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Foto: Buenos Dias/photos.com
Familienanamnese und Hormonersatz sind voneinander unabhängige Risikofaktoren.
 

Brustkrebsrisiko durch Hormonersatz für alle gleich

Mit oder ohne familiäre  Disposition: Die Gefahr bleibt 

Egal, ob Mutter oder Schwester Brustkrebs hatten: Das Risiko, ein Mammakarzinom aufgrund einer Hormonersatztherapie (HRT) zu entwickeln, scheint für Frauen mit und ohne positive Familienanamnese gleich hoch zu sein.

 

Mancher Experte vertritt die Ansicht, dass eine familiäre Prädisposition für Brustkrebs die karzinogenen Effekte von Östrogen verstärkt. Forscher vom University of Rochester Medicinal Center nahmen diesen Zusammenhang jetzt genauer unter die Lupe.

„Obwohl wir wissen, dass die Familienanamnese ein Risikofaktor ist, wissen wir bislang nicht, was genau an der Familienanamnese das Risiko erhöht“, erläutert Dr. Robert Gramling. „Einige meinen, es könnte eine erhöhte Sensitivität auf Östrogen sein – aber unsere Daten stützen diese Ansicht nicht.“ Vielmehr legen die Untersuchungen der Forscher nahe, dass die Ursache nicht in der Östrogensensitivität liegt.

Die Längsschnitt-Studie prüfte die Daten von 16.608 postmenopausalen Frauen im Alter von 50 bis 79 Jahren, die zwischen 1993 und 2002 in die WHI-Studie (Women‘s Health Initiative randomized trial) eingeschrieben waren. Die Teilnehmerinnen hatten entweder eine HRT (Östrogen plus Progesteron) oder ein Placebo erhalten. Während der durchschnittlichen Follow-up-Periode von 5,6 Jahren traten 349 Fälle von invasivem Brustkrebs auf. Gramling teilte die Daten in Untergruppen ein und untersuchte den direkten Zusammenhang zwischen den Einflüssen, welche die beiden Risikofaktoren HRT und positive Familienanamnese ersten Grades auf das Brustkrebsrisiko hatten. Doch die Ergebnisse zeigten nur einen geringfügigen Grad an Interaktion: So betrug die Risikodifferenz für invasiven HRT-bedingten Brustkrebs bei Frauen mit positiver Familienanamnese 0,007 und bei den anderen Frauen 0,005 – also einen relativ geringen Interaktionskontrast von nur 0,002. Auch beschränkt auf Östrogenrezeptor-positive invasive Brusttumoren war der Interaktionskontrast sehr klein.

Die Studienautoren folgern, dass Familienanamnese und HRT unabhängige und nicht interagierende Effekte auf invasiven Brustkrebs haben – zumindest bei den Teilnehmerinnen der WHI-Studie. „Die Entscheidung, eine HRT anzuwenden, ist für viele Frauen schwer – selbst wenn sie nur über einen kurzen Zeitraum gehen soll“, meint Gramling. Er hofft, dass diese Studienergebnisse postmenopausalen Frauen und deren Ärzten weitere Anhaltspunkte geben, wenn sie die Risiken gegen die Vorteile einer HRT abwägen.

 

Quelle: Gramling R et al. Epidemiology 2009; 20(5):752-6

Gynäkologie&Geburtshilfe, Ärzte Woche 30 /2009

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