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Gynäkologie und Geburtshilfe 15. September 2012

Wenig Erfolg mit Tiefkühl-Zellen

Das Einfrieren von Eizellen ist gerechtfertigt, um jungen Krebspatientinnen eine spätere Schwangerschaft zu ermöglichen. Als Instrument der Familienplanung ist die Kältekonservierung aber nicht besonders aussichtsreich.

Jungen Krebspatientinnen werden vor Bestrahlung und Chemotherapie häufig Eizellen entnommen und tiefgefroren. Nach Abschluss der Krebstherapie können Sie zu einem geeigneten Zeitpunkt aufgetaut, befruchtet und in die Gebärmutter eingesetzt werden. Dadurch soll es den Frauen ermöglicht werden, nach der Genesung schwanger zu werden, ohne dass das Kind durch die Krebsbehandlung genetisch geschädigt sein könnte.

Immer häufiger bitten aber auch gesunde Frauen darum, ihre Eizellen einfrieren zu lassen, in der Absicht, sich die Option auf eine spätere Schwangerschaft offenzulassen, während sie in der aktuellen Lebensphase wegen fehlenden Partners, konkurrierender Karrierepläne, wirtschaftlicher Engpässe oder aus anderen Gründen kein Kind bekommen wollen.

Social freezing

Dieses Einfrieren von Eizellen aus nicht-medizinischen Gründen wird im angloamerikanischen Sprachraum „social freezing“ genannt. Das Durchschnittsalter der Frauen, die mit dem Wunsch nach „social freezing“ in die Kinderwunschsprechstunde kommen, liegt bei 38 Jahren, wie Prof. Dr. Frank Nawroth, Hamburg, erläutert. Damit sind allerdings die Erfolgschancen für eine spätere Schwangerschaft denkbar schlecht: Statistisch müssen zehn bis 15 Eizellen aus dem Eierstock entnommen, gefroren, aufgetaut, befruchtet und in die Gebärmutter eingepflanzt werden, bis es zu einer erfolgreich beendeten Schwangerschaft kommt. Doch übersteht nur jede dritte Eizelle, die von einer 38-jährigen Frau entnommen wird, den Auftauprozess unbeschadet. Eizellen, die von 25-jährigen Frauen entnommen wurden, sind nach dem Auftauen fast zu 100 Prozent intakt.

Frostschäden

Außerdem steigt mit dem Alter – unabhängig vom Überleben nach dem Einfrieren – die Wahrscheinlichkeit, dass das Erbmaterial der Eizellen auffällig wird. Von Frauen über 35 müssten also noch viel mehr Eizellen entnommen werden, damit die Chance auf eine glückliche Schwangerschaft einigermaßen realistisch wird – eine sehr anstrengende und belastende Prozedur.

Eine Zeit lang erhoffte sich die Fortpflanzungsmedizin Fortschritte durch ein besonders schnelles Einfrierverfahren. Die Implantationsraten pro aufgetauter Eizelle konnten tatsächlich gebessert werden – allerdings nur um zehn Prozent (von 7% nach normalem Einfrieren auf 7,7% nach dem Schockfrost-Verfahren). Nach neueren Untersuchungen sind mittlerweile etwa zehn Prozent erreichbar.

Biologische Uhr läuft weiter

Wenn die Eizellen erst jenseits des 40. Lebensjahres befruchtet und wieder in die Gebärmutter eingesetzt werden, sinkt zudem die Chance, dass die Schwangerschaft ohne Komplikationen mit der Geburt eines gesunden Kindes endet: Das Risiko für Frühgeburten, niedriges Geburtsgewicht, Schwangerschaftsdiabetes und Bluthochdruck der Mutter nimmt – auch ohne künstliche Befruchtung – mit steigendem Alter deutlich zu.

Quelle: Nawroth FR et al.: Frauenarzt 2012; 53: 528-533

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