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Viele Fragen, wenige Antworten: Hormonersatz bei Diabetikerinnen

"Nur etwa die Hälfte der Diabetikerinnen erhält für ihre klimakterischen Beschwerden eine Behandlung", zitiert Prof. Dr. Thomas Van Holst, Universitätsfrauenklinik Heidelberg, eine große US-Studie und bestätigt diese Zahlen aus eigener Erfahrung: "Auch wir sehen nur wenige Diabetikerinnen!" Eine mögliche Erklärung: Diese Frauen seien mit der Behandlung ihres Diabetes schon vollauf beschäftigt und möglicherweise etwas "therapiemüde", wenn es um andere Symptome geht.

Was für eine Hormonersatztherapie (HRT) bei dieser Patientinnengruppe spricht, ist der nachgewiesene Effekt von Östrogenen (und in geringerem Maße der Gestagene) auf den Lipidstoffwechsel, was dagegen spricht, ist das erhöhte Thromboembolierisiko. Diabetikerinnen haben ein im Vergleich zur gesunden Bevölkerung doppelt so hohes Thrombose-Risiko. Und gerade in den ersten Jahren einer HRT sei das Thromboserisiko auch bei Nicht-Diabetikerinnen erhöht, betont Van Holst.

Und van Holst weiter: "Aus Studien wissen wir, dass der Einfluss einer HRT auf Insulinspiegel und Blutzucker nicht signifikant ist: Beide Werte bleiben entweder gleich oder sinken leicht, ähnliches gilt auch für die Insulinresistenz, die entweder leicht abnimmt oder gleich bleibt. Cholesterinspiegel und LDL-Fraktion können sinken, das HDL ansteigen, die Triglyceride bleiben auch entweder gleich oder aber steigen leicht an."

Was den Einfluss auf das HbA1C betrifft, seien die Ergebnisse der Untersuchungen nicht konsistent, "insgesamt ein unbefriedigendes Bild," resümiert van Holst. Einzig nachgewiesen seien positive Effekte auf bestimmte Gefäßwandmarker wie das tissue PA, Endothelin, CRP und Fibrinogen.

"Insgesamt werfen die Studien zu diesem Thema mehr Fragen auf als sie beantworten", gibt van Holst zu bedenken. Die "North American Menopause Society" (NAMS) hat trotzdem im Jahr 2000 Richtlinien zur HRT für die Gruppe der Diabetikerinnen herausgegeben: Erstens sollte eine transdermale Applikation vor der oralen und CEE low-dose-E2 der Vorzug gegeben werden, ebenso den Progesteronen vor den Pro-Gestagenen und die Therapie eher zy- -klisch als kontinuierlich erfolgen. "Aber es gibt keinerlei Studien zu den Themen ,HRT und Herzinfarkt?und ,HRT und Schlaganfall?für Diabetikerinnen", so van Holst abschließend.

In einem Kommentar zum Vortrag meinte Prof. Dr. Lauritzen ergänzend: "Vor wenigen Jahren noch haben Internisten eindrücklich vor einer HRT bei Diabetikerinnen gewarnt. Heute weiß man zumindest, dass Hormone nicht schädlich sind!"

Vortrag im Rahmen des Kongresses "Menopause-Andropause", 11.-13. Oktober in Wien

Dr. Irene Lachawitz, Ärzte Woche 1/2005

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