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Wenn Frauen keine Milch vertragen

Grazer Forscher untersuchten den Zusammenhang zwischen Laktoseintoleranz und Kalziumkonsum bei Frauen mit Polyzystischem Ovarialsyndrom.

Frauen, die wenig Kalzium zu sich nehmen, leiden häufig an metabolischem Syndrom und Adipositas. In einer Studie an der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel der MedUni Graz hat sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen der „Milchunverträglichkeit“ und dem Kalziumkonsum bei Frauen mit Polyzystischem Ovarialsyndrom (PCOS) gezeigt. Möglicherweise wäre es im Sinn einer Prävention günstig, von PCOS betroffene Frauen bezüglich eines ausreichenden Kalziumkonsums zu beraten. So könnte belastende Hyperandrogenämie und Dyslipidämie bei Frauen mit PCOS eventuell vermindert werden.

 

Die primär-adulte Laktoseintoleranz ist mit einem niedrigen Milch- und Kalziumkonsum verbunden, was möglicherweise mit Adipositas und metabolischen Problemen assoziiert ist. Frauen mit Polyzystischem Ovarialsyndrom (PCOS) leiden häufig an metabolischen Störungen sowie an einer Adipositas.

PCOS ist mit einer Prävalenz von etwa fünf bis zehn Prozent die häufigste endokrine Störung bei Frauen im gebärfähigen Alter. Betroffene leiden an Hyperandrogenismus, der sich klinisch zumeist in Hirsutismus (vermehrte Behaarung, „Damenbart“) äußert, Oligo- oder Anovulation (klinisch meist Zyklusstörungen) und polyzystischen Ovarien. Ziel unserer Studie war die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Laktoseintoleranz und Kalziumkonsum mit anthropometrischen, metabolischen und endokrinen Parametern bei Frauen mit PCOS.

Wir bestimmten anthropometrische, metabolische und endokrine Parameter und führten orale Glukosetoleranztests bei 581 Frauen mit PCOS und bei 366 Frauen ohne PCOS durch. Außerdem erfolgte die Genotypisierung der -13910 Variante des Laktase-Hydrolase-Gens zur Bestimmung der Laktoseintoleranz. Der Kalziumkonsum wurde mittels Fragebögen ermittelt.

Signifikante Zusammenhänge

Die Laktoseintoleranz (CC-Genotyp) war signifikant häufiger bei Frauen mit PCOS (29,8%) verglichen mit den Kontrollpersonen (23,5%) (p = 0,024). PCOS-Frauen mit Laktoseintoleranz hatten eine höhere Waist-to-Hip-Ratio (0,80 [0,75 –0,87] versus 0,77 [0,72 –0,83], p = 0,010), höhere HbA1c-Spiegel (5,2 [5,0 –5,3] % versus 5,1 [4,9 – 5,3] %, p = 0,014), und höhere Hirsutismus-Scores (7 [3 – 13] versus 4 [1 – 10], p = 0,005) sowie niedrigere 25(OH)D-Spiegel (22,9 [15,3 – 32,1] ng/ml versus 26,9 [19,5 – 35,5] ng/ml, p = 0,002) als PCOS-Frauen ohne Laktoseintoleranz.

Die Assoziation zwischen Laktoseintoleranz und 25(OH)D-Spiegeln bzw. Hirsutismus-Scores blieb in einer multivariaten Analyse, in der Alter, BMI und Waist-to-Hip-Ratio berücksichtigt wurden, signifikant.

Frauen mit hohem Kalziumkonsum hatten niedrigere Testosteron- (p = 0,017, siehe Abbildung 1) und Androstendionspiegel (p = 0,046) und höhere HDL-Spiegel (p = 0,012, siehe Abbildung 2) im Vergleich zu Frauen mit niedrigerem Kalziumkonsum.

Risikopatientinnen möglichst frühzeitig erkennen

Unsere Ergebnisse legen einen signifikanten Zusammenhang zwischen Laktoseintoleranz und dem Risiko für ein Polyzyklisches Ovarialsyndrom nahe. Außerdem ist die Laktoseintoleranz mit größerem Taille-Hüft-Verhältnis, höherem HbA1c und höheren Hirsutismus-Scores sowie niedrigeren 25(OH)D-Spiegeln assoziiert. Ein hoher Kalziumkonsum steht in Zusammenhang mit niedrigeren Androgen- und höheren HDL-Spiegeln. Die Identifizierung von Frauen mit PCOS, die eine Laktoseintoleranz haben, könnte somit für die Prävention und die Therapie der metabolischen Störungen im Rahmen des PCOS von Bedeutung sein. Eine Beratung hinsichtlich eines vermehrten bzw. adäquaten Kalziumkonsums (rund 1.000 mg Kalzium/Tag) könnte sowohl hinsichtlich der Hyperandrogenämie als auch der häufig bestehenden Dyslipidämie vorteilhaft sein. Weiterführende Forschung zum Thema „PCOS und Laktoseintoleranz“ ist in Planung, um den komplexen Zusammenhang zwischen Kalzium- bzw. Milchkonsum und metabolischen Problemen bei Frauen mit und ohne PCOS zu verstehen, Risikopatientinnen frühzeitig zu identifizieren und zu therapieren und letztlich neue Therapiekonzepte entwickeln zu können.

Dr. Elisabeth Lerchbaum ist an der Universitätsklinik für Innere Medizin, Klinische Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel, Medizinische Universität Graz, tätig.

 

Vortrag, gehalten im Rahmen der 16. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Endokrinologie und Stoffwechsel (ÖGES) am Freitag, den 13. Mai 2011 im Billrothhaus in Wien, unter dem früheren Namen Dr. Elisabeth Wehr.

Von Dr. E. Lerchbaum , Ärzte Woche 29/33/2011

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