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Osteoporose: Kosten, Leid und Komplikationen

Die Osteoporose ist eine in ihrem Ausmaß und ihren Folgen weit unterschätzte und daher aus therapeutischer Sicht stark vernachlässigte Erkrankung. Das bezahlen nicht nur die Patienten mit erheblicher Morbidität und Mortalität, sondern auch die Allgemeinheit mit enormen Kosten für die Folgekomplikationen. Die Professoren Jean-Yves Reginster von der Universität Lüttich und Pierre Delmas vom Hospital E. Herriot in Lyon belegten dies mit Zahlen.

Teure Komplikationen

Allein in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Großbritannien leiden nach neuesten Schätzungen etwa 12 Millionen Menschen an Osteoporose. Von den 60- bis 70-jährigen Frauen ist jede dritte betroffen, ab dem 80. Lebensjahr sind sogar zwei Drittel der Frauen daran erkrankt. Und obwohl die Osteoporose primär eine Erkrankung von Frauen in der Postmenopause ist, sind von ihr schätzungsweise mindestens auch 20 Prozent der Männer betroffen.
Etwa 400.000 Frauen in Europa ziehen sich jährlich eine Osteoporose-bedingte Hüftfraktur zu, und es wird erwartet, dass sich diese Zahl bis zum Jahr 2050 verdoppelt, wie Reginster betonte. Diese Komplikation ist nicht nur teuer - in England werden dafür beispielsweise jährlich 1,4 Milliarden Dollar aufgewendet -, sie ist auch mit einer erheblichen Einbuße an Lebensqualität und einem deutlich erhöhten Mortalitätsrisiko verbunden. "Trotz dieser alarmierenden Zahlen wird in Europa nicht einmal jeder vierte Patient behandelt", gab Reginster zu bedenken.

Zu wenig ernst genommen

Osteoporose wird, wie eine Befragung ergeben hat, nicht als ernste Erkrankung wahrgenommen, obwohl die jährliche Inzidenz osteoporotischer Frakturen mit 1,5 Millionen Fällen deutlich höher liegt als die der KHK und des Myokardinfarkts mit 513.000 Fällen, des Schlaganfalls mit 228.000 Fällen und des Brustkrebses mit 184.300 Fällen, berichtete Delmas. 
Eine Untersuchung in der Schweiz hat ergeben, dass Osteoporose-bedingte Frakturen eine höhere Krankenhausverweildauer pro Jahr (701.000 Tage) nach sich ziehen als etwa Schlaganfälle (533.000 Tage), Myokardinfarkte (328.000 Tage) oder Brustkrebs (201.000 Tage).
Und auch das Mortalitätsrisiko durch Osteoporose-bedingte Frakturen ist vielfach höher als angenommen: So ist das Lebenszeitrisiko einer 50-jährigen Frau, an einer Hüftfraktur zu sterben, mit 2,8 Prozent so groß wie bei Brustkrebs und größer als bei Endometriumkrebs (0,7 Prozent). Eine europäische Untersuchung bei älteren Frauen hat außerdem ergeben, dass die Mortalitätsrate bei Hüftfrakturen vergleichbar der bei Schlaganfällen ist. 
Auch hinsichtlich der Kosten ist die Osteoporose ein gewichtiger Faktor. Es ist berechnet worden, dass in Europa und den USA jedes Jahr 30 Milliarden Dollar dafür ausgegeben werden. Das ist mehr als das, was in Europa und den USA zusammen für die Behandlung einer Herzinsuffizienz aufgewendet wird. 

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