zur Navigation zum Inhalt
Foto: Thorsten Freyer / PIXELIO
Ein unerfüllter Kinderwunsch muss heute nicht unbedingt unerfüllt bleiben.
 

Wenn der Klapperstorch nicht kommen will

Paaren, die vergeblich auf Nachwuchs hoffen, kann heute in vielen Fällen die moderne Medizin zu einem Wunschkind verhelfen.

Eine häufig anzutreffende Annahme ist, dass Unfruchtbarkeit primär ein weibliches Problem sei. Tatsache ist aber, dass sich bei unerfülltem Kinderwunsch die Ursache zwischen beiden Geschlechtern fast gleich verteilt. Ist die Ursache einmal identifiziert, so stehen den Patienten eine Reihe von Möglichkeiten zur Verfügung, um Mutter Natur auf die Sprünge zu helfen. Die Art der Behandlung hängt dann vorrangig vom Grundproblem der Unfruchtbarkeit ab.

 

Der Anteil aller Paare, die im fortpflanzungsfähigen Alter ungewollt kinderlos bleiben, beruht auf zehn bis 15 Prozent. Geschätzte 30.000 Paare in Österreich sind unbehandelt – über ihnen hängt das Damoklesschwert der Unfruchtbarkeit. Die Ursachen der Kinderlosigkeit liegen etwa zur Hälfte beim Mann und zur Hälfte bei der Frau. Bei Zyklusstörungen durch Hyperprolaktinämie, Ovulations- oder Eileiterprobleme, aber auch bei schlechter Spermienqualität kann die moderne Therapie große Erfolge erzielen, sagten Dr. Brigitte Esterbauer, Klinik für Urologie der Paracelsus Universität Salzburg, und Dr. Georg Freude, Endokrinologe vom Institut für Fortpflanzungsmedizin in Wien.

Ein Paar gilt als steril, wenn nach zwölf Monaten aktiven Bemühens mit ungeschütztem Verkehr keine Schwangerschaft eintritt. Infertilität liegt vor, wenn zwar eine Schwangerschaft eintritt, diese jedoch nicht ausgetragen werden kann. Bei etwa 40 Prozent der Fälle findet sich die Ursache bei der Frau, bei 40 Prozent beim Mann. In etwa zehn Prozent der Fälle gibt es eine Ursache bei beiden Partnern und bei weiteren zehn Prozent ist die Ursache unbekannt.

Das Spektrum der Behandlungsmöglichkeiten reicht von einfachen Stimulationsmethoden mit Ultraschallbestimmung des Ovulationszeitpunkts über intrauterine Inseminationen bis hin zur In-vitro-Fertilisation-Behandlung (IVF). Die „assistierte Reproduktion“ ermöglicht IVF auch bei Frauen mit verschlossenen Eileitern, Endometriose oder Polyzystischem-Ovar-Syndrom (PCO). Bei Männern ist eine zunehmende Verschlechterung der Spermienqualität zu beobachten, weswegen die Methode der Intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) an Bedeutung gewinnt.

Ursachen bei Mann und Frau

Anamnese und körperliche Untersuchung sind die Basis für die Therapieplanung bei einem Patienten mit unerfülltem Kinderwunsch. Da-zu gehört die persönliche Vorgeschichte, Infektionserkrankungen oder frühere Behandlungen mit Zytostatika oder Hormonen etc. Beim Mann muss nach Erektions- oder Orgasmusstörungen gefragt werden, nach dem Alter der Partnerin und natürlich nach möglichen gynäkologischen Ursachen für die ungewollte Kinderlosigkeit bei der Frau. Auch starker Nikotinkonsum, Adipositas oder metabolisches Syndrom können insbesondere bei der männlichen Infertilität eine Rolle spielen.

Bei der Frau sind zu 40 Prozent hormonelle Störungen, zu 30 Prozent Eileiterprobleme, zu 15 Prozent zervikale, uterine oder vaginale Störungen, zu zehn Prozent immunologische und zu fünf Prozent extragenitale Ursachen für die Unfruchtbarkeit verantwortlich. Die Basisdiagnostik besteht in der Bestimmung des Hormonstatus, wobei oftmals die Frau bereits wegen Zyklusstörungen, Anovulation oder Amenorrhö beim Gynäkologen in Behandlung ist. Ungünstige Aussichten bestehen dann, wenn gar keine Eizellen mehr produziert werden, denn die Eizellspende ist in Österreich verboten.

Beim Mann sind mit 25 bis 35 Prozent am häufigsten Varikozele die Ursache für die Infertilität. Andere Ursachen sind genetische Störungen, Hypogonadismus, Kryptorchismus, Infekte oder ein idiopathisches Syndrom. Dabei stellt die wichtigste Untersuchung das Spermiogramm dar: Hier wird in einem Abstand von vier Wochen das Sperma zweimal nach Motilität, Konzentration und Morphologie untersucht. Empfehlenswert ist außerdem die Bestimmung der Vitalität, die Peroxidase-Färbung der Leukozyten, eine bakteriologische Untersuchung oder auch Antikörpertests.

Eine kausale Therapiemöglichkeit ist bei maximal einem Drittel der männlichen Patienten möglich. Dies betrifft vor allem infektionsbedingte Einschränkungen wie Prostatitis, Samenwegsinfekte und Infektionen mit uropathogenen Keimen oder Chlamydien. Diese können mit Antibiotika bekämpft werden, nötigenfalls als Paartherapie.

Assistierte Reproduktion

Mit der intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) hat sich seit 1991 ein assistiertes reproduktionsmedizinisches Verfahren als Standard etabliert. Befruchtungsraten von bis zu 96 Prozent und eine mittlere Schwangerschaftsrate von 29 Prozent werden damit erzielt. Bei der Azoospermie und vor allem bei der nicht obstruktiven Azoospermie ist eine operative Samengewinnung notwendig. Unter einer testikulären Spermienextraktion (TESE) ist es möglich, bei etwa 60 Prozent der Männer noch befruchtungsfähige Spermatozoen zu isolieren.

Myome und Endometriose

Konnten alle anderen Sterilitätsursachen bei der Frau ausgeschlossen werden, so kommen Myome in zwei bis drei Prozent der Fälle als Grund für eine Unfruchtbarkeit in Frage.(Buttram et al., 1981). Negative Auswirkungen haben Myome auf Implantations- und Schwangerschaftsraten bei Deformation der Gebärmutter (Fahri J. et al., 1995). Ein Review von 1.941 Patienten ergab dabei eine Senkung der spontanen Abortrate von 41 Prozent vor der Myomentfernung auf 19 Prozent nach der Myomentfernung (Buttram VC Jr. et al., 1981).

Bei Endometriose im Stadium I und II bringt die chirurgische Entfernung von Endometrioseherden einen geringen, aber signifikanten Anstieg der Lebendgeburten. Bei Stadium III und IV ohne weitere Sterilitätsursachen gibt es keine prospektiv randomisierten Studien. In einer nichtrandomisierten Untersuchung mit 216 sterilen Endometriose-Patientinnen zeigte sich in einem Beobachtungszeitraum von zwei Jahren nach Laparoskopie oder Laparotomie signifikant erhöhte Schwangerschaftsraten von 45 und 63 Prozent (Schenken RS, J Reprod Med 1998; 43:269–75).

 

Quelle: Fortbildungstagung der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie in Linz

Von Reinhard Hofer, Ärzte Woche 7 /2010

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben