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Rätsel um hohen Folsäurebedarf gelöst

Sie haben es schwerer, überhaupt schwanger zu werden, und sind dann für Komplikationen wie Fehl- oder Frühgeburten besonders gefährdet. Frauen, die von diesen Problemen betroffen sind, haben einen höheren Bedarf an Folsäure.

Bisher galt die Überzeugung, dass eine Unterversorgung mit diesem Vitamin durch die Ernährung kommt. Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse scheinen jetzt jedoch eine andere Ursache für den folgenschweren Mehrbedarf gefunden zu haben.

Eine Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Christian Thaler (Leiter des Hormon- und Kinderwunschzentrums an der Frauenklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München-Großhadern) und der Molekularbiologe Prof. Dr. Peter Lohse haben jetzt entdeckt, dass eine Mutation auf einem bestimmten Gen für diesen Mehrbedarf verantwortlich ist.

Es handelt sich dabei um ein Gen der MTHFR (Methylentetrahydrofolat-Reduktase). Bei Frauen mit dieser Genveränderung arbeiten die Eierstöcke nicht optimal. Um ihre Aufgaben erfüllen zu können, brauchen sie mehr Folsäure als normal, sollten also eine entsprechende Vitaminbehandlung durchführen.

Übrigens tritt diese genetische Veränderung bei jedem zweiten Mitteleuropäer auf. Der dadurch erhöhte Folsäure-Mehrbedarf kann jedoch nicht nur Folgen für Frauen haben. Wird dieser Mehrbedarf nicht gedeckt, besteht ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen – und das betrifft sowohl Frauen als auch Männer.

  • Herr Doctor Nabil Deeb, 31.01.2010 um 12:26:

    „Gleichgewicht zwischen Vitamin B12 und Folsäure in der Schwangerschaft.
    Equilibrium between vitamin B12 and folic acid in pregnancy.
    Équilibre entre la vitamine B12 et acide folique pendant la grossesse.

    Nabil DEEB
    Arzt – Physician – Doctor
    PMI-Registered Doctors'Association
    53140 Bonn / GERMANY

    Folsäure :-
    Folsäure (= Pteroyl-Glutaminsäure) ist ein lebenswichtiges Vitamin, ohne das keine Zellteilung möglich ist. Sie gehört zu den B-Vitaminen und ist wasserlöslich und thermisch instabil. In der Nahrung liegt rund die Hälfte der Folsäure als Polymer (Polyglutamate) vor.
    Folsäure ist ein wasserlösliches Vitamin und gehört zu der Gruppe der B-Vitamine. Ein Großteil der deutschen Bevölkerung nimmt mit der Nahrung weniger Folate als empfohlen auf. Eine ausreichende Aufnahme ist nicht nur zur Verhütung eines Mangels notwendig, sondern auch zur Krankheitsprävention wünschenswert. So haben zahlreiche Studien der letzten 20 Jahren gezeigt, dass die Folsäureeinnahme vor und während der Schwangerschaft das Auftreten von angeborenen Fehlbildungen vermindern kann. Durch umfangreiche Interventionsstudien wurde hierbei die Risikoreduktion für das Auftreten von Neuralrohrdefekten ( = NRD ) durch eine perikonzeptionelle Folsäuresupplementation gesichert. Daraufhin wurde in verschiedenen Ländern, wie in den USA, Kanada, Chile und Ungarn eine Anreicherung von Grundnahrungsmitteln gesetzlich festgelegt. Da es in Deutschland keine vergleichbare gesetzliche Regelung gibt, sind Frauen im gebärfähigen Alter für die individuelle Prophylaxe auf folsäurehaltige Supplemente angewiesen.
    Ab wann und wie lange sollte Folsäure eingenommen werden?
    NRD treten zwischen dem 20. und dem 28. Tag nach der Empfängnis auf. Zu diesem Zeitpunkt sind sich viele Frauen noch gar nicht bewusst, dass sie schwanger sind. Eine Folsäureeinnahme erst nach einem positiven Schwangerschaftstest käme also zu spät. Deshalb sollte Folsäure schon mindestens vier Wochen vor einer geplanten Schwangerschaft eingenommen werden. Da eine Schwangerschaft auch heute noch sehr häufig unbeabsichtigt oder nicht genau geplant eintritt, sollten alle Frauen im gebärfähigen Alter auf eine genügende Folsäurezufuhr achten.
    Da der Folsäurebedarf einer Frau während der Schwangerschaft erhöht ist, ist es durchaus sinnvoll auch nach der 6. Woche weiterhin Folsäuretabletten einzunehmen.
    Aus demselben Grund ist Folsäure vor allem aber für die Entwicklung des Embryos in der Frühschwangerschaft von Bedeutung .
    Internationale Studien belegen, dass eine ausreichende Folsäureversorgung in der Frühschwangerschaft das Risiko von so genannten Neuralrohrdefekten bei Neugeborenen mit der Folge schwerer angeborener Fehlbildungen des Kindes verringern kann, wie zum Beispiel von Spina-bifida-Erkrankungen. Danach könnte die Häufigkeit angeborener Neuralrohrdefekte (ca. 1,5/1000 Schwangerschaften) um etwa 70-75 % gesenkt und in gleichem Maße Schwangerschaftsabbrüche aufgrund pränatal diagnostizierter Neuralrohrdefekte vermieden werden. In Deutschland werden jedes Jahr vermutlich zwischen 470 und 800 Kinder mit Neuralrohrdefekten geboren.
    Empfehlungen zur Ergänzung der Folsäurezufuhr bei Frauen mit geplanter oder möglicher Schwangerschaft bestehen in mehreren Ländern seit Anfang der 90er Jahre, in Deutschland seit 1995.
    Vom BfR und den oben genannten Fachgesellschaften wird eine zusätzliche Zufuhr von 400 µg Folsäure pro Tag zu den in der Nahrung vorhandenen Folaten empfohlen, die nur über geeignete Folsäurepräparate (Supplemente) erfolgen kann. Diese Supplementierung sollte spätestens vier Wochen vor Beginn der Schwangerschaft beginnen und während der ersten drei Schwangerschaftsmonate beibehalten werden.
    Die Folsäurezufuhr soll nach Empfehlung der oben genannten Fachgesellschaften bei vorausgegangener Schwangerschaft mit Neuralrohrfehlbildung auf 4 mg pro Tag erhöht werden.
    Verschiedene Studien weisen darauf hin, dass durch eine perikonzeptionelle Folsäuresupplementierung möglicherweise auch das Risiko für andere Fehlbildungen und Erkrankungen wie für Lippen-, Kiefer- und Gaumenspalten, für angeborene Herzfehler, für Harnwegsinfektionen oder das Risiko einer akuten lymphoblastischen Leukämie des Kindes reduziert werden kann.
    Niedrige Serum-Folsäure-Werte korrelieren u. a. auch mit erhöhten Werten für Homocystein. Ein erhöhter Homocysteinspiegel gilt als anerkannter Risikofaktor für Arteriosklerose und erhöht somit das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall.
    Auf Grund der Ergebnisse einer holländischen Studie mit 269 Thrombosepatienten und gleicher Anzahl gesunder Kontrollen wird vermutet, dass erhöhte Homocysteinspiegel auch einen Risikofaktor für venöse oder arterielle Thrombosen darstellen.
    Als Ursachen für eine erhöhte Homocysteinkonzentration im Blut werden vor allem Enzym-Defekte beim Abbau von Homocystein sowie eine Unterversorgung mit den am Homocystein-Stoffwechsel beteiligten Vitaminen diskutiert.Verschiedene Studien belegen eine signifikante Reduktion der Homocysteinspiegel durch eine erhöhte Zufuhr von Folsäure zusammen mit den Vitaminen B6 und B12, die als Coenzyme die Verstoffwechslung von Homocystein beschleunigen und damit zu einer Absenkung des Homocysteinspiegels führen.

