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Lebensqualität in der Menopause und Krebsvorbeugung

Die orthomolekulare Medizin, basierend auf den Erkenntnissen des amerikanischen Biochemikers und zweifachen Nobelpreisträgers Linus Pauling, gewinnt zunehmend mehr Beachtung und Einsatz in unserer "westlichen" Medizin. Das Wirkprinzip wurde von Pauling wie folgt definiert: "Orthomolekulare Medizin ist die Erhaltung guter Gesundheit und die Behandlung von Krankheiten durch Veränderung der Konzentration von Substanzen, die normalerweise im Körper vorhanden und für die Gesundheit verantwortlich sind."
Dabei werden über 40 Vital- -stoffe wie Vitamine, sekundäre Pflanzenstoffe, essentielle Fettsäuren, Mineralstoffe und Aminosäuren genau auf die Anforderungen einzelner Risikogruppen abgestimmt.

Prophylaktische Wirkung beim Mamma-Karzinom

Im Rahmen der Menopausetagung in Wien berichtete der Gynäkologe Dr. Bernd Kleine- Gunk von der EuromedClinic, Fürth, Deutschland, über die prophylaktische Wirkung der Phytoöstrogene in der Entstehung des Mamma-Karzinoms.

Ausgehend von der Krebsmehrschritttheorie greifen die Phytoöstrogene und Antioxidantien auf mehreren Ebenen protektiv ein. Erster Schritt ist die "Krebsinitiation": Auslösung einer Mutation in einer gesunden Zelle zur karzinomatösen Zelle durch Einwirkung von Karzinogenen und freien Radikalen. Danach folgt als zweiter Schritt die "Krebspromotion", zu verstehen als Förderung des Krebswachstums durch Hormone, Wachstumsfaktoren und Angiogenesefaktoren.

Nutritional Cancer Prevention Program

"Das Nutritional Cancer Prevention Program sieht die Zufuhr natürlicher Antioxiantien sowie sekundärer Pflanzenstoffe zur Krebsprävention vor", erklärte Kleine-Gunk. "Vitamin A, C und E weisen antioxidatives Potenzial auf, an so genannten ,sekundären Pflanzenstoffen´ sind Lykopin, der rote Farbstoff der Tomate mit seiner achtmal höheren antioxidativen Wirksamkeit als Vitamin C, hervorzuheben", so Kleine-Gunk weiter. Epigallo-Catechingallat, im Grünen Tee enthalten, zeigt deutliche tumorprotektive Wirkung.

Als weiterer wichtiger Tumorprotektor ist das Phytoöstrogen zu nennen. Dazu der Vortragende: "Phytoöstrogene sind eigentlich Phyto-SERMs (selektive Östrogen-Rezeptor-Modulatoren), chemisch stehen sie zwischen Östriol und synthetischen SERMs." In ihrer differenzierten Wirkung zeigen sie einerseits über Beta-Östrogenrezeptoren ein Osteoporose- und Arteriosklerose-prophylaktisches Potenzial, an Endometrium und Brustdrüse ist eine antiöstrogene Wirkung nachgewiesen.

Hauptlieferant von Phytoöstrogen ist Soja. "Anhand zahlreicher vergleichender Studien zur Brustkrebs- inzidenz in Asien, Europa und USA ist die geringe Erkrankungsrate bei Asiatinnen vorwiegend auf die sojareiche Ernährung zurückzuführen."

Positive Effekte auf klimakterische Symptome

Einen weiteren positiven Effekt haben die Phytoöstrogene auf Menopause-assoziierte Symptome wie Hitzewallungen (hot flushes), Stimmungslabilität und Atrophie des Vaginalepithels.

Dazu Prof. Dr. Christian Kainz, Krankenhaus Döbling, Wien: "Anhand einer prospektiven, doppelblinden, randomisierten, plazebokontrollierten Studie mit 177 Patientinnen konnte eine signifikante Abnahme der vasomotorischen Beschwerden (Hitzewallungen) festgestellt werden. Diese Symptomreduktion stellte sich nach zwei- bis dreiwöchiger Gabe von Genistin/Daidzein ein. Die Osteoprotektion als zusätzlich positive Wirkung der Phytoöstrogene erklärt sich durch die TNF-Alpha-Hemmung, eine Verminderung der Osteoklastenaktivität bei gleichzeitiger Osteoblastenstimulierung und Förderung der Knochenmineralisation."

Mehr Soja essen

Neben der Modifikation "unserer" Ernährungsweise in Richtung sojahältiger Nahrungsmittel darf die Einhaltung oder das Erreichen des Normal- oder Idealgewichts nicht fehlen. "Denn Fettgewebe dient nicht nur als Speicher übermäßig zugeführter Kalorien, sondern ist auch ein östrogenproduzierendes Organ", betont Kleine-Gunk.

Und der Gynäkologe weiter: "Die im Fettgewebe befindliche Aromatase wandelt bekannterweise Androstendion und Testosteron in Östron und Östradiol um, womit es zu einem unphysiologisch hohen Östrogenspiegel im Blut kommt. Diese wiederum wirken an den östrogenabhängigen Geweben wie Endometrium und Mamma stimulierend, was durch eine Fettreduktion erfolgreich verhindert werden kann."

Dr. Maria Radlspöck, Ärzte Woche 1/2005

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