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Foto: Nephron
Mikrofoto einer Biopsie mit einfacher Endometriumhyperplasie. HE-Färbung.
 
Gynäkologie und Geburtshilfe 28. September 2010

Dilemma um das Screening

Eine österreichische Studie sucht Grenzwerte für Endometriumhyperplasien.

Die asymptomatische Endometriumhyperplasie stellt weiterhin ein diagnostisches Dilemma in der Frauenarztordination dar.

 

Eine Screeninguntersuchung für das Endometriumkarzinom ist nicht etabliert. Es gibt keine prospektiv-randomisierte, doppelblinde Studie, die einen Überlebensvorteil bzw. eine Morbiditätsreduktion durch die Durchführung eines Vaginalultraschalls als Screeninguntersuchung beweist. Jedoch wird bei vielen gynäkologischen Untersuchungen aus anderen Indikationen ein Vaginalultraschall durchgeführt. Entdeckt man bei postmenopausalen Frauen ein verbreitertes Endometrium, stellt sich die Frage nach der diagnostischen bzw. therapeutischen Konsequenz. Oftmals wird in Österreich eine diagnostische Hysteroskopie bzw. Curettage empfohlen. Ab welchem Grenzwert der Endometriumbreite bzw. ob dies überhaupt sinnvoll ist, ist derzeit unklar.

Cut off in Diskussion

Während sich viele wissenschaftliche Studien mit dem Thema der Postmenopausenblutung beschäftigen, gibt es erstaunlich wenige Arbeiten zur „asymptomatischen postmenopausalen Endometriumhyperplasie“.

Eine rezente Studie von Smith-Bindman et al. stellte die Frage „How thick is too thick?“ Es wurde eine theoretische Kohorte von postmenopausalen asymptomatischen Frauen konstruiert. Bei einem theoretischen cut-off von > 11 mm versus ≤ 11 mm doppelte Endometriumbreite betrug die Wahrscheinlichkeit für die Entdeckung eines Karzinoms 6,7 Prozent vs. 0,002 Prozent. Eine Arbeit von Schmidt et al. untersuchte den Wert der Hysteroskopie in der Abklärung der asymptomatischen Endometriumhyperplasie. 177 Frauen zeigten eine doppelte Endometriumbreite von ≥ 11 mm, davon 13 Frauen eine adenomatöse Hyperplasie mit Atypien (Präkanzerose) bzw. ein Endometriumkarzinom (7,3 %). Eigene retrospektive Daten zeigten eine hohe Wahrscheinlichkeit von 15,7 Prozent für das Vorliegen einer adenomatösen Hyperplasie mit Atypien oder eines Endometriumkarzinoms bei Frauen mit einer doppelten Endometriumbreite von ≥ 11 mm.

Insgesamt weisen die verfügbaren Daten auf ein erhöhtes Risiko für adenomatöse Hyperplasien mit Atypien bzw. Endometriumkarzinome bei asymptomatischen Frauen mit im Ultraschall festgestellter Endometriumhyperplasie hin. Ein (zu) niedriger cut-off von 4 oder 5  mm doppelte Endometriumbreite führt zu einer hohen Erkennungsrate, aber zu vielen unnötigen Interventionen. Derzeit erscheint ein cut-off von > 11 mm Endometriumbreite für eine weitere diagnostische Abklärung sinnvoll. Dies kann entweder eine diagnostische Hysteroskopie und Curettage bzw. auch eine Endometriumbiopsie in Lokalanästhesie sein. Derzeit läuft in Österreich eine „Register-Studie“ (FAME-ENDO-Studie, www.endometriumkarzinom.at), die versucht, den optimalen Grenzwert der Endometriumbreite zu etablieren. Erste Daten sind für Ende 2010 geplant und wir hoffen auf eine Bestätigung der derzeit geübten klinischen Praxis bzw. der derzeitigen Leitlinie.

Die von der OEGGG publizierte Leitlinie empfiehlt basierend auf diesen Daten, dass eine invasive Abklärung bei asymptomatischen Frauen mit einer Endometriumhyperplasie > 11 mm überlegt werden sollte: Zitat aus der Leitlinie: „Aufgrund dieser Datenlage kann eine Intervention bei asymptomatischen Patientinnen ab einer Endometriumhöhe von > 12 mm empfohlen werden, wenngleich es keine generelle Empfehlung gibt, das Endometrium bei postmenopausalen asymptomatischen Patientinnen überhaupt zu messen.“ Die Ergebnisse der FAME-ENDO-Studie werden neue, interessante Daten liefern.

Prof. Hefler ist am Landesklinikumg Mistelbach tätig, Frau Kickmeier Prof. Rheintaller am AKH Wien. Der Originalartikel ist nachzulesen im Magazin Wiener Medizinische Wochenschrift Skriptum 5/2010. © Springer-Verlag, Wien

Prof. Dr. Lukas Hefler, Sonja Kickmaier, Prof. Dr. Alexander Reinthaller, Ärzte Woche 39 /2010

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