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Foto: fotodienst.at / Florian Biber
ÖGF-Präsidentin Dr. Claudia Linemayr-Wagner und Prof. Dr. Christian Egarter von der Universitätsklinik für Frauenheilkunde der MedUni Wien plädieren für eine umfassendere Verhütungsberatung, in der beispielsweise über die Funktion des Verhütungsrings (Bil
 

Verhütung: Bessere Beratung fördert informierte Entscheidung

Mit der neuen Initiative Vielfalt der Verhütung will die Österreichische Gesellschaft für Familienplanung zur Aufklärung über Kontrazeptionsmethoden beitragen.

Eine internationale Studie macht deutlich, welchen Stellenwert das Arztgespräch bei der Wahl der Verhütungsmethode hat, und dass es nicht genügt, einfach zum Rezeptblock zu greifen. Sollen ungewollte Schwangerschaften verhindert werden, ist es zielführender, Frauen dabei zu unterstützen, eine informierte Entscheidung zu treffen.

 

In zwölf Ländern wurde im Rahmen der CHOICE-Studie (Contraceptive Health Research of Informed Choice Experience) eruiert, welche Rolle die ärztliche Beratung bei der Entscheidung für hormonelle Verhütungsmethoden spielt. In Österreich, Belgien, der Schweiz, den Niederlanden, Schweden, Tschechien, Slowakei, Israel, Polen, Russland, in der Ukraine und in Deutschland nahmen Frauen im Alter zwischen 18 und 40 Jahren, die sich über hormonelle Kontrazeptionsoptionen beraten lassen wollten, an einer Befragung teil.

Österreichische Ergebnisse der CHOICE-Studie

Von den 2.250 Befragten in Österreich hatten sich vor der ärztlichen Beratung nur 10,4 Prozent speziell für den Verhütungsring interessiert, während sich nach dem Gespräch 23,8 Prozent dafür entschieden. 6,8 Prozent der Frauen hatten vor der Beratung eher zum Verhütungspflaster tendiert, und 7,8 Prozent wählten diese Option danach tatsächlich. Bei der Entscheidung, die Pille zu nehmen, blieben am Ende 57,3 Prozent. Vor dem Arztgespräch hatten 58,4 Prozent dies vor.

„Neben der Empfehlung des Arztes beziehungsweise der Ärztin kristallisierten sich als häufigste Gründe für die Wahl einer Methode eine einfache Anwendung, hohe Sicherheit sowie Bequemlichkeit heraus“, berichtet Prof. Dr. Christian Egarter, Leiter der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Reproduktionsmedizin der Wiener Universitätsklinik für Frauenheilkunde.

Insgesamt zeigte sich, dass die Wirksamkeit und die Verträglichkeit von hormonellen Verhütungsmethoden grundsätzlich positiv beurteilt wurden. Über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Applikationsarten waren vor dem Arztgespräch viele der Befragten offenbar nicht umfassend informiert. So ist zwar im Allgemeinen bekannt, dass die Pille ein relativ sicheres Verhütungsmittel ist. Dass die Sicherheit jedoch von der Regelmäßigkeit der Einnahme abhängt, wird allerdings offenbar nicht immer bedacht.

Rätselhafte Methoden

Mag. Sabine Ziegelwanger ist Soziologin der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung (ÖGF) und kennt vor allem den Wissensstand der Jugendlichen sehr genau. Ihrer Erfahrung nach besteht ein Problem bei der Wahl der geeigneten Verhütungsmethode zu einem Gutteil darin, dass die Mädchen und Burschen die Wirkungsweise gerade der neueren Verhütungsmethoden nicht nachvollziehen können und deren Sicherheit daher falsch eingeschätzt wird: „Die Pille wird geschluckt – das erscheint logisch. Ein Pflaster wirkt über die Haut? Ein Ring in der Scheide, der Hormone abgibt? Na wie soll denn das eine Schwangerschaft verhindern?“ Diese Unsicherheit reiche aus, sagt Ziegelwanger, um gegen neue Methoden zu entscheiden. Die Soziologin fordert mehr jugendgerechte Information über Verhütungsmethoden. „Komplizierte Erklärungen erreichen Jugendliche häufig nicht“, kritisiert sie, und der Biologieunterricht schließe nicht immer an die Lebenswelt der Jugendlichen an.

