsprechen. Die acht Frauen mit positiven axillären Lymphknotenmetastasen zeigten ein 75-prozentiges 5-Jahresüberleben.
Durch regelmäßige, korrekt durchgeführte Palpation besteht eine hohe Korrelation zwischen zufälligem Tastergebnis und Brustkrebs: Die palpatorisch festgelegte Tumorgröße korreliert dann mit der histopathologisch ermittelten Tumorgröße und damit mit der Malignität des Karzinoms. Tumore, die ohne regelmäßige Eigenpalpation durch zufälliges Tasten entdeckt wurden, sind demnach bereits sehr bösartig (Rimsten A, Stenkvist B, Lindgren A). Die Brustselbstuntersuchung zeigt im Gegensatz dazu eine hohe Sensitivität im Bezug auf die Erkennung von Tumoren (Cardona G, Cataliotti L, Ciatto S et al.).
Die Studie von Foster et al. bei einem Gesamtkollektiv von 335 Frauen zeigt, dass die Durchmesser der entdeckten Mammamalignome bei monatlicher Selbstuntersuchung der Brust [1.97 +/- 0.22 cm (mean +/- S.E.M.)] erheblich kleiner sind als bei weniger häufig durchgeführter Selbstuntersuchung [2.47 +/- 0.20]. Für Patientinnen ohne Selbstuntersuchungen werden bei der Primärdiagnostik Tumordurchmesser zwischen drei und vier Zentimetern angegeben [3.59 +/- 0.15] (Foster RS Jr, Lang SP, Costanza MC, et al.). Ähnliche Ergebnisse liefern auch andere Autoren.
Die Situation eines fehlenden mammographischen Screenings wird bei jungen Frauen durch zusätzliche biologische Bedingungen verschärft: In großen Brüsten wurden zu einem höheren Prozentsatz Lymphknotenmetastasen gefunden, und das bei vergleichbaren Tumorgrößen. Karzinome in zystischen Mastopathien sind jedoch kleiner, weniger malign und weisen weniger axilläre Lymphknotenmetastasen auf.
Auf das unablässige Erfordernis von sorgfältiger Einschulung und überwachter Übung an Kunststoffbrustmodellen mit eingearbeiteten, verschieden großen Knoten wird in mehreren Publikationen eindringlich hingewiesen (Hall DC, Goldstein MK, Stein GH; Fletcher SW, O’Malley MS, Pilgrim CA, et al.).
Die Palpation der weiblichen Brustdrüse ändert blutchemisch weder den Cortisol- noch den Prolaktinspiegel. Sie ist damit als medizinisch unbedenklich einzustufen.
Der psychologische Aspekt der Brustselbstuntersuchung ist nicht zu vernachlässigen: Frauen mit introvertierter Persönlichkeitsstruktur messen der Selbstuntersuchung der Brust durch Palpation wesentlich weniger Wertigkeit zu, als Frauen mit extrovertierter Persönlichkeitsstruktur. Ängstliche und depressive Frauen verzögern bei positivem Tastbefund den Gang zum Arzt länger als emotional stabile mit hohem Eigenwertigkeitsgefühl (Wenderlein JM 1 u. Wenderlein JM 2).

F. Wierrani, R. Sanani, W. Grünberger/ MSW, Ärzte Woche 36/2003

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