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Baby-Zellen


Hypothese: "Baby-Zellen" bei Schwangeren stammen aus dem Fruchtwasser

Im Jahr 2003 entdeckte eine Wissenschaftergruppe der MedUni Wien (Institut für Medizinische Genetik) um Markus Hengstschläger Stammzellen von Ungeborenen im Fruchtwasser. Die mittlerweile ebenfalls in vielen Studien belegte Existenz von DNA des Ungeborenen im Blut von Schwangeren und von fötalen Zellen in Gewebe der werdenden Mutter wollen die Wissenschafter jetzt mit einer neuen Hypothese erklären: Beides stammt aus Fruchtwasser-Stammzellen, argumentieren Hengstschläger und Margit Rosner in der Fachpublikation "Trends in Molecular Medicine".


"Man weiß, dass fötale Zellen (und zellfreie fötale DNA, die man für eine nicht-invasive pränatale Diagnose verwendet) im Blutkreislauf von Schwangeren vorhanden sind. Diese Zellen zeigen die Eigenschaften von Stammzellen, wenn sie in geschädigtem Gewebe der werdenden Mutter ausdifferenzieren. Allerdings ist der Ursprung die fötalen, natürlichen und wahrscheinlich für zur Gewebe-Reparatur fähigen Zellen unbekannt", schreiben die Fachleute.

Warum wandern Föstuszellen in den mütterlichen Organismus?

Die Frage ist natürlich, warum Stammzellen vom Fötus in den Organismus der Mutter einwandern. "Ich glaube nicht, dass es sich die Biologie leistet, dass das ein Zufall ist. Das Kind schickt diese Stammzellen während der Schwangerschaft in den Körper der Mutter, um dort die Regeneration geschädigten Gewebes zu übernehmen. Das ungeborene Kind hat natürlich ein immanentes Interesse daran, dass es der Mutter während der Schwangerschaft gut geht", sagte Hengstschläger gegenüber der APA.

Freie fötale DNA

Das würde aber noch nicht die Existenz von freier fötaler DNA (nicht in Zellen) im Blut von Schwangeren erklären. Diese Erbsubstanz wird bereits für die Pränataldiagnostik (z.B. auf Trisomie 21) verwendet. Hengstschläger und seine Mitarbeiterin Margit Rosner argumentieren, dass diese DNA eben von den Fruchtwasser-Stammzellen kommt. Hengstschläger: "Bei dem (Reparatur-, Anm.) Prozess werden nicht gebrauchte Stammzellen durch programmierten Zelltod 'entsorgt'. Die DNA dieser zerstören Stammzellen finde sich dann im mütterlichen Blut."

Zu klären wäre jetzt, wozu die fötalen Stammzellen im Organismus der Schwangeren wirklich imstande sind. Bisher gibt es dazu nur Laborversuche. Erst auf längere Sicht hinaus dürfte sich also herausstellen, ob die Hypothese der Wiener Experten stimmt.

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