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Foto: Archiv
Doz. Dr. Walter Neunteufel Leiter der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe am Krankenhaus Dornbirn
 

„Die Jungen sind wichtig“

Die Förderung des fachlichen Nachwuchses und eine gute interdisziplinäre Zusammenarbeit sind primäre Ziele der OEGGG.

Über Themen, die bei der Jahrestagung im Juni im Mittelpunkt stehen werden, und neue Initiativen sprach die Ärzte Woche mit dem Präsidenten der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGGG).

 

Dem derzeitigen Vorsitzenden der OEGGG, Doz. Dr. Walter Neunteufel, Leiter der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe am Krankenhaus Dornbirn, liegt vor allem eine gute fachübergreifende Kooperation mit Kollegen aus dem extra- und intramuralen Bereich am Herzen, insbesondere was die Nachbetreuung von Krebspatientinnen betrifft. Außerdem sieht er in der Förderung des Nachwuchses ein primäres Ziel seiner Präsidentenschaft.

 

Welche Ziele wollen Sie als amtierender Präsident der OEGGG demnächst noch verwirklichen?

NEUNTEUFEL: Das nächste große Projekt ist die Jahrestagung unserer Gesellschaft, die kommenden Juni in Zell am See stattfinden wird. Wir wenden uns mit diesem Kongress verstärkt an die niedergelassenen Kollegen und den jungen gynäkologischen Nachwuchs. Es wird demnach mehrere Schwerpunkte geben, die sich an den Bedürfnissen dieser Zielgruppen orientieren. So werden Seminare und auch Expertensitzungen mit niedrigen Teilnehmerzahlen angeboten, die interaktiv ausgerichtet sind. Als nichtmedizinisches Hauptthema haben wir diesmal „Schönheit und Frauenheilkunde“ gewählt. Der philosophisch-ethische Festvortrag von Prof. DDDr. Clemens Sedmak wird sich dieser Frage widmen.

 

Ist dies zur Zeit ein wesentliches Thema in der Gynäkologie?

NEUNTEUFEL: Tatsächlich wird diese Thematik heute immer wieder diskutiert. Plastisch-rekonstruktive Eingriffe werden mit zunehmender Häufigkeit in der Gynäkologie durchgeführt. Wir haben als Gesellschaft dazu in den vergangenen Jahren entsprechende Positionen erarbeitet.

 

Was bietet der Kongress noch?

NEUNTEUFEL: Ein weiterer Fokus wird auf die Standespolitik gelegt, vor allem die Zukunft der Frauenärzte betreffend. Es gibt Hands-On-Trainings zur Chemotherapie, operativen Gynäkologie und Endoskopie. Dabei wird stets großer Wert auf die Praxisrelevanz der vermittelten Inhalte gelegt.

 

Es werden aber auch aktuelle Themen wie der Gestationsdiabetes aufgegriffen?

NEUNTEUFEL: Die wissenschaftlichen Hauptthemen spiegeln natürlich die aktuellen Entwicklungen in unserem Fachgebiet wider. Neben Gestationsdiabetes, für den nun im Mutter-Kind-Pass die entsprechende Untersuchung vorgesehen ist, und klassischen Themen in der Frauenheilkunde wie Kontrazeption und Tumortherapien wird auch den angrenzenden, nichtklassischen gynäkologischen Bereichen wie der Osteoporose oder dem Übergewicht Rechnung getragen. Ein Schwerpunkt widmet sich auch der HPV-Infektion, im Hinblick auf genitale Dysplasien.

 

Apropos, wie sieht es zurzeit mit der HPV-Impfung aus?

NEUNTEUFEL: Leider nichts Neues. Von unserer Seite ist es wünschenswert, dass die Immunisierungen gegen das Papillomavirus für Mädchen ins Impfprogramm übernommen werden und damit auch die Kosten.

Sind Sie zufrieden mit dem opportunistischen Screening beim Mammakarzinom?

NEUNTEUFEL: Ob nun diese Vorsorgeform gewählt wird oder das organisierte Screening, ist eine Kostenfrage und stellt damit eine politische Entscheidung dar. Unsere Aufgabe als Gesellschaft ist es, die Frauen möglichst gut über diese Möglichkeit der Vorsorge zu informieren und sie zur Teilnahme zu motivieren. Hier machen wir auch eine starke Öffentlichkeitsarbeit, die über prominent präsentierte Plakate ein entsprechendes Bewusstsein bei den Frauen schaffen soll.

 

Die Zertifizierung der Brustgesundheitszentren geht ebenfalls in diese Richtung...

NEUNTEUFEL: Über den Ausbau der Zentren soll in wenigen Jahren eine flächendeckende Versorgung in Österreich gewährleistet sein. Die EU schreibt flächendeckende Früherkennungsprogramme und zertifizierte Brustzentren mit klar definierten Qualitätskriterien vor. Diverse Fachgesellschaften haben gemeinsam mit der OEGGG diese Forderung hierzulande umgesetzt. Wobei das heimische Konzept aus zertifizierten Brustzentren und angebundenen Partnerzentren besteht. Bis 2016 sollte eine flächendeckende Versorgung aller Brustkrebspatientinnen in zertifizierten Zentren gewährleistet sein.

 

Ein Anliegen ist Ihnen die Förderung des gynäkologischen Nachwuchses. Wie gehen Sie das an?

NEUNTEUFEL: Etwa mit der Gründung der OEGGG-Akademie vor etwa zwei Jahren. Dabei geht es vor allem um eine Unterstützung der in Ausbildung befindlichen jungen Kollegen, letztlich auch als Hilfestellung zur Erlangung des Facharztdiploms. Gemeinsam mit deutschen und italienischen Senologen betreiben wir zudem die internationale EAoS (European Academy of Senology) mit Sitz in Düsseldorf, bei der österreichische Senologen sich maßgeblich beteiligen.

 

Demnach ist die weibliche Brust eindeutig eine Domäne der Gynäkologie?

NEUNTEUFEL: Die Betreuung von Frauen mit Brustkrebs ist immer interdisziplinär. Mir ist wichtig, dass wir zum Beispiel hervorragend mit den chirurgischen Kollegen zusammenarbeiten. Wir betrachten die Operation und die medikamentöse Behandlung von Frauen mit Brustkrebs als eine unserer Kernkompetenzen und können die Frauen von der Vorsorge über die Operation bis hin zur Nachbehandlung kompetent betreuen. Ein entsprechendes Qualitätsmanagement lässt sich durch die Zertifizierung von Brustgesundheitszentren bewerkstelligen. Die Behandlung von Frauen mit Brustkrebs wird gemeinsam durch Gynäkologen, Strahlentherapeuten, Nuklearmediziner, Radiologen, Internisten, Pathologen und Chirurgen durchgeführt.

 

Welche Wünsche hätten Sie noch an die Allgemeinmediziner in Hinblick auf die gynäkologische Betreuung der Patientinnen?

NEUNTEUFEL: Die Kooperation mit den niedergelassenen Kollegen und den Allgemeinmedizinern ist sehr zufriedenstellend. Ich würde mir allerdings wünschen, dass Spitäler und die praktischen Ärzte bei der Nachbetreuung von Krebspatienten besser zusammenarbeiten.

 

Das Gespräch führte Dr. Ronny Teutscher

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