zur Navigation zum Inhalt
Foto: sanofi-aventis
Dr. Karina Wegleiter, MedUni Innsbruck, machte sich in ihrer Dissertation auf die Suche nach neuroprotektiven Faktoren bei Frühchen.
 
Gynäkologie und Geburtshilfe 24. November 2009

Herausragende Dissertationen

Ehrung für besondere Arbeiten und Hoffnung für Frühgeborene.

Bereits im heurigen Juni wurden in Wien im Rahmen des Wilhelm-Auerswald-Preises 2009 die besten Dissertationen des Vorjahres geehrt. Nun wollen wir – passend zum Internationalen Tag des Frühgeborenen am 17. November – noch einmal auf den ersten Platz verweisen.

 

Jährlich werden in Österreich etwa zwölf Prozent der Kinder zu früh geboren. Kommen die Frühchen mit weniger als 1.000 Gramm zur Welt, tragen sie ein erhöhtes Risiko für eine Gehirnschädigung. Neu ist diese Erkenntnis nicht, schon der begnadete deutsche Arzt Rudolf Virchow beschrieb 1867 diese Krankheit unter dem Namen „congenital encephalomyalitis“, vermutete deren Ursache allerdings in einer akuten Infektion, etwa Feuchtblattern oder Syphilis.

Die Hirnschädigung kann in unterschiedlicher Ausprägung zu lebenslangen Beeinträchtigungen wie psychomentaler Retardierung, visuellen und auditiven Störungen, Zerebralparesen sowie Aufmerksamkeits- und Lernstörungen führen. Eine Therapie gibt es bisher nicht.

Vergabe des Wilhelm Auerswald-Preises

Dr. Karina Wegleiter, Medizinische Universität Innsbruck, hat in ihrer Dissertation unter dem Titel „Hämatopoetische Wachstumsfaktoren zur Minderung des Hirnschadens bei Frühgeborenen“ eine neue Therapiestrategie entwickelt. Im Rahmen des Wilhelm-Auerswald-Preises wurde ihre Arbeit in der Gesellschaft der Ärzte in Wien mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Von insgesamt 212 eingereichten Dissertationen nahm eine unabhängige Jury unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Helmut Sinzinger von der Universitätsklinik für Nuklearmedizin, AKH Wien, 18 Arbeiten in die engere Wahl. Die Preise wurden von Sanofi-aventis gestiftet.

Wegleiter suchte nach einer neuroprotektiven, neurogenerativen Therapie, die auch mit Kinderärzten, Neurologen, Physiologen und Psychotherapeuten eine interdisziplinäre Zusammenarbeit erfordert. Ein möglicher Therapieansatz stellt die Mobilisation von Stammzellen aus dem Knochenmark dar, die in das geschädigte Areal des Gehirns einwandern und dort die Schädigung reduzieren können. Ziel der Studie ist es, herauszufinden, ob durch Stimulation und Freisetzung von Knochenstammzellen mithilfe der hämatopoetischen Wachstumsfaktoren wie Granulozyten-Kolonie stimulierender Faktor G-CSF, Stammzellfaktor (SCF) und Flt3-Ligand (FL) ein allfälliger Hirnschaden reduziert werden kann. Der Stammzellfaktor SCF wird bereits in klinischen Studien Phase I/II bei erwachsenen Schlaganfallpatienten getestet. Die Ergebnisse zeigen bei Frühgeborenen zwar keinen eindeutigen reduzierenden Effekt auf das Ausmaß der Schädigung, dennoch führt die Wachstumsfaktorengabe zu einer Zunahme der Zellzahl in Gehirnregionen, die vor allem für Gedächtnis und Lernen zuständig sind. Weitere Untersuchungen in Bezug auf die zugrunde liegenden Mechanismen werden derzeit an einem moderaten Schädigungsmodell von der Arbeitsgruppe Neonatale Neurologie der Medizinischen Universität Innsbruck durchgeführt.

Von Dr. Gerta Niebauer, Ärzte Woche 48 /2009

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben