zur Navigation zum Inhalt
 

Schonung öfter möglich

Neuer Consensus: Bei Brustkrebs müssen die Wächterlymphknoten nicht mehr zwingend entfernt werden.

Eine Consensuskonferenz zur Brustkrebschirurgie fand am 30. September in Innsbruck statt. Mit dem Ergebnis: Auch bei Patientinnen mit befallenem Lymphknoten kann unter bestimmten Umständen auf dessen Entfernung verzichtet werden, ohne die Überlebensrate zu verschlechtern. Etwa zehn Prozent der jährlich 5.000 in Österreich betroffenen Mammakarzinompatientinnen werden von den neuen Erkenntnissen profitieren können.

 

Basis der Consensusfindung war eine große amerikanische Studie (ASCOSOG ZO11), die zu dem Ergebnis kam, dass bei Patientinnen mit befallenem Wächterlymphknoten auf die bisher obligate Entfernung aller Achsellymphknoten verzichtet werden konnte, ohne damit die Rückfall- oder Überlebensrate zu verschlechtern. 125 Ärzte aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und Norditalien folgten der Diskussion eines mit österreichischen Brustkrebsspezialisten aller Disziplinen besetzten Panels und den zwei geladenen amerikanischen Studienprüfärzten. Mehrheitlich wurde die Entscheidung getroffen, dass unter bestimmten Parametern die befallenen Achsellymphknoten nicht entfernt werden müssen und den Patientinnen sowohl die Operation wie die negativen Begleiterscheinungen erspart bleiben können.

In der operativen Behandlung von Brustkrebs spielt die Abklärung der Lymphknoten in der Achselhöhle eine große Rolle. Früher war es üblich, alle Lymphknoten aus der Achselhöhle zu entfernen. Dieser Eingriff kann zu Nebenwirkungen und Komplikationen wie Lymphstau oder häufigen Entzündungen im Arm (Rotlauf) führen.

Vergleichbare Ergebnisse

Bereits seit über zehn Jahren hat man durch Einschränkung der Operation mittels Entfernung des sogenannten „Wächter-Lymphknotens“ gleich gute Ergebnisse bei weniger Komplikationen erreicht. Dabei wird ein Farbstoff im Bereich des Tumors in der Brust appliziert und nur mehr der angefärbte Lymphknoten in der Achselhöhle entnommen. Falls der Lymphknoten tumorbesiedelt war, mussten weiterhin alle Lymphknoten entfernt werden.

Mehrere Studien haben vermuten lassen, dass die Entfernung aller Achsellymphknoten nicht bei allen Patientinnen notwendig ist. Erstmals wurde nun ACOSOG Z011 veröffentlicht, bei der systematisch nach Zufallsverteilung Patientinnen mit befallenen Wächter-Lymphknoten eine Operation der Achselhöhle oder keine weitere operative Therapie erhalten haben. In dieser Studie konnte kein Unterschied zwischen Operation der Achselhöhle und Verzicht auf diesen zusätzlichen Eingriff gefunden werden.

Nach Veröffentlichung der Publikation war es fraglich, ob die Ergebnisse direkt angewendet werden können. Aus diesem Grund hat die Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGGG) und die Arbeitsgemeinschaft für Gynäkologische Onkologie (AGO) in Innsbruck eine Consensus Conference organisiert. Nach ausführlicher Diskussion der Ergebnisse haben die Spezialisten doch zu einer mehrheitlich klaren Meinung gefunden. Auf die ausgedehnte Operation in der Achselhöhle kann unter bestimmten Bedingungen, die einerseits abhängig sind von der Größe der Absiedelung im Lymphknoten und andererseits von den Eigenschaften der Krebszellen, verzichtet werden.

Die Experten meinen: „Dieser Meinungsprozess wird in Österreich zu größerer Sicherheit in der Behandlung von Brustkrebs führen und die Operation kann für einen bestimmten Anteil der Patientinnen deutlich zurückgenommen werden. Viele Patientinnen werden durch einen schonenderen Eingriff und den Entfall einer zweiten Operation einen Vorteil haben.“

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben