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Die Tage vor den Tagen: PMS

Hilfe gegen psychische Tiefs und körperliche Beschwerden.

Viele Frauen empfinden die Zeit vor der Monatsblutung als belastend, haben körperliche und psychische Beschwerden. Heute werden die Symptome unter dem Begriff „Prämenstruelles Syndrom“ (PMS) zusammengefasst. Die genauen Ursachen dafür sind noch immer nicht bekannt.

 

„Wahrscheinlich handelt es sich um ein kompliziertes Wechselspiel, bei der auch die Veranlagung und die aktuelle psychosoziale Situation der Frau eine Rolle spielen“, erklärt Prof. Dr. Alexander Teichmann von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) und Chefarzt der Frauenklinik am Klinikum Aschaffenburg. Eine „Mitschuld“ an den Stimmungsschwankungen hat vermutlich der abfallende Östrogenspiegel in der zweiten Zyklushälfte.

Die häufigsten psychischen Beschwerden des PMS sind innere Unruhe und Anspannung, Nervosität und Reizbarkeit sowie Verstimmungen und Leistungsabfall. Bei den körperlichen Symptomen stehen Wassereinlagerungen im Vordergrund, was sich in Ödemen und einer Zunahme des Brustvolumens äußern kann. Dazu kommen Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Magen-Darm-Beschwerden, Hautveränderungen sowie Kreuz- und Rückenschmerzen. Inzwischen hat sich die klinische Forschung des Problems angenommen und untersucht nun die Beeinträchtigungen der Lebensqualität und die Krankheitslast. Das Ergebnis: Das PMS ist ein weltweit anzutreffender Symptomenkomplex. Es bedeutet für die Frauen vor allem eine psychische Belastung und sollte bei entsprechendem Leidensdruck auch behandelt werden (Dennerstein, L. et al.: Menopause Int. 2009; 15: 120–6; Rapkin, A. J. et al.: Expert Rev Pharmacoecon Outcomes Res. 2009; 9: 157–70; Pearlstein, T. et al.: J Psychiatry Neurosci 2008; 33: 291–301).

Zunächst einmal gilt: Jede Betroffene sollte versuchen, mit den Symptomen positiv umzugehen. Ein Rückgang der PMS-Symptome durch körperliche Aktivität ist in vielen wissenschaftlichen Studien dokumentiert (Daley, A. et al.: J Womens Health 2009; 18[6]: 895–9).

Heilkräuter werden mit gutem Erfolg eingesetzt. So hilft Johanniskraut gegen depressive Verstimmung. Melissenblätter, Baldrianwurzel, Hopfenzapfen und Passionsblume können die Reizbarkeit dämpfen und das Ein- und Durchschlafen fördern. Ein weiteres Frauenheilmittel, das auf die hormonellen Dysbalancen einwirkt, ist der Mönchspfeffer, lateinisch Vitex agnus castus. Die Samen der im Mittelmeer beheimateten Pflanze werden in der Erfahrungsmedizin schon seit langem bei Menstruations- und klimakterischen Beschwerden eingesetzt. Die Wirksamkeit des Mönchspfeffers speziell beim Prämenstruellen Syndrom wurde in klinischen Studien nachgewiesen (Döll, M.: Med Mo Pharm 2009; 32: 186–91).

Ein Wirksamkeitsnachweis für Vitamine, Mineralien und Spurenelemente im Sinne der evidenzbasierten Medizin liegt nur für einige dieser Supplemente vor (Lloyd, K. B. et al.: Nutr Clin Pract 2009; 24: 589-608), z. B. für Kalzium (1000-1200 mg/d). Für Magnesium liegen dagegen keine überzeugenden Studien vor. Vitamin B6 (Pyridoxin) ist gut untersucht. Es reduziert depressive Symptome besser als Placebo. Die Dosierungen lagen dabei in den Studien meist zwischen 50 und 100 mg pro Tag.

Gut erprobt bei stark ausgeprägten körperlichen Symptomen sind hormonelle Behandlungen, meist eine Östrogen-Gestagen-Kombination (ACOG Practice Bulletin No. 110: Obest Gynecol 2010; 115: 206–18). Stehen eher seelische Probleme im Vordergrund, können selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer eingesetzt werden. Bei schweren Ödemen werden wasserausscheidende Mittel angewendet (Panay, N.: J Fam Plann Reprod Health Care 2009; 35:187–94). „In besonders schweren Fällen kann sowohl diagnostisch als auch therapeutisch die hormonelle Eierstockaktivität medikamentös komplett unterdrückt werden. Die ausgefallenen Hormone werden dann kontinuierlich und nicht zyklisch ersetzt, so dass die wesentlichen zyklischen Einflüsse, welche einem PMS zugrunde liegen, ausgeschaltet sind. Es empfiehlt sich die Verwendung der natürlichen Steroide Estradiol und Progesteron“, erklärt Teichmann.

Vielen Frauen mit einem schweren PMS helfen aber auch Hormone oder Antidepressiva nur mäßig. Hier haben japanische Ärzte mit der Akupunktur gute Erfahrungen gesammelt (Taguchi, R. et al.: Arch Gynecol Obstet 2009; 280: 877–81).

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