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Pflanzliche Alternative bei Wechselbeschwerden

Die so genannten "selektiven Östrogenrezeptor-Modulatoren" (SERM) stellen eine neue Option bei der Behandlung von Wechselbeschwerden und der Vorbeugung von Osteoporose dar. Sie lösen aufgrund ihrer Organselektivität nur spezifische erwünschte östrogene Wirkungen aus, hingegen bleiben andere unerwünschte Wirkungen aus oder werden unterdrückt.
Wissenschaftler fanden ähnliche Eigenschaften in einer bereits bekannten Pflanze. Ein Spezialextrakt (BNO 1055) aus dem Wurzelstock der Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) hat in pharmakologischen Untersuchungen physiologische SERM-Aktivitäten gezeigt. Diese Ergebnisse konnten nun erstmals in einer randomisierten Doppelblindstudie bestätigt werden.

Studie bestätigt Wirksamkeit und Sicherheit

Wuttke et al. untersuchten klinische Wirksamkeit, Verträglichkeit und Sicherheit des Spezialextraktes im Vergleich mit konjugierten Östrogenen und Placebo über die Dauer von drei Monaten. Einschlusskriterien waren ein Alter von 40 bis 60 Jahren, eindeutige postmenopausale Hormonkonzentrationen und Symptomintensität. Eine Studien-Gruppe erhielt eine Kapsel mit Spezialextrakt zweimal täglich (40mg Substanz/Tag), die zweite Gruppe zweimal 0,3mg konjugierte Östrogene (0,6 mg/Tag), die dritte Gruppe eine Kapsel Placebo zweimal täglich. Als Prüfparamter dienten die Menopause Rating Scale (MRS I). Weiters wurden Daten zu Verträglichkeit, Sicherheit und eine Vielzahl von Laborparametern, wie Marker des Knochenstoffwechsels, erhoben. Ausgewertet wurden Daten von 62 postmenopausalen Patientinnen.

Während beide Präparate den Gesamtscore klimakterischer Beschwerden im Vergleich zu Placebo etwa gleich stark reduzierten, zeigte sich Cimicifuga-Extrakt (Klimadynon®) in Bezug auf die psychische Symptomatik der Therapie konjugierten Östrogenen überlegen. Klimadynon® reduzierte die MRS I-Items 4-7 (depressive Verstimmungen, Nervosität, Reizbarkeit, Ängstlichkeit, psychische und physische Erschöpfung sowie Libidoverlust) tendenziell besser als die konjugierten Östrogene und signifikant stärker als Placebo. Auch ein osteoprotektiver Effekt konnte für Klimadynon® nachgewiesen werden. Die Messung der knochenspezifischen alkalischen Phosphatase (bAP) zeigte eine signifikante Erhöhung der Osteoblastenaktivität im Vergleich zu Placebo und konjugierten Östrogenen. Eine leichte Reduktion des Knochenabbaus konnte durch Bestimmung eines anderen Markers, der CrossLaps, festgestellt werden. Studienleiter Dr. Wolfgang Wuttke, von der Abteilung für Klinische und Experimentelle Endokrinologie der Universität Göttingen: "In der Relation von Knochenauf und -abbau, Bone Turnover, unterscheidet sich der Spezialextrakt signifikant von Placebo und ist den konjugierte Östrogenen vergleichbar." Die schon in tierexperimentellen Untersuchungen für das Cimicifuga-Extrakt BNO 1055 nachgewiesenen fehlenden unerwünschten Effekte auf das Endometrium wurden in der vorliegenden Studie bestätigt. Während sowohl unter Placebo als auch der Therapie mit Klimadynon" die Endometriumdicke unverändert blieb, zeigte sich bei den mit Östrogen behandelten Frauen ein signifikanter proliferativer Effekt auf das Endometrium. 

Quelle: Wuttke et al, 2002. Erstpublikation beim 10th World congress on the Menopause, Berlin 2002

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