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Vor neun Jahren wurde die Gebärwanne in Voitsberg aufgestellt.
 
Gynäkologie und Geburtshilfe 14. September 2010

Entbindung im Wasser: Wellnessgeburten ohne erhöhtes Risiko

Ein Plädoyer für den vermehrten Einsatz der Gebärwanne.

Nach einem Kreissaalumbau 2001 wurde an der Geburtshilflichen Abteilung des Landeskrankenhauses Voitsberg eine Gebärwanne in Betrieb genommen. Bisher wurden dort 1.105 Babies im Wasser geboren, und derzeit findet jede zweite Spontangeburt am LKH Voitsberg im Wasser statt.

 

Die Geschichte der Wassergeburt lässt sich bis in das Ägypten der Pharaonen verfolgen. Im Jahr 1778 berichtete James Cook von Wassergeburten in Neuseeland und in Mittelamerika. In den 1960er-Jahren hat sich die Wassergeburt in der ehemaligen UdSSR und in den 1970er-Jahren in Frankreich etabliert. Am Ende des letzten Jahrhunderts gab es bereits mehrere „Zentren“ in Europa. Albin Thoeni aus Sterzing in Südtirol veröffentlichte damals erste wissenschaftliche Berichte von Wassergeburten im deutschsprachigen Raum.

Voraussetzungen für eine Wassergeburt sind Ausschluss von Risikofaktoren (missfärbiges Fruchtwasser oder pathologisches CTG) und reife, eutrophe Kinder am Geburtstermin in Schädellage. Ein Status post sectionem stellt keine Kontraindikation dar.

Vorteile der Wassergeburt

In der Eröffnungsphase des Muttermundes wird durch das angenehm temperierte Wasser der Circulus vitiosus des Schmerzes durchbrochen. Das warme Wasser entspannt, wodurch sich das Schmerzempfinden reduziert. So verkürzt sich die Geburtsdauer deutlich. Die Kinder werden in das gewohnte warme Nass entbunden, sie erleiden dabei keinen Temperaturschock von 40 °C auf 25 °C, und werden der Mutter sofort zum Bonding an die Brust gelegt. Die Geburt der Placenta wird in der Gebärwanne ohne Wasser durchgeführt.

Rückschau auf über tausend Wassergeburten

Im Zeitraum 2001 bis 2009 standen am LKH Voitsberg 1.105 Wassergeburten 2.394 konventionellen „Landgeburten“ gegenüber. Insgesamt 33 Prozent aller Spontangeburten fanden im Wasser statt.

Die postpartalen Nabelarterien-pH-Werte waren in beiden Gruppen im Durchschnitt gleich (7,29 gegenüber 7,30).

Das Geburtsgewicht unterschied sich ebenfalls nicht (3.390 vs. 3.310 g). Sechs Schulterdystokien traten auf, eine im Wasser, fünf bei „Landgeburten“. Es gab einen einzigen Dammschnitt im Wasser. Auch sonst lag die Episiotomierate bei den „Landgeburten“ mit unter acht Prozent deutlich unter dem österreichweiten Durchschnitt.

3°-Dammrisse waren in beiden Gruppen in drei Promille zu versorgen. Je ein Fall eines 4°-Dammrisses trat auf. Der Schmerzmittelbedarf war bei den im Wasser entbundenen Frauen deutlich reduziert (4 vs. 21 %). Schwere postpartale Anämien, mit Hämoglobinwerten unter 7 mg/dl, traten im Wasser nicht auf. Es gab weder mütterliche oder kindliche Infektionen noch Fieber im Wochenbett. Von Frauen, die sich in der Austreibungsphase in der Gebärwanne befanden, gab es keine Sectio. Die Transferierungsrate von Neugeborenen an eine neonatologische Intensiveinheit war mit 0,8 Prozent bei den „Wasserbabies“ auch deutlich geringer als bei den konventionell geborenen Kindern, wo der Anteil bei 4,3 Prozent liegt. Dabei waren vaginale ß-Streptokokkenbesiedelungen kein Ausschlussgrund für Wassergeburten.

Auf das postpartale Absaugen von Fruchtwasser bei den Babies wurde weitgehend verzichtet. Das subjektive Geburtserlebnis wurde bei den im Wasser entbundenen Frauen als deutlich angenehmer empfunden.

Zusammenfassend ist die Datenlage eindeutig. Wassergeburten sind nicht – wie oft artikuliert – gefährliche Abenteuer. Sie sind sicher und zeigen eine Reihe von zusätzlichen geburtshilflichen Vorteilen. Dies wurde auch bereits durch zahlreiche Arbeiten von Thoeni und anderen bestätigt. In Zukunft sollten vermehrt Wassergeburten angeboten werden.

 

Der Autor ist Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe am LKH Voitsberg

Von Dr. Bernd Eißner, Ärzte Woche 37 /2010

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