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Die werdenden Mütter sollten über die Möglichkeit einer erweiterten Ultraschalluntersuchung informiert werden.
Foto: Privat

Prof. Dr. Horst Steiner Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Salzburg

 

Mehr ist mehr

Vor einem Jahr wurde das Ultraschall-Basis-Screening erweitert. Das Erst-Trimenon-Screening erfasst Wachstumsstörungen und präzisiert den Geburtstermin.

Seit 2010 werden Ultraschalluntersuchungen nicht nur in der 18. bis 22. und in der 30. bis 34. Schwangerschaftswoche (SSW)durchgeführt, sondern zusätzlich auch in der 8. bis 12. SSW (Erst-Trimenon-Basis-Screening). Damit wurde eine langjährige Forderung für das Basisultraschall-Screening in Österreich umgesetzt, denn hier gilt nicht „weniger ist mehr“, sondern „mehr ist mehr“.

 

Ausformulierte Mutterschaftsrichtlinien – wie etwa in Deutschland – gibt es in Österreich nicht. Dennoch lassen sich Ziele des Ultraschall-Screenings in der Schwangerschaft formulieren (Abb. 1). Überwiegend sollte die Basisultraschalluntersuchung entsprechend einer Stufe I durch Fachärzte in der Praxis durchgeführt werden. Damit sollte die normale Entwicklung des Feten kontrolliert und verfolgt werden, sowie Störungen der normalen Entwicklung erfasst werden. Dies entspricht einem ungerichteten Screening.

Bei Auffälligkeiten sollte die weitere Abklärung und Betreuung durch die Pränataldiagnostik und Pränatalmedizin, entsprechend einer ÖGUM-Stufe II/III erfolgen. Damit kann durch ein geeignetes Management die ante- und perinatale Mortalität und Morbidität verbessert werden, einem ureigenen Ziel der Schwangerschaftsbetreuung. Hierbei geht es sowohl um die Mutter wie um das ungeborene Kind.

Darüber hinaus gibt es gezielte Screeninguntersuchungen und spezielle Beratungen, die besondere Kenntnisse und Ausrüstung erfordern. Der zunehmende Wunsch von Schwangeren nach maximaler Diagnostik führt dazu, dass auch bei primär Nichtrisikoschwangeren das Basis-Screening durch die erweiterten Screening-Ultraschalluntersuchungen ergänzt wird.

Basisultraschalluntersuchung I (8.–12. SSW)

Neben dem Nachweis der intrauterinen Lokalisation und dem Ausschluss einer Extrauteringravidität soll die Vitalität des Embryos frühzeitig erfasst werden. Die Basisbiometrie der Scheitel-Steiß-Länge, am Ende dieses Zeitintervalls ergänzt durch den biparietalen Durchmesser, erlaubt Terminunklarheiten auszuschließen. Im Falle einer Mehrlingsgravidität soll eine genaue Klassifizierung im Hinblick auf die Chorionizität und Amnialität erfolgen, um die weitere adäquate Betreuung dieser Risikoschwangerschaft zu planen. Wichtig ist an dieser Stelle, alle Schwangeren über die Möglichkeit einer erweiterten Ultraschalluntersuchung (Erst-Trimester-Screening, Combined Test) zu informieren. Dies gelingt am besten unter Zuhilfenahme eines Informationsblattes (www.oegum.at, www.oeggg.at). Darüber hinaus kann hier die Unterschrift über die erfolgte Information dokumentiert werden. Abschließend soll noch einmal festgehalten werden, dass eine Nackentransparenzmessung oder ein Trisomiescreeening nicht Inhalt des Basisscreenings sind.

Effekt des Routineultraschall-Screenings

Die Datenlage mit Anspruch auf evidenzbasiertes Wissen ist im Vergleich zur breiten Anwendung des Basis-Ultraschall-Screenings spärlich. Ein Cochrane-Review zum frühen Ultraschall-Screening zeigt, dass durch die Terminbestimmung eine Reduktion von Einleitungen wegen Terminüberschreitungen um rund 40 Prozent zu erreichen ist. (Darüber hinaus reduzieren sich folgerichtig alle Probleme, die mit einer unklaren Datierung einhergehen, wie zum Beispiel Entscheidungen im Grenzbereich der Lebensfähigkeit.)

