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Der Wunsch, „normal“ auszusehen

Die Gynäkologie muss sich verstärkt mit der ästhetischen Chirurgie auseinandersetzen, auch in ethischer Hinsicht.

Die kommende Jahrestagung der OEGGG bietet ihren Besuchern ein umfangreiches und auch interaktives Programm mit vielen Seminaren und Expertensitzungen. Ein Schwerpunkt ist diesmal das Thema Schönheit, das in der Frauenheilkunde an Bedeutung gewinnt.

 

Die Jahrestagung der OEGGG widmet sich unterschiedlichsten Themen der Frauenheilkunde und diskutiert die Zukunft des gesamten Faches in mehreren Sitzungen. Ziel ist es, niedergelassene Frauenärztinnen und Frauenärzte und den gynäkologischen Nachwuchs anzusprechen. „Wir möchten junge Kolleginnen und Kollegen verstärkt einbeziehen und bieten deshalb Seminare zu unterschiedlichen Thematiken an“, kündigt der Präsident der OEGGG, Prim. Doz. Dr. Walter Neunteufel an. Die Seminare und Expertensitzungen sind mit niedrigen Teilnehmerzahlen interaktiv ausgerichtet. Hands-on-Training zu operativen Prozessen, zur Endoskopie sowie zu verschiedenen Untersuchungsmethoden werden ergänzt durch Seminare, die direkt in der Praxis anwendbar sind.

Schönheit um jeden Preis ...

... und wer definiert, was Schönheit ist? Dazu spricht Sozialethiker Prof. DDDr. Clemens Sedmak in seiner Eröffnungsrede, denn ästhetische Chirurgie in der Frauenheilkunde ist das Hauptthema der diesjährigen Tagung. „Operative Eingriffe aus ästhetischen Gründen betreffen immer stärker auch den Bereich der Frauenheilkunde, denn neben Brustoperationen werden zunehmend auch Korrekturen der Schamlippen von Patientinnen gewünscht. Die Gynäkologie muss sich deshalb mit diesem Thema verstärkt beschäftigen, auch aus der Sicht der Ethik, nur so ist eine umfassende Beratung möglich“, so Neunteufel. Ästhetische Eingriffe wie Aufpolsterung der äußeren Schamlippen durch Eigenfett-Injektionen, die Verkleinerung der Vorhaut der Klitoris oder die Verengung der Vagina (durch Vaginal-Rejuvination) werden vermehrt nachgefragt. Da solche Operationen ernstzunehmende Risiken beinhalten, sollten im Vorfeld jedenfalls eine gynäkologische Untersuchung sowie ein ausführliches Beratungsgespräch erfolgen.

Der Grund für eine Intim-Operation ist zumeist der Wunsch, im Intimbereich „normal“ auszusehen. Da es dazu aber keine gültige Norm gibt, werden oft Bilder aus pornographischen Medien herangezogen. Ideal ist ein mädchenhaftes Aussehen. Der Trend zur Intimrasur verstärkt dies. Über Vielfalt, Norm und Entscheidung, ob und wie diese Korrekturen im Genitalbereich durchgeführt werden sollen, sprechen die Wiener Frauengesundheitsbeauftragte Prof. Dr. Beate Wimmer-Puchinger, Prof. Dr. Andreas Widschwendter von der Universitätsklinik für Frauenheilkunde in Innsbruck und Prim. Dr. Christian Menzel, Universitätsklinik für Spezielle Gynäkologie in Salzburg.

 

www.oeggg.at

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