    Folsäure und Vitamin B 12 :-
    Folsäure und Vitamin B 12 sind in ihrer Wirkungsweise miteinander verkoppelt. Beide sind verantwortlich für die DNA-Synthese. Defizite führen zu einer makrozytären (megaloblastären) Anämie durch Reifungs-
    verzögerung des Zellkerns. Folsäure (FS) ist in ihrer Wirkung
    auf die Methylierung von Homocystein und von DNA/RNA unabdingbar auf ein genügendes Vorhandensein von Vitamin B 12. (B 12 ) als

    Coenzym angewiesen , anders ausgedrückt:-
    „ Bei erhöhter FS-Zufuhr stellt der B 12-Gehalt unter Umständen den limitierenden Engpass für die angestrebte FS-Wirkung dar. „
    Andererseits kann FS die Konsequenzen eines B 12-Mangels partiell reparieren: Eine perniziöse Anämie ist durch FS heilbar, nicht aber die neurologische Symptomatik des defizitären B 12. Und ausserdem sind FS- und B 12 -Mangel unabhängige Risikofaktoren für die Entstehung eines NRD.
    Warum wird bei der Verhütung embryonaler Fehlbildungen immer nur von Folsäure und nicht von B 12 gesprochen? Wohl deshalb, weil bei jungen Menschen ein echtes B 12 -Defizit etwassehr Seltenes ist. Nur die wenigen Fälle mit einer echten Perniziosa infolge Fehlens des Intrinsic Factor sowie Patientinnen mit postoperativem Kurzdarmsyndrom oder strenge Veganerinnen würden – wenn nicht behandelt – in diese Kategorie fallen. Aber so einfach sind die Realitäten nicht.

    Folsäure / Vitamin B12 und Fehlbildungen :-
    Obwohl feststeht, dass mit einer zusätzlichen Zufuhr von FS zu Beginn einer Gravidität die Inzidenz von NRD (Spina bifida und Anenzephalie) markant gesenkt werden kann, sind die näheren Umstände dieser Wirkung, die Pathomechanismen, nicht geklärt.

    Literatur beim Verfasser

    Mit freundlichen kollegialen Grüßen

    Ihr
    Nabil DEEB
    Arzt – Physician – Doctor
    PMI-Ärzteverein e.V.
    Palästinamedico International Ärzteverein – ( P M I ) e.V.
    Department of Medical Research
    Département de la recherche médicale
    P.O. Box 20 10 53
    53140 Bonn – Bad Godesberg / GERMANY
    &
    Nabil DEEB
    Arzt – Physician – Doctor
    PMI-Ärzteverein e.V.
    Palästinamedico International Ärzteverein – ( P M I ) e.V.
    Department of Medical Research
    Département de la recherche médicale
    P.O. Box 10 01 35
    53439 Bad Neuenahr / GERMANY
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