Naturgemäß werden früher Mehrlinge erkannt und ein adäquates Betreuungsschema ist damit anzuwenden. Dort, wo ein Ultraschall-Screening auch die Option des Schwangerschaftsabbruches beinhaltet, nimmt die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche zu.

Wichtig ist auch festzustellen, dass keine Hinweise auf negative neurologische Effekte des frühen Ultraschall-Screenings bestehen.

Wonach sucht das Screening eigentlich?

Zahlenmäßig und perinatologisch wichtig ist die Erfassung von Wachstumsstörungen, sowohl in Form der Wachstumsrestriktion als auch der Makrosomie. Nach Primärdiagnostik kann die weiterführende Diagnostik mittels ergänzenden Untersuchungen erfolgen.

Funktionsstörungen der sich entwickelnden Organsysteme am Feten sind eine Domäne des II.- und III.-Trimester-Screenings. Als Beispiele dienen Störungen des Harntraktes oder Gastrointestinaltraktes sowie auch des Herz-Kreislauf-Systems, wo durch Planung der Geburt nach Timing, Ort und Festlegung des perinatalen Managements die kindliche Morbidität und Mortalität reduziert werden kann.

Ähnlich sind die Zielsetzungen bei fetalen Fehlbildungen. Beispielsweise hat ein Kind mit Laparoschise bei Entbindung im Perinatalzentrum und sofortiger kinderchirurgischer Versorgung deutlich bessere Entwicklungschancen.

Ähnlich verhält sich dies bei Herzfehlern, wo dies für spezielle Vitien auch durch Studien gut dokumentiert ist.

Fetale Erkrankungen, die eine perinatale interdisziplinäre Betreuung und Behandlung erfordern, sind ebenfalls hier zu subsumieren.

Gezieltes Screening

Ein gezieltes Ultraschall-Screening erfolgt auf Indikation (Abb. 2) oder auf Wunsch der Eltern auf eigene Kosten. Ein gezieltes Screening ist möglich auf die Trisomien mittels Erst-Trimester-Screening, bei Ergänzung mittels Serumbiochemie als Combined-Test. Die Erfassungsrate für Trisomie 21 beträgt 90 Prozent. Des weiteren kann ein gezieltes Screening im Hinblick auf anatomische Fehlbildungen mittels Erst-Trimester-Screening oder Organscreening im zweiten Trimester erfolgen. Ziel hierbei ist, ein möglichst komplettes Fehlbildungsspektrum auszuschließen.

Vereinheitlichung in Österreich

Aufgrund der enormen Entwicklung und Diversifizierung der Ultraschalldiagnostik in der Schwangerschaft ist es für die Schwangeren kaum mehr möglich, sich selbst einen Überblick über die verschiedenen Ultraschallangebote zu verschaffen. Aus diesem Grund haben die wissenschaftlichen Fachgesellschaften (OEGGG, ÖGUM, ÖGPPM) sich zusammengetan, um den „State of the art“ des Ultraschall-Screenings in Österreich sowie die Inhalte der Ultraschalluntersuchungen zu definieren und publizieren (Speculum 2/2005: 8-9, Speculum 2/2009: 1-4).

 

Quelle: Gyn-Aktiv 4/2010

MKP-Ultraschall Indikationenliste für erweiterte Diagnostik
• Auffälligkeit/kontrollbedürftige Befunde in Basis-Screening oder Kontroll- und Folgeuntersuchung nach erweiterter Diagnostik
- Verdacht / Vorliegen einer Anomalie / Missbildung / IUGR
• Anamnestische Risiken
- Schwangere >= 35
- Chromosomenanomalie in früherer Schwangerschaft
- Strukturelle Anomalie / kindl. Erkrankung in/aus früherer SS
- Genetische Indikationen
- Potenziell teratogene Noxen
• Auffällige maternale Serumparameter (AFP, Infektionen etc)
Kasten 2 Quelle: Paracelsus Medizinische Privatuniversität Prof. Dr. Horst Steiner

Von Prof. Dr. Horst Steiner, Ärzte Woche 9 /2011

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