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Abgewiesene Schwangere: Kritik an Prüfbericht

Schütz sieht Vorverurteilung der Ärztin - AKH-Gynäkologie-Chef Husslein: Medizinisch hätte man Patientin nicht helfen können.

Der Rektor der MedUni Wien, Wolfgang Schütz, kritisiert den Prüfbericht der Magistratsabteilung 40 (MA40) zum Fall der abgewiesenen Schwangeren, die nach Blutungen ihr Baby verloren hatte. Er ortet eine "Vorverurteilung der Ärztin" am AKH Wien, die die Frau nicht aufgenommen hatte. Auch der Leiter der Gynäkologie am AKH, Peter Husslein, versteht die Schlussfolgerungen der MA40, wonach im AKH "gravierende Fehler" passiert seien, nicht, wie der "Kurier" (Sonntagausgabe) berichtete.


Beweise zur Entlastung der Ärztin


"Ich habe bereits in meiner ersten Stellungnahme gesagt, dass mir das Schicksal der Patientin leid tut, und ich wiederhole das nochmals", sagte Schütz der Zeitung. "Es gibt keine ausreichenden Unterlagen, die eine Fehlleistung der Ärztin bestätigen", hielt der Rektor fest. Er verwies auf ihm vorliegende Unterlagen, die stichhaltige Beweise zur Entlastung der Ärztin beinhalten sollen. Diese will Schütz durch einen ausländischen Gutachter prüfen lassen.


Die Aussagen von Bürgermeister Michael Häupl, der sich angesichts des Falles "erschüttert" gezeigt hatte, kritisiert Schütz scharf: "Herr Häupl nützt die Situation aus, um vollkommen andere Aspekte mit ins politische Fahrwasser zu nehmen." Der Wiener Bürgermeister hatte in dem Fall unter anderem einen Anlass gesehen, Druck für eine AKH-Reform zu machen.


Fehler, aber keine med. Fehlleistung


Auch Husslein sieht die Patientin als "politischen Spielball", wie er sagte. Zwar seien im AKH Fehler passiert, eine medizinische Fehlleistung liege aber nicht vor: "Die Vorgeschichte der Patientin wurde nicht hinreichend erfasst.

Kommunikation nicht optimal

Die Kommunikation mit der Ärztin war suboptimal, die Frau hätte untersucht werden müssen. Und die Dokumentation hat in diesem Fall auch nicht hinreichend funktioniert", sagte Husslein. Von einem medizinischen Fehler der Ärztin will er aber nicht sprechen: "Psychologisch wäre eine Untersuchung wichtig gewesen, medizinisch hätte man ihr aber nicht helfen können."

Göttlicher Heiland-AKH-Rudolfstiftung


Dass die Rudolfstiftung in dem Prüfbericht der MA 40 als "vorbildlich" dargestellt wird, will Husslein so nicht stehen lassen. Die Patientin sei nämlich unmittelbar nach dem AKH in die Rudolfstiftung gegangen, wo ihr aber gesagt worden, dass sie dort mehrere Stunden auf einen Arzt warten müsse, so Husslein. Erst am nächsten Tag sei sie aufgenommen worden. Die MA 40 messe hier mit zweierlei Maß.

Blutungen in der Frühschwangerschaft


Die Frau war wegen Blutungen in der Frühschwangerschaft zunächst in das Krankenhaus "Göttlicher Heiland" in Wien-Hernals gekommen, dort untersucht worden und für den nächsten Tag zu einer Kontrolle eingeladen worden. Die Frau kam nicht zurück. Die Schwangere ging stattdessen ins AKH, wurde dort an der Universitäts-Frauenklinik (Leitung: Peter Husslein) nicht aufgenommen und kam schließlich in die Wiener Rudolfstiftung, wo sie einen Tag später aufgenommen wurde. Sie verlor ihr Kind.

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