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Lang andauernde Menstruation

Menorrhagie: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten.

Eine 46-jährige Patientin beklagt ihre starken Regelblutungen. Sie fühlt sich häufig schlapp und ist durch die Blutungen in ihren Aktivitäten eingeschränkt. Die Tampons – die größten, die es gibt – muss sie alle ein bis zwei Stunden wechseln. Auch dauern die Regelblutungen im Gegensatz zu früher mehr als eine Woche und die Abstände zwischen den Blutungen werden in den letzten zwei bis drei Jahren immer kürzer.

 

Eine Menorrhagie ist die verlängerte Blutung (über mehr als sieben Tage) in Kombination mit vermehrtem Blutverlust. Die Häufigkeit bestimmter Ursachen ist vom Alter abhängig. In der Prä- und Perimenopause sind hormonelle Ursachen und gutartige Veränderungen des Uterus am häufigsten. Oft liegen mehrere Faktoren gleichzeitig vor (siehe Tabelle).

Welche Fragen sind abzuklären?

• Anamnese: Zykluskalender; Indiz für verstärkte Blutungen: Koagel, Tampon-/Bindenwechsel < 2 bis 3 Stunden

• Allgemeine körperliche Untersuchung

• Gynäkologische Untersuchung plus Zervixzytologie inklusive Koloskopie und Ultraschalluntersuchung des inneren Genitales

• Labor: Schwangerschaftstest; Hämoglobin, Thrombozytenzahl; Gerinnung bei klinischem Verdacht.

Konservative Therapie

• Da die meisten Blutungsstörungen eine hormonelle Ursache haben, ist der Einsatz von Gestagenen zyklisch (in der zweiten Zyklushälfte) oder kontinuierlich beziehungsweise von oralen Kontrazeptiva in der Regel die Therapie der ersten Wahl.

• Durch Einlage einer Levonorgestrel freisetzenden Intrauterinspirale (IUDs) kann bei vielen Frauen auch bei Menorrhagien eine Verminderung der Blutungsmenge erreicht werden (bis 50 Prozent Amenorrhö; nach einem Jahr 60–97 Prozent Reduktion des Blutverlustes).

• Bei Menorrhagie durch Myome oder Adenomyosis uteri kann die Embolisation der Arteria uterina (Myomembolisation) und die Behandlung der Myome Blutungen reduzieren. Die berichteten Erfolgsraten liegen bei etwa 70 bis 90 Prozent. Bei Kinderwunsch ist der Einsatz aufgrund verminderter Fertilität relativ kontraindiziert. Hysterektomie sollte nur angeboten werden, wenn andere Optionen nicht in Frage kommen.

Operative Behandlungsmöglichkeiten

• Bei der Endometriumablation wird das Endometrium als eigentliches Blutungsorgan thermisch zerstört oder chirurgisch abgetragen. Die Erfolgsraten liegen zwischen 70 und 90 Prozent, verteilt auf Eumenor-rhö und Amenorrhö.

• Bei Myomen kann durch die Myomenukleation (hysteroskopisch, laparoskopisch, offen chirurgisch) in durchschnittlich 80 Prozent der Fälle eine Verbesserung erreicht werden.

• Die Hysterektomie verspricht ei-nen sicheren Therapieerfolg. Sie sollte aber nur angeboten werden, wenn andere Therapiemöglichkeiten nicht infrage kommen oder erfolglos waren.

MMW/KK

 

Prof. Dr. med. Regine Gätje ist auf der Klinik für Geburtshilfe an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt tätig.

E-Mail: gaetje(at)em.uni-frankfurt.de

Tabelle: Mögliche Auslöser für Menorrhagien und ihre Häufigkeit
Ursache  Häufigkeit
Hormonelle Störungen   90 %
  Anovulation bis zu 80 %
  PCO/Hyperandrogenämie  
  Lutealphaseninsuffizienz  
  Hyperprolaktinämie  
  Schilddrüsenerkrankungen 0,3-2,5 %
Gutartige Veränderungen des Uterus Myome 70 %
  Polypen 30 %
  Adenomyosis uteri 20 %
Ovarialtumor   selten
Bösartiger Tumor des Uterus Korpuskarzinom, Zervixkarzinom 0,04 %
Blutgerinnungs- störungen Von-Willebrand-Syndrom, Konduktorin Hämophilie, Faktorenmangel, z. B. Faktor XI, Thrombozytopenie, Thrombozytenfunktionsstörungen bis 40 % bei Teenagern, bis 20 % bei Erwachsenen ohne sonstigen Befund
Andere Arteriovenöse Malformation, extragenitale Blutungen sehr selten

Von Prof. Dr. Regine Gätje, Ärzte Woche

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