zur Navigation zum Inhalt
© Dušan Zidar / fotolia.com
Für Koffein in der Schwangerschaft gibt es keinen Schwellenwert: Das Risiko steigt kontinuierlich.
 

Koffein in der Schwangerschaft

Kaffee, Tee und Cola reduzieren das Geburtsgewicht des Kindes.

Frauen, die in der Schwangerschaft viel Koffein zu sich nehmen, egal ob in Form von Kaffee, Tee oder Cola, müssen damit rechnen, dass das Kind mit Untergewicht zur Welt kommt.

Der Abfall des Geburtsgewichts (im Vergleich mit einem 3600-g-Durchschnittsbaby) betrug in einer norwegisch-schwedischen Studie bis zu 28 g für jede 100-mg-Portion Koffein am Tag. So viel Koffein ist zum Beispiel in einer Tasse Filterkaffee enthalten oder auch in zwei kleinen Espressi oder zwei bis drei Tassen Schwarztee.

Das Risiko, dass das Baby mit Untergewicht oder zu geringer Körperlänge geboren wurde (SGA), war bei den Koffeinkonsumentinnen um bis zu 60 Prozent erhöht. Die SGA-Rate war am höchsten, wenn die Mütter die von internationalen Experten empfohlene Obergrenze von 200 mg Koffein pro Tag überschritten hatten. Aber auch bei „erlaubten“ Mengen kamen gehäuft SGA-Babys zur Welt.

Wie das Team um Dr. Verena Sengpiel von der Sahlgrenska-Universität in Göteborg zeigen konnte, gibt es offenbar keinen bestimmten Schwellenwert: Das Risiko stieg kontinuierlich, je mehr Koffein die Frauen zu sich nahmen. In welcher Form die Schwangeren den „Wachmacher“ konsumierten, ob als Kaffee, Tee oder Cola, war dabei nahezu unerheblich. Die Forscher empfehlen werdenden Müttern daher generell, ihren Koffeinkonsum so weit wie möglich einzuschränken.

Gegen Ende der Schwangerschaft nicht sorglos werden

Die Grundlage für die Studie bildeten die Daten von rund 60.000 Norwegerinnen, die an der Mother and Child Cohort Study (MoBa) teilgenommen hatten. Diabetikerinnen, Hochdruckpatientinnen und auch Frauen mit Schwangerschaftsproblemen hatten die Forscher von ihrer Analyse ausgeschlossen.

Vor der Schwangerschaft hatten die Frauen im Schnitt etwa 126 mg Koffein pro Tag konsumiert. Gut 7.000 Teilnehmerinnen gaben an, völlig koffeinfrei zu leben. Im ersten Trimester der Schwangerschaft hatte sich der Anteil der Koffeinverächterinnen nahezu verdoppelt, die durchschnittliche Koffeinaufnahme war auf 44 mg/Tag gesunken. Gegen Ende der Schwangerschaft waren viele Frauen jedoch wieder dem „Laster“ verfallen: Der Koffeinkonsum stieg bis Woche 30 auf 63 mg/Tag, nur etwa 10.000 Frauen blieben abstinent.

Koffein kann die Plazentaschranke passieren, erklären Sengpiel et al. Im mütterlichen Blut bewirkt der Wachmacher einen Anstieg von Monophosphat und Epinephrin. Beides bewirkt, dass sich die uteroplazentaren Gefäße zusammenziehen und die Plazenta schlechter durchblutet wird. Dies wiederum könne das Wachstum des Feten beeinträchtigen, mutmaßen die Autoren.

Entwarnung puncto Frühgeburt

Entwarnung gaben die Forscher im Hinblick auf das Risiko einer Frühgeburt. Hier ergab sich insgesamt kein nennenswerter Zusammenhang mit der Koffeinaufnahme; nur beim Schwarztee lag das Risiko etwas über der Signifikanzschwelle. Daraus könne man aber keine Empfehlung ableiten, so die Autoren, schließlich sei die Gestationsdauer bei den Teetrinkerinnen unverändert geblieben. Insgesamt war bei Koffeinkonsum die Gestationsdauer sogar eher verlängert, namentlich bei den Kaffeetrinkerinnen um durchschnittlich acht Stunden.

Die Autoren legen Wert auf die Tatsache, dass die Ergebnisse nicht durch zusätzlichen Nikotinkonsum verfälscht sind, auch wenn Rauchen und Kaffeetrinken oft zusammenhängen. In ihrer Studie hatte der Koffeinkonsum einen zum Rauchen gegenläufigen Effekt. Letzteres erhöht erwiesenermaßen das Risiko für eine Frühgeburt, während die Gestationsdauer in der Studie bei regelmäßiger Koffeinzufuhr in der Schwangerschaft stieg. Die Resultate blieben außerdem nahezu unverändert, wenn nur die Nichtraucherinnen in der Kohorte berücksichtigt wurden.

Originalpublikation: Sengpiel V et al.: BMC Medicine 2013, 11: 42

springermedizin.de, Ärzte Woche 15/2013

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben