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Österreicher nehmen zu wenig Kalzium und Vitamin D

Kalzium und Vitamin D sind wichtige Komponenten zur Bildung der maximalen Knochendichte beim Jugendlichen, zur Erhaltung des Knochens beim Erwachsenen und zur Verhinderung des Abbaues beim alternden Menschen. OA. Dr. Stefan Kudlacek von der Internen Abteilung des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder, Ludwig-Boltzmann-Institut für Altersforschung, Wien, führte eine österreichweite Erhebung des Kalzium- und Vitamin-D-Metabolismus durch.

Subklinische Vitamin-D-Defizienz

Das Frakturrisiko wird von vielen Variablen beeinflusst; durch die Bestimmung der Knochendichte erhält man eine messbare, vergleichbare und definierte Größe, die zur Therapieentscheidung herangezogen werden kann. Eine Fraktur erhöht das Risiko für eine weitere Fraktur um das Doppelte, bei gleichzeitig verminderter Knochendichte erhöht sich das Risiko um das 25fache. Als Standardmethode gilt derzeit die DXA (Dual Energy X Ray Absorptiometrie)-Messung an der Wirbelsäule und am Schenkelhals. Die Prävalenz der subklinischen Vitamin-D-Defizienz ist in den verschiedenen Ländern Europas äußerst unterschiedlich.

Kalzium: wenige Untersuchungen

Zur laborchemischen Diagnostik einer Vitamin-D-Defizienz ist die Serumbestimmung von erniedrigtem 25-OH-Vitamin D notwendig. Das intakte Parathormon zeigt bereits einen kompensatorischen Anstieg bei geringer, subklinischer Vitamin-D-Defizienz. Durch den sekundären Hyperparathyreoidismus kommt es zum allmählichem Verlust des Knochenmineralgehaltes. Anders als beim Vitamin D ist die Versorgung mit Kalzium weltweit in der Normalbevölkerung kaum untersucht.

Die Rekrutierung eines repräsentativen österreichischen Patientenkollektives erfolgte mittels Zufallsgenerator. An 17 osteologischen Zentren Österreichs wurden 1.436 Probanden zwischen 20 und 80 Jahren per Aussendung einberufen. Anamnese, Lebensgewohnheiten und Risikofaktoren wurden mittels eines Fragebogens erhoben, eine laborchemische Bestimmung durchgeführt (Serumkalzium, Phosphat, alkalische Phosphatase, Serumgesamteiweiß, FSH, Östrogen, Testosteron, 25-OH-Vitamin D, 1,25- (OH)2-Vitamin D) und die Knochendichte an der Wirbelsäule und am Schenkelhals bestimmt. Entsprechend der Einschlusskriterien wurde die Untersuchung an 1.048 Probanden (648 Frauen und 400 Männer, Durchschnittsalter 44,5 beziehungsweise 50 Jahre) durchgeführt. Die tägliche Kalzium- und Vitamin-D-Aufnahme wurde aus den gängigen Nahrungsmitteln erhoben.

"Österreicher dramatisch unterversorgt"

Das Resultat: "Die österreichische Bevölkerung hat eine dramatische Unterversorgung, was Kalzium und Vitamin D betrifft", so Kudlacek. Die Summe der täglich mit der Nahrung zugeführten Kalziummenge ist zwischen Frauen und Männern vergleichbar und liegt etwa bei der Hälfte der von der WHO empfohlenen Tagesmenge von 1000 mg/Tag. Im gesamten Kollektiv zeigte sich ein Trend zu einer verminderten Einnahme in den höheren Altersgruppen.

Die Aufnahme von Vitamin D durch diverse Nahrungsmittel war bei Frauen tendenziell niederer als bei den Männern, jedoch deutlich unter den von der WHO empfohlenen 400 IU. Gegen das Alter hin nimmt die Vitamin-D-Aufnahme allerdings deutlich zu. Sowohl 25-(OH)-Vitamin D als auch 1,25- (OH)2-Vitamin D zeigen eine breite Variation. Gut ein Viertel aller Probanden in der Normalbevölkerung waren der Definition nach Vitamin-D-defizient. Nach einer Untersuchung von Chapuy et al kann durch zusätzliche Substitution von Kalzium und Vitamin D3 die Rate an Oberschenkelhalsfrakturen nach 18 Monaten Therapie um 43 Prozent gesenkt werden.

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