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Gynäkologie und Geburtshilfe 27. September 2011

Sectio zum Schutz vor Inkontinenz?

Britische Forscher haben Zwölfjahres-Daten ausgewertet.

Schwangere, die per Sectio entbinden, entwickeln etwas seltener eine Harninkontinenz – aber nur, wenn sie all ihre Kinder auf diesem Weg zur Welt bringen. Das Risiko für eine Stuhlinkontinenz lässt sich durch den Kaiserschnitt nicht mindern.

Das sind die Ergebnisse einer britischen Studie, für die 7.883 Frauen drei Monate und sechs und zwölf Jahre nach einer Entbindung befragt wurden. Jetzt wurden die 12-Jahres-Daten veröffentlicht, die von 3.763 Frauen erhoben werden konnten.

Zu dieser Zeit waren die Studienteilnehmerinnen im Mittel 42,4 Jahre alt. 52,7 Prozent gaben an, Probleme mit der Harnkontinenz zu haben. Über eine – meist nur gelegentliche – Stuhlinkontinenz berichteten 12,9 Prozent der Frauen.

Frauen, die immer per Kaiserschnitt entbunden hatten, litten seltener an Harninkontinenz als Frauen mit ausschließlich vaginaler Entbindung (40,2% vs. 54,7%; Odds Ratio 0,46; p < 0,001). Der Vorteil der Sectio war jedoch hinfällig, wenn die Frauen ein weiteres Kind auf natürlichem Weg geboren hatten (Odds Ratio 1,14). Als weitere Risikofaktoren für eine Harninkontinenz erwiesen sich ein Alter über 29 Jahren bei der ersten Geburt sowie vier oder mehr Geburten und ein höherer Body-Mass-Index.

In Hinsicht auf eine Stuhlinkontinenz machte es keinen Unterschied, wie die Frauen ihre Kinder auf die Welt gebracht hatten. Lediglich eine Zangengeburt war mit einem etwas höheren Risiko assoziiert. Höhere Parität, höheres Alter bei Erstgeburt und ein höherer BMI waren unabhängige Risikofaktoren auch für eine Stuhlinkontinenz.

Die Studie liefert nach Einschätzung der Autoren wichtige Informationen für Frauen, die über eine Wunschsectio nachdenken: „Ein Kaiserschnitt bietet keinen Schutz vor Harninkontinenz – außer die Frauen sind entschlossen (und die Ärzte einverstanden), all ihre Kinder abdominal zu entbinden.“ Und selbst bei Frauen, die nur Sectiokinder haben, sei Harninkontinenz ein häufiges Leiden. Zur Vermeidung einer Stuhlinkontinenz trage der Kaiserschnitt gar nichts bei. SpringerMedizin

Mac Arthur, C. et al.: Exclusive caesarean section delivery and subsequent urinary and fecal incontinence. BJOG 2011; 118: 1001–7

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