Prof. Dr. Egarter ergänzt, dass Patientinnen sich einen fachlich kompetenten Ansprechpartner wünschten, „der sich so ausdrückt, dass man ihm folgen kann.“

Ein guter Arzt solle sich daher zum Ziel setzen, seine Patientin mit einer optimierten Beratung innerhalb einer kompetenten Arzt-Patientenkommunikation umfassend zu informieren und die für sie passende Verhütungsmethode zu finden: „Je informativer das Patientengespräch ausfällt, desto leichter fällt es den Frauen, für sich die richtige Wahl zu treffen.“ Dies sei eine wesentliche Voraussetzung für eine sichere und wirksame Anwendung: „Die strukturierte Beratung führt zu einer verbesserten Einnahmekontinuität, da sich eine Patientin so als Ko-Therapeutin eingebunden fühlt und den Nutzen der gewählten Methode besser erkennen kann.“ Es sei heute einfach zu wenig, „dass Ärzte und Ärztinnen den Frauen einfach nur Rezepte verschreiben.“ Insbesondere jüngere Patientinnen wollten in die Behandlung eingebunden werden, so Egarter.

Vielfalt vermitteln

Solche Informationslücken zu schließen, hat sich die Österreichische Gesellschaft für Familienplanung seit 1966 zur Aufgabe gemacht. „Um keine ungewollte Schwangerschaft zu riskieren, ist es wichtig, auch die jeweils persönlich passende Verhütungsmethode zu finden“, erklärt die Präsidentin der Gesellschaft, die Gynäkologin Dr. Claudia Linemayr-Wagner. Mit der Initiative Vielfalt der Verhütung sollen Menschen, die verhüten möchten, dabei unterstützt werden, die verfügbaren Optionen mit ihren Vor- und Nachteilen zu verstehen und somit eine informierte Entscheidung für eine individuell passende Methode treffen zu können. Auf der neuen Website www.verhuetung.at, die von der Firma MSD unterstützt wird, hat die Initiative Wissenswertes zum Thema zusammengestellt (siehe Kasten). Weiters wurde eine umfassende, mehrtägige Kondomverteilaktion vor österreichischen Diskotheken gestartet. In 850 Lokalen wurden Freecards aufgelegt.

 

Österreichische Gesellschaft für Familienplanung (ÖGF):

www.oegf.at

Weitere Informationen zu der Befragung finden sich auf der ÖGF-Website. Die Studie war Gegenstand des Vortrags „It‘s It´s your ‚CHOICE‘ - Das strukturierte Beratungsgespräch“ von Dr. Linemayr-Wagner an der ÖGF-Tagung.

 

Quellen: Pressekonferenz „Vielfalt der Verhütung – Durchblick im Verhütungsdschungel“ am 24. November 2011 in Wien; ÖGF

www.verhuetung.at
Die Österreichische Gesellschaft für Familienplanung (ÖGF) informiert auf der neuen Webseite www.verhuetung.at unter dem Motto „Vielfalt der Verhütung“ über verschiedene Verhütungsmethoden:
• Kombinationspille
• Minipille
• Östrogenfreie Pille
• Hormonpflaster
• Verhütungsring
• Dreimonatsspritze
• Verhütungsstäbchen
• Hormonspirale
• Kondom
• Verhütungskappe
• Diaphragma
• Kupferspirale
• Spermizide
• Kalendermethode
• Temperaturmethode
• Billings-Methode
• Symptothermale Methode

Es können zusätzlich weitere Informationsmaterialien wie ein Verhütungsquartett sowie ein Flirt- und Verhütungsguide bestellt werden.

Von P. Herzberger , Ärzte Woche 49 /2011

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