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Die Ergebnisse der Brustkrebs-Präventionsstudien

Im Rahmen des Menopausenkongresses referierte Prof. Dr. Michael Seifert, Universitätsklinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, Wien, über die teilweise sehr kontroversiellen Ergebnisse der Brustkrebs-Präventionsstudien.

Die US-amerikanische Studie "Breast Cancer Prevention Trial" (BCPT) von Fisher et al. musste laut Ethikkomission abgebrochen werden, da es unethisch gewesen wäre, die Studie fortzusetzen, weil die Tamoxifen-Gruppe gegenüber der Plazebogruppe eine 30- bis 50-prozentige Reduktion des Brustkrebsrisikos aufwies. Die randomisierte, doppelblinde, plazebokontrollierte Studie dauerte vier Jahre, eingeschlossen waren 13.388 Frauen.
Seifert:"Alle Altersgruppen profitierten von Tamoxifen hinsichtlich der Prophylaxe des Mamma-Karzinoms."

USA: Unterschied zwischen prä- und postmenopausal

Die Tamoxifengruppe erhielt 20 mg Tamoxifen pro Tag. Bei den prämenopausalen Frauen, die ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs hatten (welches mit Hilfe eines computergesteuerten Genmodelles eruiert wurde), konnte bei der Verumgruppe in 14 von 31 Fällen (jeweils bezogen auf 1000 Frauen) ein invasives Mamma-Karzinom verhindert werden, was einer Reduktion des Risikos um 50 Prozent entspricht, bei 15 Patientinnen konnte in 11 Fällen ein non-invasives Mamma-Karzinom verhindert werden. Es konnten in dieser Altersgruppe keine Effekte hinsichtlich der Entwicklung eines Endometrium-Karzinoms oder vaskulärer Erkrankungen (thromboembolische Komplikationen, KHK) festgestellt werden.

Bei den postmenopausalen Frauen mit erhöhtem Brustkrebsrisiko wurde in der Tamoxifengruppe in 17 von 33 Fällen ein invasives Mamma-Karzinom verhindert, was wiederum einer hochsignifikanten Verminderung um 50 Prozent entspricht, sowie 3 von 10 Fälle an non-invasivem-Mamma-Karzinom. Hier kam es allerdings zu 12 zusätzlichen Endometrium-Karzinomen und zu 10 zusätzlichen vaskulären Erkrankungen auf 1000 Frauen (siehe Abb.). Auch die Thromboserate stieg bei den postmenopausalen Frauen um 1,7 an. Seifert: "Auf die Letalität des Endometriumkarzinoms wirkte sich Tamoxifen allerdings nicht aus, wenn man die Statistik der Todesfälle betrachtet."

Wenn sich in der Tamoxifengruppe tatsächlich ein Mamma-Karzinom entwickelt hatte, wirkte sich Tamoxifen positiv auf die Tumorgröße und den Lymphknotenststatus aus. In der Plazebogruppe kam es zu signifikant häufigeren östrogenrezeptorpositiven Mamma-Karzinomen.

"Tamoxifen reduziert offenbar nur die östrogenrezptorpositiven Mamma-Karzinome, nicht aber die östrogenrezeptornegativen", so Seifert. Tamoxifen als SERM wirkte osteoprotektiv und senkte die Frakturrate. Von den Patientinnen, die bei der Randomisierung keine Katarakt hatten, entwickelten unter Tamoxifen zwar nur minimal eine solche als die in der Plazebogruppe, allerdings mussten signifikant mehr deshalb operiert werden.

Ganz andere Ergebnisse bei europäischen Studien

Ein ganz konträres Bild bietet eine kleinere italienische Studie (allerdings mit etwas anderem Studiendesign) von Veronesi et al. an nur 5408 Frauen, die alle hysterektomiert waren. Auch hier wurde Tamoxifen 20 mg gegen Plazebo untersucht, brachte aber andere Ergebnisse. Auffallend war die hohe drop-out-rate: nach fünf Jahren waren nur noch 149 Frauen in der Studie.

Zwischen der Verum- und der Plazebogruppe war in der Entwicklung des Mamma-Karzinoms kein (!) Unterschied festzustellen, auch nicht hinsichtlich Tumorgröße, Grading etc.

Eine britische Studie mit 2500 Patientinnen mit auffällig hoher genetischer Disposition (BR- CA-1 und -2-Trägerinnen) zeigte ebenfalls keinen signifikanten Unterschied zwischen der Tamoxifen- und der Plazebogruppe. Auch hier war die drop- out-rate relativ hoch. Unter Tamoxifen kam es bei den prämenopausalen Frauen zu einer signifikant erniedrigten (!) Knochendichte. Seifert: "Die Einschlusskriterien für diese Studien waren alle sehr unterschiedlich. Nach wie vor ist unklar, warum es in den USA zu einer 50-prozentigen Reduktion des Mamma-Karzinom-Risikos kam, in Europa hingegen der Effekt des Tamoxifens quasi gleich Null war."

Derzeit sind weitere Studien im Laufen wie der STAR-Trial (Study of Tamoxifen and Raloxifene) an 22.000 Frauen. Seifert: "Vielleicht wird sich dann zeigen, ob Tamoxifen nun einen Benefit bringt oder nicht..."

Dr. Hannelore Nöbauer, Ärzte Woche 1/2005

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