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Hereditärer Brustkrebs: Hilft Wissen immer?

Wenn Frauen, deren Verwandte an Brustkrebs erkrankt sind, die Frage quält, ob sie erblich vorbelastet sind ...

4.000 Frauen wurden mittlerweile im Deutschen Konsortium Familiärer Brust- und Eierstockkrebs im intensivierten Früherkennungsprogramm beobachtet. Prof. Dr. Rita Schmutzler vom Universitätsklinikum in Köln beschäftigt sich im Rahmen ihrer Tätigkeit in diesem Konsortium mit Fragen der Prävention in der Senologie.

 

Profitieren BRCA-1/2-Mutationsträgerinnen und andere Hochrisikopatientinnen von der Früherkennung? Schmutzler: „Ist es wirklich so, dass die frühere Diagnose zu einem besseren Überleben führt?“ Dies gelte für die Allgemeinbevölkerung, die Frage sei aber, ob sich die guten Ergebnisse des Mammografie-Screenings in der Allgemeinbevölkerung auf genetische Subgruppen mit hohem Risiko extrapolieren ließen. Eher nicht, meint Schmutzler, denn die Tumoren in den genetischen Subgruppen zeigten eine ganz andere Tumorbiologie: Da seien etwa die BRCA-1-Tumoren, schnell wachsend, hoch aggressiv mit einer erhöhten Intervallkarzinom-Rate. Dagegen habe der Brustkrebs bei RAD51-positiven Patientinnen einen sehr viel günstigeren Verlauf.

Strategien je nach Subgruppe

Während international vor allem Mammografie und MRT genutzt werden, wird im Rahmen der deutschen Studie bei der intensivierten Früherkennung zusätzlich eine Brustsonografie durchgeführt. Erste Auswertungen der Studiendaten deuteten darauf hin, dass die Sonografie gerade bei den schnell wachsenden BRCA-1-Tumoren von Relevanz ist, so Schmutzler.

Wer soll außer BRCA-1/2-Trägerinnen noch in die intensivierte Früherkennung? Alle Patientinnen, die ein mehr als 20 Prozent erhöhtes Brustkrebsrisiko haben, wie vom American Collage of Radiology gefordert? Oder sollen wie in den Niederlanden alle Patientinnen mit einem 15-prozentigen Lebenszeitrisiko jährlich ein MRT bekommen? Das seien immerhin 30 Prozent der Bevölkerung, erklärt Schmutzler. In Deutschland werden derzeit alle Frauen zum Hochrisiko-Kollektiv gezählt, die ein 30-prozentiges Lebenszeitrisiko haben, an Brustkrebs zu erkranken.

Bei der Definition der Hochrisiko-Gruppen sei aber auch zu bedenken, dass Früherkennung schaden kann: Zum einen sind da die Nebenwirkungen von Stanzbiopsien oder gar offenen Biopsien, zum anderen ist es die psychische Belastung der betroffenen Frauen, die bei falsch positiven Ergebnissen nicht außer Acht gelassen werden darf.

Nach den Erfahrungen mit über 22.000 Früherkennungsuntersuchungen bei über 4.000 Frauen mit einer mittleren Beobachtungszeit von dreieinhalb Jahren stellt sich für Schmutzler auch die Frage, ob es nicht sogar sinnvoll ist, die intensivierte Früherkennung eher noch weiter einzuschränken. Antworten auf die Vielzahl der Fragen bietet hoffentlich die Auswertung der gesammelten Daten, die voraussichtlich auf dem deutschen Senologie-Kongress im Juli 2012 in Stuttgart vorgestellt werden.

Keinen Zweifel lässt Schmutzler aber am Nutzen des BRCA-Netzwerkes. Die engagierte Arbeit dieser durch die Deutsche Krebshilfe unterstützten Selbsthilfegruppe habe sehr viele Anliegen der betroffenen Frauen offenbart, die zuvor eher nur am Rande berücksichtigt wurden. Sehr anschaulich stellt Andrea Hahne, Vorstandsvorsitzende des BRCA-Netzwerkes, die Sorgen und Fragen Betroffener dar: Fragen wie „Alle sind gestorben – bin ich die Nächste? Sage ich es meiner Familie und wenn ja, wie? Was rate ich meinen Kindern? Wie entscheide ich mich?“ Das BCRA-Netzwerk sieht seine Aufgabe vor allem in der Beratung und als Pate in der Entscheidungsfindung sowohl der Betroffenen als auch des spezialisierten Zentrums, in der die Patientinnen beraten und behandelt werden sollten.

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