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Bei Harnverlust an Fistel denken

Nicht jeder Urinverlust ist eine Belastungsinkontinenz.

Wenn Frauen Urin verlieren sollte neben einer Belastungsinkontinenz auch eine vesikovaginale Fistel in Betracht gezogen werden – obwohl diese inzwischen selten geworden ist. Bei persistierenden Fisteln hilft nur die Operation.

Fisteln können nach geburtshilflichen oder gynäkologischen Eingriffen vorkommen. Die einfache Hysterektomie steht dabei an erster Stelle als Ursache für vesikovaginale Fisteln, aber auch gynäkologische Malignome, eine Radiotherapie des kleinen Beckens oder Fremdkörper in der Scheide kommen als Auslöser infrage. Anamnese und klinische Untersuchung sind diagnostisch wegweisend.

Permanenter Harnverlust

Typisch für die vesikovaginale Fistel ist der permanente Urinverlust sowohl tagsüber als auch während der Nacht. „Nicht jeder Urinverlust ist eine Belastungsinkontinenz“, warnte Dr. Christl Reisenauer, Universitätsklinikum Tübingen, vor einer möglichen Fehldiagnose. „Dahinter kann auch eine Fistel stecken“.

Eine rektovaginale Fistel geht mit Luft- und Schleimabgang sowie Stuhlverlust über die Scheide einher. Bei der klinischen Untersuchung befindet sich häufig Stuhl in der Vagina. Bei sehr kleinen Fisteln kann im Zweifelsfall die Instillation von Farbstoff in die Blase bzw. das Einspritzen von Farbstoff in das Rektum hilfreich sein. Bildgebende Verfahren haben ihren Stellenwert vor allem bei einer malignen Grunderkrankung und komplexen Fisteln.

Der erste Eingriff sollte erfolgreich sein

Eine persistierende Fistel kann in der Regel nur durch eine Operation zur Ausheilung gebracht werden. Die chirurgische Therapie muss individuell abgestimmt und maßgeschneidert sein, so Reisenauer. Und sie betonte, dass die beste Chance auf einen erfolgreichen Verschluss die erste Operation ist: Jeder Misserfolg verschlechtere die Prognose. Die Chancen auf Erfolg steigen, wenn bestimmte Vorgaben berücksichtigt werden: So sollte sich das Gewebe vor dem Eingriff erholt haben und ausreichend durchblutet sein. Außerdem muss das Operationsgebiet vollständig sauber sein, „sonst kommt es nicht zu einem Verschluss“, so Reisenauer.

Grundsätzlich können vesikovaginale und rektovaginale Fisteln über einen vaginalen oder einen abdominalen Zugangsweg operiert werden. Der vaginale Zugang belastet die Patientin aber am wenigsten, ist einfacher und risikoärmer.

59. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), München, 9.–13. Oktober 2012

springermedizin.de, Ärzte Woche 43/2012

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