zur Navigation zum Inhalt
 

Mammakarzinom-Risiko: Fatale Rechenfehler

Nach den kritischen Daten zur Hormonersatzbehandlung verändert sich das Vorgehen dramatisch. Komplementäre Methoden wie die Neuraltherapie sind auf dem Vormarsch.

Die Beunruhigung ist durchaus plausibel, denn immer wieder ist die Rede von einem kumulativen Risikos von zehn Prozent, im Laufe eines Frauenlebens an Brustkrebs zu erkranken. Große Studien wie die Women’s Health Initiative Randomized Trial und Million Women Study ergaben zudem, dass bei einer Einnahme von Östrogen-Gestagen-Kombinationen im Rahmen einer Hormonersatztherapie (HRT) das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, um den Faktor 1,24 bzw. 2,00 erhöht ist. Vereinfachte Rechnungen ergeben daher Horrorzahlen, infolge einer HRT an einem Mammakarzinom zu erkranken, von bis zu 20 Prozent!

Grobe Vereinfachungen

Gegen diese groben Vereinfachungen und Angstmache tritt Prof. Dr. Rainer Kürzl von der Ludwig-Maximilians-Universität München auf: „Tatsächlich zeigen altersspezifische Inzidenzzahlen des Tumorzentrums München, dass die Chancen eines weiblichen Neugeborenen, bis zum 80. Lebensjahr irgendwann eine Entartung des Brustgewebes zu erleiden, bei rund 10,2 Prozent liegen. Dennoch sind diese rein theoretischen Rechenspiele für die Rat suchende Frau komplett sinnlos, denn das kumulative Erkrankungsrisiko sinkt zusehends mit steigendem Alter."
Tatsächlich ergibt die Auswertung weiterer Inzidenzzahlen für Frauen zwischen 50 und 84 Jahren ein reales Risiko, welches zwischen 0,3 und 0,4 Prozent liegt. Laut Kürzl relativiert diese Sichtweise somit die kumulative Gefahr eines Mammakarzinoms – selbst während einer HRT: „Für eine Frau in der fünften Lebensdekade, die gegen ihre postmenopausalen Beschwerden ein Östrogen-Gestagen-Präparat bekommt, ergibt dies, nach einer Multiplikation des Basisrisikos von etwa 0,3 Prozent mit den Resultaten der großen Studien (1,24 bzw. 2,00) etwa ein erhöhtes Erkrankungsrisiko von 0,37 bzw. 0,60 Prozent. Konfrontiert man die verunsicherten Frauen mit jenen realen Zahlen, so helfen diese viel effizienter bei der Entscheidungsfindung für oder gegen eine HRT.
Kürzl legt Wert darauf, die Gefahr einer Brustkrebserkrankung keineswegs zu bagatellisieren, sondern ganz im Gegenteil der Panikmache mancher Medien entgegenzuwirken: „Nur wenn die Frau alle Fakten und Risken kennt, kann sie individuell die richtige Entscheidung für sich treffen und muss sich dabei nicht auf irgendwelche falsch transportierten Zahlen stützen, die letztendlich zu einer völlig unrealistischen Überschätzung des Krebsrisikos und zu großer Verunsicherung führen.“

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben