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Gesundheitsrisiko Parodontitis wird nach wie vor verharmlost

Erkrankung des Parodontiums kann die Gefahr für eine Frühgeburt erhöhen.

Viele Untersuchungen und Studien der letzten Jahre haben gezeigt, dass Erkrankungen des Mundraums häufig in engem Zusammenhang mit Erkrankungen des Körpers stehen. Dass die Zahngesundheit oft auch Hinweise auf den generellen Gesundheitsstatus geben kann, ist in der Bevölkerung wenig bekannt. Infektionen oder Entzündungen der Mundhöhle können den Gesamtorganismus beeinträchtigen, umgekehrt können Systemerkrankungen zur Entstehung krankhafter parodontaler Veränderungen beitragen.

 

Parodontitis ist eine komplexe multifaktorielle entzündliche Erkrankung des Parodontiums. Hervorgerufen wird sie durch Bakterien, die sich im Biofilm, einer Schleimschicht auf den Zähnen, befinden. Dieser Schleim ist ein ideales Umfeld für Bakterien und Ausgangspunkt für die Entstehung einer Parodontitis. Generell stellen alle Entzündungsherde im Körper ein Gesundheitsrisiko dar, das über die betroffene Stelle hinausgeht. Während der Zusammenhang zwischen Parodontitis und einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Diabetes bereits lange bekannt ist, untermauern aktuelle Studien die Vermutung, dass parodontale Infektionen auch das Risiko für eine Früh- bzw. Fehlgeburt beeinflussen.

Regelmäßige Kontrolle

PD Dr. Gernot Wimmer, Facharzt für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde mit Spezialisierung auf Parodontologie und Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Parodontologie (ÖGP), führte die aktuellsten Erkenntnisse zum Zusammenhang zwischen Parodontitis und Frühgeburtsrisiko an: „Ganz spezielles Augenmerk erfordern schwangere Patientinnen, da durch die hormonelle Umstellung ein erhöhtes Risiko für das Auftreten einer Gingivitis oder gar einer Parodontitis besteht, wobei beide Erkrankungen noch während der Schwangerschaft einer adäquaten Behandlung bedürfen.“ Durch den veränderten Hormonspiegel ist das Zahnfleisch in der Schwangerschaft stärker durchblutet und es kann häufiger zu Zahnfleischbluten oder Entzündungen kommen. Parodontitis ist ein Entzündungsherd im Körper, durch den Bakterien und schädliche Entzündungsprodukte in die Blutbahn und somit in den ganzen Körper geraten – während einer Schwangerschaft ist somit auch die Plazenta in Kontakt mit diesen schädlichen Bakterien und Entzündungsfaktoren.

Frauen mit Kinderwunsch sollten über mögliche Veränderungen ihrer Gingiva, aber auch mögliche Risiken aus einer parodontalen Erkrankung für den Verlauf ihrer Schwangerschaft informiert werden. Dies kann während der zahnärztlichen Routinekontrolle erfolgen, nachhaltig wirksam jedoch im Rahmen der präventiven professionellen Mundhygienebetreuung. Dies hat einerseits den Vorteil, eine Schwangerschaft mit optimaler Plaque-Kontrolle zu beginnen, andererseits eine bestehende parodontale Erkrankung mit all den medizinischen und psychologischen Konsequenzen vor einer Konzeption zu sanieren.

Sicher und effektiv

„Nach heutiger Datenlage kann keine klare Aussage darüber gemacht werden, ob die Behandlung parodontaler Erkrankungen positive Auswirkungen auf den Verlauf einer Schwangerschaft, insbesondere in der Vermeidung von Frühgeburten oder Kindern mit reduziertem Geburtsgewicht, hat. Aus den jüngsten Arbeiten geht aber klar hervor, dass die routinierte, nicht-chirurgische parodontale Therapie im Sinne der Initialbehandlung mit `deep scaling´ – Tiefenreinigung der Taschen – bei Schwangeren sowohl für Mutter als auch für den Embryo sicher ist und auch effektiv klinische Zeichen der Parodontitis beseitigen kann“, versichert Wimmer.

Dies sei die Konklusion aktueller Erkenntnisse in Anbetracht der Problematik, dass viele Zahnärzte, Dentalhygienikerinnen und Prophylaxeassistentinnen Frauen während der Schwangerschaft aus mangelndem bestehenden Wissen und Angst vor Fehlern ungern behandeln, so Wimmer. Gerade weil Schwangerschaft als ein ungewohnter neuer Zustand des Körpers mit einer gewissen Unsicherheit und oft auch erhöhter Ängstlichkeit gegenüber zahnärztlichen Eingriffen einhergehe, sollte man der Patientin mit Empathie und Fürsorge, aber auch mit entsprechendem Wissen über die spezifischen Therapiemodalitäten begegnen.

 

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