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Embryo: © Juan Gaertner / shutterstock.com
 

Nicht nur der Embryo bildet hCG

Neuer Biomarker der Gebärmutterschleimhaut als Ursache von Schwangerschaftsstörungen gefunden.

Humanes Choriongonadotropin (hCG) ist als Schwangerschaftshormon bekannt, das vom frühen Embryo gebildet wird. Neu ist, dass jede gesunde Gebärmutterschleimhaut der Frau in der zweiten Zyklushälfte ihr eigenes hCG freisetzt. Es unterstützt die Einnistung des Embryos und wird auch während der Schwangerschaft weiter gebildet.

 

In einer Studie der Universität Leipzig wurde nachgewiesen, dass sich dieses neue mütterliche hCG der Gebärmutterschleimhaut vom bekannten Schwangerschaftshormon herleitet, und zwar wird eine veränderte Beta-hCG-Untereinheit vom Gen 7 und 6 gebildet (Zimmermann et al.: Biol Reprod 2012; 86 (3): 87, 1-14). Dieses neu entdeckte hCG ist ein immunprotektives, zelldifferenzierendes und blutgefäßbildendes Hormon, das in der Gebärmutter für den Erhalt der Schwangerschaft essenziell ist.

Drohende Fehlgeburt erkennen

Die Entdeckung des neuen körpereigenen hCG einer Frau macht es möglich, den aktuellen Schutzzustand des Embryos in der Gebärmutter festzustellen. Droht durch den Abfall des immunprotektiven hCGs Gen 7 und 6 eine Fehl- oder Frühgeburt, kann man durch eine Substitution des Hormons die Schwangerschaft erhalten. Dr. Gerolf Zimmermann erklärt: „Während einer gesunden Schwangerschaft wird der Embryo 40 Wochen im Mutterleib in der Gebärmutter vor dem Immunsystem verborgen und versorgt, ohne abgestoßen zu werden. Wir glauben, dass das in der Gebärmutterschleimhaut gebildete hCG Gen 7 und 6 dem Embryo eine Art Schutzmantel bietet und aggressive Immunzellen des Körpers, die gegen körperfremdes Gewebe wie eine Schwangerschaft gerichtet sind, zur Rückbildung bringt. Fällt das immunprotektive Hormon unter einen kritischen Wert, kommt es zur Abstoßungsreaktion.“

Auch auf dem Gebiet der künstlichen Befruchtung spielt die Entdeckung eine entscheidende Rolle. „Dieser Biomarker ist dafür geeignet, die Implantationsfähigkeit der Gebärmutterschleimhaut zu bestimmen“, erklärt Prof. Dr. Henry Alexander. Nur wenn genügend schützendes mütterliches hCG vorhanden ist, hat die befruchtete Eizelle hohe Chancen auf eine erfolgreiche Einnistung. „Vor dem Embryotransfer könnte man daher Zellen der Gebärmutterschleimhaut auf die Bildung des neuen hCG untersuchen und dann entscheiden, ob der Embryo eine gute Überlebenschance im Mutterleib hat.“

Bedeutung für Transplantationen

Durch die genospezifische Differenzierung des Hormons ist es erstmals möglich, vor und während der Schwangerschaft festzustellen, von welchem Gewebe wie viel des jeweiligen hCG produziert wird und wo exakt die Schnittstelle zwischen Mutter und Fötus liegt. Da auch in anderen normalen Schleimhautzellen der inneren Oberfläche hCG vom Genotyp 7 gebildet wird, könnte hCG und seine Gendifferenzierung für die Diagnose der Schleimhautgesundheit von Bedeutung sein, beispielsweise bei Autoimmunprozessen.

Nicht zuletzt könnte die Entdeckung des hCG an der Schnittstelle zwischen „fremd“ und „selbst“ auch Fortschritte in der Transplantationsmedizin bringen. „Es wäre denkbar, Transplantate mit einem Immunschutz zu versehen, der so immunisolierend und -protektiv wie die Gebärmutterschleimhaut während der Schwangerschaft ist. Dafür müsste man das fremde Organ mit einer Membran vom hCG-Genotyp 7 und 6 überziehen. Man könnte auf diese Weise eine Schwangerschaft imitieren und dafür sorgen, dass das fremde Organ nicht vom Körper erkannt wird. Dafür bedarf es jedoch noch einiger Forschung“, meint Alexander.

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