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Gynäkologie und Geburtshilfe 16. November 2010

Brustkrebs ab 70: Screenen oder nicht screenen?

Seit acht Jahren gibt es in Deutschland ein Mammographie-Screening-Programm, das allen Frauen zwischen 50 und 69 Jahren offensteht. Ob das Angebot auch auf Seniorinnen jenseits dieser zwei Lebensjahrzehnte ausgedehnt werden sollte, wird kontrovers diskutiert.

„Verlässliche Daten, die eine Reduktion der Brustkrebssterblichkeit durch die Früherkennung belegen, gibt es bislang nur für die Altersspanne von 50 bis 69“, sagt Prof. Dr. Anton Scharl, Gynäkologie am Brustzentrum St. Marien in Amberg, Deutschland. Hier könnten durch die Röntgen-Reihenuntersuchungen bis zu einem Drittel der Brustkrebstodesfälle verhindert werden. „Grundsätzlich ist jedoch zu bedenken, dass Früherkennungsmaßnahmen nicht nur nutzen“, betont Scharl. Zum einen gehe jede Röntgenuntersuchung der Brust mit einer Strahlenbelastung einher. Zum anderen aber machten falsch-positive Befunde aus einer gesunden Frau eine Patientin. „Dann stehen ihr zumindest seelische Belastungen und weitere Untersuchungen, eventuell sogar eine Operation bevor.“ Während bei der bereits in das Screening-Programm aufgenommenen Altersgruppe der Nutzen überwiegt, kann für die über 69-Jährigen noch keine verlässliche Kosten-Nutzen-Abwägung vorgenommen werden, so Scharl, denn Studien zu dieser Altersgruppe gibt es bislang kaum. Einerseits nimmt das Brustkrebsrisiko mit steigendem Alter zu. Das würde für eine Ausdehnung des Früherkennungsprogramms sprechen. Andererseits nimmt auch das Risiko der Überdiagnose zu. Im höheren Alter nimmt überdies die Zahl der Tumoren zu, die in der verbleibenden Lebensspanne nicht mehr auffällig geworden wären. Scharls Fazit lautet daher: „Die Vorteile der Brustkrebsvorsorge scheinen dann zu überwiegen, wenn die individuelle Lebenserwartung zehn Jahre übersteigt.“

Quelle: Scharl, A.: Geburtshilfe und Frauenheilkunde 2010; 70(10): 832-834

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