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Menopause: Osteoporose muss nicht sein

"Frauen erkranken vier bis fünfmal häufiger an Osteoporose als Männer. Zirka 80 bis 90 Prozent der Osteoporose treten im Rahmen der Menopause auf. Insgesamt wird jede dritte postmenopausale Frau eine osteoporosebedingte Fraktur erleiden.

Prävention der Osteoporose

Durch den physiologischen Abfall des Östradiolspiegels kommt es zu einer Störung des dynamischen Gleichgewichts zwischen Knochenaufbau und Knochenabbau. Nicht zuletzt aufgrund dieses kausalen Zusammenhangs nimmt die Gynäkologie eine Schlüsselstellung bei der Diagnostik und Therapie, besonders aber bei der Prävention der Volkskrankheit Osteoporose ein", berichtete Priv. Doz. Dr. med. P. Hadji, Leiter des Arbeitskreises Menopause/gynäkologische Osteologie, Philipps-Universität Marburg, Deutschland, zum Thema "HRT in der Osteoporoseprävention" im Rahmen der Osteoporosesitzung beim Menopausenkongress im Dezember 2002 in Wien.
Hadji: "Die Möglichkeit der Osteoporoseprävention durch eine Östrogen/Gestagensubstitution ist seit den 80er Jahren bekannt. In der Zwischenzeit ist die positive Wirkung auf den Surrogatparameter Knochendichte durch eine Vielzahl von prospektiven, placebokontrollierten Doppelblindstudien bestätigt. Dies konnte in Metaanalysen randomisierter klinischer Studien untermauert werden, wobei sich übereinstimmend ein positiver Effekt der Hormonsubstitution sowohl im Rahmen der Primär- als auch der Sekundärprävention zeigte."

In Bezug auf die verwendeten Gestagene hat sich in einer großen Anzahl von Untersuchungen lediglich für (Norethisteronacetat) NETA eine östrogenunabhängige Wirksamkeit auf die Knochendichte nachweisen lassen. Bisher wurde bezüglich der geringstnotwendigen osteoprotektiven wirksamen Dosis angenommen, dass diese lediglich für die Standarddosierungen von 2mg 17 beta-Östradiol/Östradiovalerat bzw. 0,6mg konjugierte Östrogene besteht. Eine Reihe von neueren Untersuchungen haben ergeben, dass bereits eine niedrigdosierte Hormonsubstitution mit 1mg 17 beta-Östradiol/Östradiolvalerat bzw. 0,3 mg konjugierte Östrogene osteoprotektiv wirksam ist.
"Delmas et al. belegten im Rahmen einer placebokontrollierten, randomisierten Doppelblindstudie bei Frauen eine signifikante Zunahme der Knochendichte an der LWS von 5,4, am Oberschenkelhals von 3,3 und am distalen Radius von 2,1 Prozent sowie am Ganzkörper von 3,0 Prozent unter 1mg 17 beta-Östradiol/0,5mg NETA (Activelle®) im Vergleich zu Placebo in einem Beobachtungszeitraum von zwei Jahren", so Hadji (siehe Grafik).
Die Ergebnisse einer kürzlich veröffentlichten, randomisierten, prospektiv kontrollierten dänischen Kohortenstudie (Danish Osteoporosis Prevention Study), an der insgesamt 2.016 früh postmenopausale Frauen teilgenommen hatten, zeigten im Rahmen einer intention to treat analysis eine Borderline-Signifikanz für die Abnahme des allgemeinen Frakturrisikos sowie eine signifikante Senkung der Unterarmfrakturen. In einer zusätzlichen Auswertung zeigte sich bei Frauen, die eine HRT 
(Trisequens®) über fünf Jahre durchgeführt hatten, eine Abnahme des allgemeinen Frakturrisikos von 39 sowie des Risikos für distale Radiusfrakturen von 76 Prozent.

Frakturen signifikant reduziert

Hadji: "Im Rahmen der Women´s Health Initiative, WHI, konnte nun erstmalig in einer placebokontrollierten, randomisierten Doppelblindstudie die Fähigkeit der HRT zur signifikanten Reduktion von osteoporosebedingten Frakturen der Lendenwirbelsäule sowie des Oberschenkelhalses zweifelsfrei nachgewiesen werden." Hierbei zeigte sich eine signifikante Reduktion klinisch vertebraler Frakturen um 34, von Oberschenkelhalsfrakturen um 34 sowie eine Reduktion der Gesamtfrakturrate um 23 Prozent. "Neben einer knochenstoffwechselgesunden Ernährung und Bewegung ist die HRT nach wie vor die Therapie der ersten Wahl im Rahmen der Osteoporoseprävention. Die Fähigkeit zum Schutz vor osteoporosebedingten Frakturen gilt nach der Veröffentlichung der Ergebnisse der WHI als bewiesen. Als großes Problem stellt sich die mangelnde Compliance, insbesondere im Hinblick auf die Langzeitanwendung dar. Nebenwirkungen wie unerwünschte Zwischenblutungen, die Angst vor Gewichtszunahme und Brustkrebs stehen im Vordergrund. Die Anwendung einer niedrig dosierten, dennoch aber osteoprotektiv wirksamen HRT könnte zu einer deutlich verbesserten Langzeitcompliance führen" so Hadji abschließend. 

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