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HRT und kardiovaskuläre Prävention

Die Frage, ob die HRT einen Stellenwert in der Primär- und Sekundärprävention kardiovaskulärer Erkrankungen hat, versuchte Prof. Dr. Michael H. Birkhäuser von der Universitätsfrauenklinik, Inselspital Bern, zu beantworten und schickte seinem Vortrag voraus, dass die Daten zur Rolle der HRT in der Primärprävention immer wieder kritisiert würden, da es keine randomisiert prospektiven, placebokontrollierten Studien gäbe.

Birkhäuser: "Es liegen aber viele Daten aus Beobachtungsstudien vor." So ergaben "Lipid Research Study" und die "Nurses Health Study" ein relatives Risiko von weniger als 1 für die kardiovaskuläre Mortalität und belegen somit einen klaren Benefit. Diesen hat man mit dem positiven Effekt der Östrogene auf die LDL zu erklären versucht. Insgesamt könne unter HRT sowohl für die Östrogen- als auch die Kombinationstherapie ein positiver Effekt auf Cholesterin und HDL- beziehungsweise LDL-Fraktion beobachtet werden.

Hingegen ist bei oraler Therapie mit Östrogenen ein Anstieg der Trigylceride zu verzeichnen, bei transdermaler Applikation steigen sie etwas weniger an.

Zur low-dose-Therapie gäbe es wenig Daten, aber auch hier könne der Benefit gehalten werden. Birkhäuser: "Es scheint so zu sein, dass Hochrisikogruppen von einer HRT stärker profitieren. Das konnte auch für Raucherinnen belegt werden." Und eher als ein Einfluss auf die Lipidsituation würde ein direkter Einfluss auf die Gefäßwand für die Verbesserung der kardiovaskulären Mortalität angenommen werden, hebt Birkhäuser hervor.

In der Sekundärprävention ist der positive Einfluss der HRT weniger untermauert: Bei der KHK sei möglicherweise ein langfristiger Effekt zu erwarten, wie Daten aus der HERS-Studie zeigen, die 1998 im "JAMA" publiziert wurde. Auch der Effekt nach Bypass-Operationen sei ein eher langfristiger, so die Daten aus dem "ERA-TRIAL", das den Effekt von HRT auf die Progression der Atherosklerose untersuchte.

Was lässt sich daraus an Empfehlungen ableiten? Birkhäuser: "In der Primärprävention ist eine HRT dann indiziert, wenn noch eine zweite Indikation wie beispielsweise Osteoporose besteht. Gibt es keine anderen Indikationen, würde ich eher keine HRT geben. Aber man kann sagen: Je höher das kardiovaskuläre Risiko einer Patientin, desto sinnvoller wird eine HRT sein.

Für die Sekundärprävention gilt: Erste Wahl nach einem kardiovaskulären Ereignis sind Statine, denn diese Substanzgruppe hat einen nachgewiesenen positiven Einfluss auf die kardiovaskuläre Mortalität. Eine bereits begonnene HRT kann jedoch weitergeführt werden. Begonnen werden allerdings sollte eine HRT nur dann, wenn es noch andere Indikationen gibt. Dann sollte niedrig dosiert werden und die transdermale Applikation bevorzugt werden."

Quelle: Vortrag im Rahmen des Kongresses "Menopause und Andropause 2001" vom 11.-13. Oktober in Wien

Dr. Irene Lachawitz, Ärzte Woche 1/2005

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