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"Gesunde" Frauen sind oft doch krank

"Die Vorstellung, der Gynäkologe soll seiner Aufgabe als "Hausarzt der Frau" gerecht werden, erfordert eine Herangehensweise, die über gynäkologische Untersuchungen hinausgeht", so Prim. Dr. Hans Concin, Gynäkologische Abteilung des Landeskrankenhaus Bregenz. Gerade im Bereich der Menopause ist eine vielschichtige Betrachtungsweise gefordert. Concin beschrieb im Rahmen des Menopausekongresses 2002 die wesentlichsten klimakterischen Beschwerden für eine Diagnosefindung im Rahmen einer Gesundenuntersuchung. "Interessanterweise findet sich bereits an dritter Stelle der häufigsten Wechselsymptome die Arthropathia klimakteria", so Concin. Gelenksbeschwerden gehören neben Wallungen und Schweißausbrüchen zum klassischen Beschwerdebild. "Oft vermitteln die Frauen bei den gynäkologischen Gesundenuntersuchungen das Bild, gesund und zufrieden zu sein. Im Gegensatz zum Allgemeinmediziner kennt der Gynäkologe allerdings nicht die komplexe Krankengeschichte oder den familiären Hintergrund der Patientinnen. Mit nur wenigen Fragen, die wir in einem Fragebogen zusammengefasst haben, lassen sich die Symptome abklären." 

Es sei, wie Concin berichtet, manchmal geradezu ein "Aha-Erlebnis", dass bei einer gesund wirkenden Frau bei der Beantwortung der wenigen und einfachen Fragen ein depressives Zustandsbild zum Vorschein kommt! 
Im Jahr 1991 wurde im Rahmen des etablierten Vorarlberger AKS-Präventionsprogrammes (siehe untenstehenden Kasten) das "Frauen-Plus"-Programm begonnen. Bei über 5.000 Frauen im Alter von 40 bis 74 Jahren wurden bis ins Jahr 1999 Daten zu Osteoporose, seelischem Wohlbefinden und depressiven Zustandsbildern erhoben. 

Concin präsentierte die im europäischen "Maturitas"-Menopause Journal (No 41, Suppl.1, 2002) veröffentlichten Ergebnisse der Studie. Anhand von 58 Fragen zur Gesundheit, davon 19 zu den Themen Wohlbefinden, Lebensfreude, Sexualität und depressive Verstimmung, wurden die Vorarlberger Frauen durchleuchtet. 
Concin: "Die Zahl von an sich ?esunden?Frauen, die an einer Depression leiden, ist bemerkenswert hoch. Je nach Altersgruppe lag der Prozentsatz immerhin zwischen 5 bis 7,2 und 15,4 bis 19,8 Prozent!"

Die Mehrzahl der Depressionen und Angstzustände sei nicht diagnostiziert gewesen. Die Patientinnen präsentieren sich oft mit physischen Problemen, zum Beispiel abdominellen Beschwerden. Psychische Leiden werden oft bei Vorsorgeuntersuchungsprogrammen übersehen, können aber mit diesem Fragebogen aufgespürt werden.
Concin: "Wird ein depressives Zustandsbild diagnostiziert, so sollte die Patientin allerdings zu einem Facharzt verwiesen werden." Können depressive Stimmungen oftmals gut durch eine Hormonersatztherapie in den Griff bekommen werden, so gehöre die Major depression, wie Concin betont, in die Hand des Psychiaters. Hier dürfe der Gynäkologe nicht zu viel herumbasteln. 
Ob eine depressive Verstimmung tatsächlich auf Hormone anspricht, lässt sich nach neueren internationalen Studien daran erkennen, ob die depressiven Zustände gemeinsam mit klimakterischen Beschwerden bestehen. Ist dies nicht der Fall, so sei, wie Concin betont, eine diesbezügliche Wirkung von Hormonen nicht zu erwarten. 

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