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Östrogen geht durch die Nase

Das Klimakterium wird nicht zuletzt durch die erhöhte Lebenserwartung in den kommenden Jahrzehnten einen weitaus größeren Stellenwert in der Medizin einnehmen. Man geht davon aus, dass die Zahl der Frauen in der Menopause weltweit von 467 Millionen (im Jahr 1990) in den nächsten dreißig Jahren auf 1,2 Milliarden ansteigen wird. Die Hormonersatztherapie (HET) hat sich bereits als Standardtherapie zur Behandlung mit dem Wechsel assoziierter Störungen etabliert.

Individualität der Frau berücksichtigen

In den letzten Jahren zeigte sich, dass bei der Substitutionsbehandlung vor allem das individuelle Vorgehen im Vordergrund stehen sollte. "Je mehr unterschiedliche Therapiekonzepte wir in Händen halten, umso stärker können wir die Individualität der Frau berücksichtigen. Die Auswahl der entsprechenden Substanz spielt hier ebenso eine Rolle, wie die Dosierung und die Art der Verabreichung", erklärte Prof. DDr. Johannes Huber, Universitätsklinik für Frauenheilkunde, AKH Wien, auf einem Satellitensymposium der Firma Servier Austria anlässlich des Menopause-Andropause-Kongresses 2001 Mitte Oktober im Wiener Hotel Hilton.

Bereits die Entwicklung der transdermalen hormonellen Gabe ist, so Huber, ein Quantensprung in der HET gewesen. Ein solcher könnte durch die intranasale Applikationsform nun ebenfalls bevorstehen.

Anwendung über die Nase

Bei der praktischen Anwendung der Hormonersatztherapie besteht oft die Problematik der unterschiedlichen Bioverfügbarkeit, hepatischer "First pass Effekte" oder lokaler dermatologischer Reaktionen. Nun steht ein weiterer, vielversprechender Weg für das Östrogen offen, in den Körper zu gelangen. Dass sich die Nasenschleimhaut als "Aufnahmeorgan" besonders gut eignet, konnte bereits bei LHRH oder synthetischem Calcitonin gezeigt werden.

Gute Compliance

Neben der guten Resorption konnte bei dieser Applikationsform auch eine gute Langzeitcompliance der Patienten beobachtet werden. Die Nase besitzt eine Resorptionsoberfläche von durchschnittlich 160 cm2. Zudem sorgen der Effekt der Zilien und eine gute, konstante Durchblutung der Schleimhaut für eine zusätzliche Verbesserung der Aufnahme. Für Östrogen als lipophile Substanz jedoch musste eine Möglichkeit gefunden werden, die Resorption zu steigern.

Aerodiol® enthält 17-Beta-Östradiol, das in einem Cyclodextrinderivat namens RAMEB (Randomly methylated beta-cyclodextrin) gelöst ist. Durch diesen Kunstgriff wird das fettlösliche Hormon in wässriger Lösung gehalten und bewirkt damit eine äußerst hohe Absorptionsrate.

Die rasche Resorption der Substanz wird zudem dem jüngsten Konzept der pulsatilen Therapie gerecht: Die Experten des Satellitensymposiums sprechen hier von einer "Designer- Östrogengabe", da sie sehr kreativ ist und eine individuelle Einstellung ermöglicht. Prof. Dr. Christian Kainz, Krankenhaus Döbling, Wien: "Der Vorteil der nasalen Applikation liegt vor allem in der Anwenderinnenfreundlichkeit: Die Patientinnen schätzen neben der guten Wirksamkeit und Verträglichkeit besonders die Möglichkeit der diskreten Verabreichungsform."

Pulsatile Therapie

Die neue Form der Applikation von Östrogen in Form der intranasalen Applikation scheint vielversprechend, was sowohl die klinische Wirkung als auch die Praktikabilität der Anwendung betrifft. "Wir sollten unser mechanistisches Denken des Dosis-Wirkungsprinzips bei der Hormongabe überdenken und uns vielmehr der Idee hingeben, dass durch eine kurzfristige Impulsgebung eine Genexpression erfolgt, die eine weitere Kaskade auslöst", erläuterte Huber.

Das blitzartige Anbieten des Hormons in wässriger Lösung über die Nasenschleimhaut hat genau diesen Effekt: Aufgrund der guten Absorption des Hormons durch RAMEB gelangt 17-Beta-Östradiol rasch in den Blutkreislauf. Nach kurzer Zeit sind supraphysiologische Konzentrationen nachzuweisen, die von einem raschen Abfall gefolgt werden: Nach nur 2 Stunden sind lediglich 10 Prozent der anfänglichen Konzentration im Plasma zu finden.

Besser verträglich, besser steuerbar

Die Östrogenrezeptoren werden dadurch daher nicht dauerhaft stimuliert, was die bessere Verträglichkeit und die einfachere Steuerbarkeit gegenüber den oralen und transdermalen Applikationswegen erklärt. Die pulsatile Gabe bewirkt jedoch eine Kaskade an Proteinexpressionen in den Zielzellen des Östrogens. Die aktivierten Rezeptoren in Zellen der Gefäße und Knochen, des Gehirns oder des Genitalgewebes besitzen eine lange Halbwertszeit, sodass trotz raschem Absinken des Hormonspiegels im Blut die Wirkung des Östrogens über 24 Stunden bestehen bleibt. (Studd et al, Lancet Vol, 353, 1999) Eine einmalige Gabe pro Tag reicht daher zumeist aus. Die Kumulation wird aufgrund der pharmakokinetischen Eigenschaften vermieden.

Zwei von drei Frauen bevorzugen Aerodiol®

In einer randomisierten Studie wurde die intranasale Verabreichung mit der transdermalen Applikation verglichen (Lopes et al, Obs & Gyn, Vol 96, 2000). Der Kuppermann-Index, jener Parameter, der das klimakterische Beschwerdebild der Patientinnen widerspiegelt, konnte unter der Therapie in gleichem Ausmaß wie bei der transdermalen Verabreichung signifikant gesenkt werden. Es kam bei der nasalen Anwendung jedoch seltener zu Mastalgien und Abbruchsblutungen.

In dem Untersuchungszeitraum von 16 Wochen konnte gezeigt werden, dass die transnasale Verabreichung im Vergleich zum Hormonpflaster genauso wirksam und sicher, jedoch durch eine bessere Verträglichkeit gekennzeichnet ist. Zwei von drei Frauen gaben nach Beendigung Aerodiol® den Vorzug. Diese Zufriedenheit macht sich, so die Untersucher, besonders in der für die Hormonersatztherapie erforderlichen Langzeitcompliance bemerkbar. Zudem zeigte sich in einer weiteren Studie, dass es unter Aerodiol® innerhalb eines Jahres zu keiner nachweisbaren Endometriumhyperplasie kommt (Gompel et al, Maturitas 36, 2000)

Die Handhabung von Aerodiol® ist denkbar einfach. Pro Tag wird ein Sprühstoß Aerodiol®, entsprechend 150µg Östradiol-Hemihydrat morgens in jedes Nasenloch appliziert. Die Dosis kann auf eine weitere Anwendung am Abend gesteigert werden.

Die empfohlene Dosis von 300 µg pro Tag entspricht 50 µg bei der transdermalen Anwendung, beziehungsweise 2 mg bei der oralen Gabe. Kainz: "Die Kombination der für die Patientinnen äußerst freundlichen Handhabung mit der Möglichkeit, auf das Konzept der pulsatilen Hormongabe einzugehen, macht Aerodiol® zu einem äußerst interessanten Therapeutikum."

Dr. Ronny Teutscher, Ärzte Woche 1/2005

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