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Rotklee - eine neue Option in der Menopausetherapie

"Die Inzidenz menopausaler Symptome ist bei asiatischen Frauen viel niedriger als etwa in den USA oder Europa", berichtete Prof. DDr. Johannes Huber von der Universitätsfrauenklinik Wien. Erklärt werden könne dies mit dem hohen Gehalt an Isoflavonen asiatischer Nahrungsmittel wie beispielsweise Soja. "Es lag also nahe, auch in unseren Breiten nach Pflanzen Ausschau zu halten, die einen ähnlich hohen Isoflavongehalt haben. Gestoßen ist man dabei auf den Rotklee, dessen Blätter reich an Isoflavonen sind", so Huber weiter.

Isoflavone gehören zu den so genannten Phytoöstrogenen: Sie binden selektiv Östrogenrezeptoren und entfalten dort östrogene, aber auch antiöstrogene Wirkung. Unterschieden werden die so genannten alpha-Östrogenrezeptoren (ER-alpha) im Brust- und Uterusgewebe von den Beta-Östrogenrezeptoren (ER-beta) im Herz-Kreislauf- und Knochensystem.

Synthetische Östrogene aktivieren beide Rezeptoren, die Phytoöstrogene des Rotklees jedoch binden mit höherer Affinität an den ER-beta als an den ER-alpha. Die Wirkung am Rezeptor ist wesentlich höher als vergleichbare Sojamengen, weshalb man "Rotklee als hocheffektiven natürlichen SERM (selective estrogen receptor modulator) bezeichnen kann", erklärte Huber.

Ein wesentlicher Unterschied zum Soja: Isoflavone im Rotklee sind an Zucker gebunden, im Soja jedoch an Proteine und Fette, die erst im Darm hydrolysiert werden müssten. Huber: "Das erklärt die häufigen Verdauungsprobleme nach Genuss von Sojaprodukten."

Isoflavonen werden außerdem kanzeroprotekive Effekte sowie ausgezeichnete Radikalfängerfunktion zugeschrieben, "was für jeden, der sich mit Anti-Aging beschäftigt, ebenfalls von großem Interesse ist", so Huber.

Höchste Konzentration in Soja, Klee und Bohnen

Über die Schwierigkeiten der Extraktherstellung und der Standardisierung des Endproduktes berichtete Prof. Dr. Krenn von Institut für Pharmakognosie in Wien. Sie betont, dass Phytoöstrogene in mehr als 300 Pflanzen nachgewiesen wurden, die höchste Konzentrationen jedoch in Soja, Klee, Erdnüssen und Bohnen und eben im Rotklee, der als heimische Pflanze leicht verfügbar ist.

Der Isoflavongehalt des Extraktes ist von vielen Faktoren abhängig, wie der Rotklee-Sorte, den klimatischen Bedingungen, Düngung, Schnitt und Verarbeitung und in weiterer Folge vom Herstellverfahren, bei dem wiederum auch das Extraktionsmittel und die technischen Anlagen von Bedeutung sind.

Dr. Felix Stonek von der Universitätsfrauenklinik Wien berichtete schließlich über die Ergebnisse einer rezenten doppelblinden, randomisierten und placebokontrollierten Studie mit standardisiertem Rotklee-Extrakt: Ausgewählt wurden 63 postmenopausale Frauen ohne Hormonersatztherapie. 46 erhielten das Verum, also den Rotklee, 17 erhielten Placebo.

Die Frauen wurden drei Monate lang behandelt. 84 Prozent der Frauen berichteten über eine signifikante Besserung ihrer Beschwerden, lediglich 14 Prozent erklärten, sie hätten keine Änderung ihrer Symptome bemerkt. Verglichen wurden auch die so genannten "Umsteigerinnen" mit den "Einsteigerinnen", also Frauen, die zuvor schon eine Hormontherapie bekommen hatten, mit solchen, die keine solche Therapie gehabt hatten.

Großteils zufriedene Patientinnen

Von Umsteigerinnen waren über 90 Prozent zufrieden, bei den Einsteigerinnen war die Zufriedenheit mit etwas unter 80 Prozent etwas geringer. Stonek nennt als Erklärung dafür die doch etwas längere Zeitspanne bis zum Einsetzen der Wirkung, die er bei sechs bis acht Wochen ansetzt.

Auf die Frage, ob sie den Rotklee (Menoflavon ®) weiterempfehlen würden, antworteten 80 Prozent der Befragten mit "ja", 20 Prozent mit "nein". Auch die Nebenwirkungsrate war sehr gering, wie Stonek ausführte: "Eine Frau bekam eine allergische Urtikaria, die nicht mit letzter Sicherheit auf den Rotklee zurückzuführen war, eine weitere berichtete über Übelkeit und Erbrechen." Der Gynäkologe resümmierend: "Rotklee eignet sich hervorragend zur Behandlung klimakterischer Beschwerden in der Menopause oder Postmenopause, als Ergänzung, aber auch als Ersatz zu einer HRT."

Quelle: Menopause-Kongress in Wien

Dr. Irene Lachawitz, Ärzte Woche 1/2005

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