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Hormonersatztherapie in der Menopause

In den letzten Jahren wurden bezüglich des Hormonmangels in der Menopause viele neue Daten erhoben. Es hat sich dabei gezeigt, dass der Mangel an Sexualsteroidhormonen auch für viele andere Symptome, die anfänglich gar nicht mit einem solchen in Beziehung gebracht wurden, zumindest mitverantwortlich sein dürfte. Zu diesen zählen Gelenksbeschwerden, Augentrockenheit, Hautprobleme und Harninkontinenz.

Die Zusammenhänge zwischen der Entstehung einer Osteoporose und dem Mangel an Östrogenen sind bereits hinlänglich bekannt. In den letzten Jahren sind schließlich auch die positiven kardiovaskulären Effekte der Hormonersatztherapie (HRT) in den Vordergrund gerückt.

Prof. Dr. Christian Egarter von der Wiener Uniklinik für Frauenheilkunde dazu: "Östrogene haben einen besonders günstigen Effekt auf den Lipidstoffwechsel. Außerdem haben sie im Bereich der Gefäßwände eine erweiternde Wirkung, was zu einer Durchblutungssteigerung führt. Und weiters wäre in diesem Zusammenhang noch die positive Beeinflussung des Glucose-Insulinstoffwechsels zu nennen."

In jüngster Zeit konnten Studien zeigen, dass durch Hormonsubstitution eine verbesserte Aufmerksamkeit und Gedächtnisleistung bewirkt werden kann. Zusammenhänge zwischen einem Hormonmangel und dem Entstehen eines Morbus Alzheimer werden diskutiert. In Altersheimen, in denen großzügig Hormone verabreicht werden, werden praktisch nie Alzheimer-Patientinnen gefunden.

Egarter dazu: "Östrogene können die neuronale Differenzierung und die Synthese der Synapsen günstig beeinflussen. Und nicht zuletzt kommt es durch Östrogene zu einem verbesserten zerebralen Blutfluss."

Aber auch die bei vielen Frauen in der Menopause auftretende Depression kann durch Hormongabe positiv beeinflusst werden. Diese Wirkung dürfte unter anderem auf eine Zunahme von Serotoninrezeptoren zurückzuführen sein. Bei all diesen positiven Wirkungen einer HRT bleibt die Frage nach deren Nebenwirkungen und Risiken.

Einer der Hauptgründe für Bedenken bezüglich einer Langzeiteinnahme von Steroidhormonen ist die Erhöhung der Inzidenz für das Mammakarzinom. Allerdings ergaben Untersuchungen insbesondere bei Langzeiteinnahme von Östrogenen, dass es offenbar zu einer minimalen Zunahme der Diagnose Brustkrebs, jedoch nicht zu einer Erhöhung der Mortalität an Brustkrebs kommt. Grundsätzlich zeigt sich, dass lediglich Frauen, die ein sehr hohes Brustkrebs-, aber nur ein äußerst geringes KHK-Risiko aufweisen, nicht von einer HRT profitieren.

Eine im Zusammenhang mit dem Mammakarzinom besonders interessante Substanz ist das Steroidananlogon Tibolon (Liviel®), das östrogene, gestagene und auch androgene Wirkung aufweist und zur HRT eingesetzt wird.

Egarter: "Im Gegensatz zu herkömmlichen Östrogen/Gestagen-Kombinationen scheint Tibolon im Bereich des Brustgewebes einen antiöstrogenen und damit möglicherweise sogar einen prophylaktischen Effekt, was die Entstehung eines Mammakarzinoms betrifft, zu besitzen. Erste klinische Ergebnisse scheinen vielversprechend." Wegen der nur sehr gering ausgeprägten stimulatorischen Wirksamkeit von Tibolon auf das Endometrium kommt es bei Anwendung in der Postmenopause nur in seltenen Fällen zu Blutungsstörungen. Und zu guter Letzt sei noch erwähnt, dass vor allem durch die androgene Wirkung von Tibolon die sexuelle Erlebnisfähigkeit und Libido verbessert werden können, eine besonders erfreuliche "Nebenwirkung" also.

Quelle: Presseseminar von PBK Publik vom 12.01.2001

Dr. Martina Zach, Ärzte Woche 13/2001

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