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Gelegenheit macht Liebe: Trotz aller Information über Empfängnisverhütung sind die geeigneten Mittel dazu nicht immer zur Stelle, wenn sie gebraucht werden.
Foto: Privat

Mag. Petra Schweiger Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin, Salzburg

 

Verhütungspannen und ihre Gründe

Warum Kontrazeption in vielen Fällen trotz aller Aufklärung noch immer Glücksache ist.

Elf Prozent der Frauen oder Paare haben keinen Kinderwunsch, sind vermutlich fruchtbar und verhüten nicht. 27 Prozent wenden unsichere Methoden an.

 

Um die Hintergründe von Verhütungspannen zu verstehen, müssen wir einen Blick auf das Verhütungsverhalten in Österreich machen: Eine aktuelle Datenquelle ist der Generations and Gender Survey 2008/09 (GGS).

Daraus geht hervor, dass 73 Prozent der Paare in Österreich verhüten. Etwa die Hälfte aller Paare wendet eine sehr wirksame Methode an. 27 Prozent der Frauen oder Paare verhüten nicht. Sieben Prozent haben einen Kinderwunsch, neun Prozent gehen davon aus, dass sie selbst oder der Partner bzw. die Partnerin unfruchtbar sind.

Elf Prozent der Frauen oder Paare haben keinen Kinderwunsch, sind vermutlich fruchtbar und verhüten nicht. Sie gelten zusammen mit jenen 27 Prozent der Frauen, die nur mittelmäßig wirksame Verhütungsmethoden anwenden, als Risikogruppe für ungewollte Schwangerschaften (zusammen 38 Prozent).

Verhütungsmethoden und Pannen

Die drei häufigsten Verhütungsmethoden, die 18- bis 45-jährige Frauen in einer Partnerschaft anwenden, sind die Pille (44,5 Prozent), das Kondom (21,4 Prozent) und die Kupfer- oder Hormonspirale (17,2 Prozent). Alle anderen Methoden werden nur von einer sehr kleinen Anzahl an Frauen angewendet (GGS, 2008/09).

Verhütungspannen haben einige Gründe:

  1. Unwissenheit über die eigenen Fruchtbarkeit
  2. Unsicherheiten in der Sexualität
  3. Ein unsicheres Verhütungsmittel, das Anwendungsfehler begünstigt
  4. Ambivalenter Kinderwunsch
  5. und manchmal war es einfach Pech....

 

Die Wahrscheinlichkeit einer Verhütungspanne hängt von der verwendeten Verhütungsmethode ab. Die Verhütungsmethoden unterscheiden sich sehr deutlich in ihrer Wirksamkeit.

Wir wissen, dass Kondompannen beim Sex gar nicht so selten sind. Jedem zweiten Mann ist es schon passiert und jeder dritte hat es seiner Partnerin verschwiegen – und einfach weitergemacht, als sei nichts gewesen. Die Gründe: der nahende Orgasmus sollte nicht gefährdet werden (40 Prozent), die Verschwiegenen wollten die Verantwortung nicht tragen (33 Prozent) und die Partnerin nicht ängstigen (27 Prozent) (MensHealth.de, 2005)

Die Österreichische Gesellschaft für Familienplanung hat 2008 in dem Bericht „sich(er) lieben – Verhütungsbewusstsein und Verhütungsverhalten junger Klientinnen“ veröffentlicht, dass 85 Prozent der Mädchen das Kondom fälschlicherweise als sehr bzw. eher zuverlässiges Verhütungsmittel einschätzen, obwohl mehr als die Hälfte der Mädchen bereits Erfahrung mit einem gerissenen oder abgerutschten Kondom gemacht hat. Drei Viertel der Jugendlichen geben an, beim „ersten Mal“ mit einem Kondom verhütet zu haben, zwölf Prozent haben nicht verhütet (ÖGF, 2001).

Wenn es passiert ist

Seit Dezember 2009 ist die gestagenhaltige „Pille danach“ rezeptfrei in Apotheken erhältlich. 87 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher betrachten dies als Zugewinn an Selbstbestimmung für Frauen (laut Umfrage von Oekonsult 2009). Gründe für die Einnahme der „Pille danach“ sind zu rund einem Drittel Anwendungsfehler mit Kondomen, zu einem weiteren Drittel keine Anwendung eines Verhütungsmittels. Auf das restliche Drittel fallen vor allem Anwendungsfehler bei der Pille (vergessen) und sonstige Anwendungsfehler anderer Verhütungsmittel (BZgA, 2004).

Die Kenntnis über den Wirkmechanismus des Medikaments ist jedoch gering: So glauben 75 Prozent der Befragten fälschlicherweise, die „Pille danach“ sei eine Abtreibungspille.

 

Quelle: „Notfallkontrazeption ist Unfallverhütung“, März 2011, Wien.

Wahrscheinlichkeiten von Verhütungspannen bei unterschiedlichen Methoden
von 1.000 Frauen/Paaren die ein Jahr „aufpassen“
werden 270 ungewollt schwanger
730 bleiben nicht schwanger
von 1.000 Frauen/Paaren die ein Jahr mit Kondom verhüten
werden 150 ungewollt schwanger
850 bleiben nicht schwanger
von 1.000 Frauen, die ein Jahr lang mit Pille verhüten
werden 80 ungewollt schwanger
920 bleiben nicht schwanger
von 1.000 Frauen, ein Jahr lang nach einer Sterilisation
werden 5 ungewollt schwanger
995 bleiben nicht schwanger
von 1.000 Frauen, die ein Jahr mit der Hormonspirale verhüten
werden 2 ungewollt schwanger
998 werden nicht schwanger
Quelle: http://www.contraceptivetechnology.org/table.html / Bearbeitung Schweiger

Von Mag. Petra Schweiger, Ärzte Woche 19 /2011

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