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Auch die Haut kommt in die Menopause

"Die Prävalenz allergischer Hauterkrankungen ist in den letzten Jahren deutlich angestiegen", berichtet Prof. Dr. Eva Maria Kokoschka, Univ.-Klinik für Dermatologie am AKH Wien. Ursächlich wären Umwelteinflüsse zu nennen, aber auch eine fast übersteigerte Pflege der Haut, beginnend mit Pflegeserien bei Kindern. "Vor allem inhalative Allergene sind verantwortlich, unter anderem durch den starken Tourismus und den Kontakt mit Fremdallergenen", ergänzt die Dermatologin.

Angesichts der gesteigerten Lebenserwartung kommt es durch den Verlust der Hormone zu einer Änderung der immunologischen Funktion und einem Anstieg von Autoimmunerkrankungen. Erstmanifestationen von Allergien und einem atopischen Ekzem sind im Sinne eines "late onset" auch jenseits des 60. Lebensjahres möglich.

Haut und Hormone

Kokoschka: "In den Hormonhaushalt einer Frau wird im Laufe des Lebens massiv eingegriffen." Angefangen von hormonellen Kontrazeptionsmethoden, die nach einem zwischenzeitlichen Rückgang nunmehr wieder vermehrt angewandt werden, über Hormonimplantate bis zur Hormonersatztherapie. Dies führe zu einer Verschiebung des Auftretens bestimmter Dermatopathien.

"Aufgrund der großen Anzahl von Frauen in höherem Lebensalter sehen wir eine Zunahme bestimmter Hauterkrankungen", stellt die Dermatologin fest. "So gewinnt etwa das seborrhoeische Ekzem mit seinen typischen Lokalisationen an Gesicht, Brust und oberem Rückenbereich zunehmend an Bedeutung." Im Zunehmen begriffen sei auch die klassische Akne mit den vier Schweregraden. Schwere Fälle einer Acne conglobata wären mittlerweile bei Mädchen häufiger zu beobachten. Kokoschka: "Vermutlich liegt das aber am Trend, selektionierter zum Arzt zu gehen und sogenannte "schicksalsbedingte" Leiden nicht mehr hinnehmen zu wollen. Auch Aufklärungskampagnen über die Möglichkeit einer Behandlung tragen dazu bei." Bei Jugendlichen kommt für Kokoschka eine hormonelle Therapie in Frage: "Über die Gabe von Gelbkörperhormon kann eine antiandrogene Wirkung auf die Funktion der Talgdrüsen ausgeübt werden." Bei der Anwendung von "Cis-Retinsäure" müsse ein sicherer Empfängnisschutz garantiert sein, hier sei die Pille bei jungen Mädchen Mittel der Wahl.

Neu ist die Verwendung von Retinol lokal, in Kombination mit hochdosiertem Vitamin C und E als Radikalfänger bei präkanzerösen Zuständen der Haut und Erscheinungen des "extrinischen Alterns". Kokoschka: "Im Gegensatz zur Transretinsäure hat Retinol scheinbar keine unangenehmen lokalen Nebenwirkungen."

Wenn die Hormone nicht mehr sind

Das erste Anzeichen eines absinkenden Hormonspiegels in der Menopause ist die Trockenheit von Haut und Schleimhäuten. Es kommt zu starkem Juckreiz, der bis zur Schmerzhaftigkeit gehen kann. Kokoschka: "Ein kurzfristiger Versuch mit Pflegeprodukten ist selten erfolgreich, eine korrekte Hormonersatztherapie verbessert jedoch den Zustand." Sinkt der Östrogenspiegel unter einen Wert von 75 pg/ml, so kommt es zu Bindegewebsveränderungen der Haut und Faltenbildung, auch zu einer leichten Verletzbarkeit, die mit multiplen Hautblutungen einhergehen kann. Eine systemische Hormonersatztherapie bringe sowohl kosmetische als auch dermatologische Verbesserungen.

"Die "Hormondermatologie" steckt eigentlich noch in den Kinderschuhen und ist nicht so recht anerkannt", bedauert Kokoschka. Speziell bei systemischen Autoimmunerkrankungen sei man noch am Beginn der Bestrebungen, mit Hormonen regulierend einzugreifen. Eine lokale Hormontherapie mit Cyproteronacetat könne bei Akne gute Ergebnisse liefern, Androgene, wie das Dihydrotestosteron, begünstigen die Lipolyse in erster Linie im Bereich der femorokruralen Region. Generell verändere eine lokale Hormontherapie kaum den systemischen Hormonspiegel.

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