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Kein Durst bei Geburt

ACOG erlaubt Frauen mit unkomplizierten Wehen und geplantem Kaiserschnitt, moderate Mengen an klarer Flüssigkeit während der Wehen zu trinken.

Ein möglicher Kaiserschnitt unter Vollnarkose war bislang der Hauptgrund, warum Frauen während der Wehen nichts trinken oder essen durften. Da sich jedoch in der Anästhesie viel verändert hat (Epiduralanästhesie, Spinalanästhesie) und feste Nahrung verboten war, starben in den letzten 60 Jahren immer weniger Frauen nach einer Aspiration des Mageninhalts.

 

Das American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG) lockert nun die Zügel: Frauen mit unkomplizierten Wehen dürfen moderate Mengen an klaren Flüssigkeiten wie Wasser, Fruchtsaft ohne Fruchtfleisch trinken. Auch kohlensäurehaltige Getränke, klarer Tee, schwarzer Kaffee und Sportgetränke sind erlaubt. Partikelhaltiges wie Suppe sollte aber gemieden werden. Auch Frauen, die unkomplizierte Schwangerschaften hatten und für die ein Kaiserschnitt geplant ist, dürfen diese Getränke bis zu zwei Stunden vor Einleitung der Anästhesie zu sich nehmen.

Als „willkommene Nachrichten für viele“ bezeichnet William Barth, Vorsitzender des ACOGs Commitee on Obstetric Practice, diese Entscheidung. Zum weiter bestehenden Essensverbot meint er: „Die Realität ist, dass Essen das Letzte ist, was die meisten Frauen während der Wehen tun wollen, zumal Übelkeit und Erbrechen während der Wehen nicht selten sind.“

Experten unterstützen die Empfehlung, dass Frauen mit geplantem Kaiserschnitt oder elektiver postpartaler Tubenligation nach vaginaler Geburt keine feste Nahrung sechs bis acht Stunden vor der Operation bekommen sollten. Schwangere, die zusätzliche Risikofaktoren für eine Aspiration haben, wie Adipositas oder Diabetes, und solche mit hohem Risiko für eine operative Geburt (Zange, Vakuum) sollten nach Möglichkeit keine Flüssigkeiten erhalten. Ärzte sollten dies von Fall zu Fall abwägen.

 

 

Quelle: ACOG Committee Opinion No. 441: Obstet Gynecol 2009; 114: 714

www.gynundgeburtshilfe.de/PH, Ärzte Woche 7 /2010

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