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Nach dem Wechsel wird alles wieder gut

Prof. Dr. Lukas Hefler erklärt im Interview mit der Ärzte Woche, wann gutartige Tumoren des Uterus behandelt werden sollten und welche chirurgischen und pharmazeutischen Verfahren derzeit verfügbar sind.

Myome sind die häufigsten gutartigen, soliden Tumoren des weiblichen Genitaltrakts im reproduktiven Alter. Es handelt sich um hormonabhängige Tumoren, deren Inzidenz mit zunehmendem Alter steigt. Ein großer Teil der Myome sind asymptomatisch, während Myome andererseits häufig Verdrängungsbeschwerden oder Blutungsstörungen verursachen.
Myome können einzeln vorkommen (solitäre Myome), oft aber sind sie in größerer Zahl in der Gebärmutter verteilt (Uterus myomatosus). Je älter die Patientinnen werden, umso dringender wird die Frage des Kinderwunsches bei bekanntem Uterus myomatosus. Freilich besteht aber auch bei Frauen mit abgeschlossener Familienplanung und myombedingten Beschwerden der Wunsch nach Erhalt der Gebärmutter.
A.o.Prof. Dr. Lukas Hefler, Oberarzt an der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe der Universitätsklinik für Frauenheilkunde in Wien, mit Ordinationen an der Privatklinik Döbling und in Eisenstadt, erklärt, warum junge Frauen eher keine Myome haben und das Risiko, welche zu entwickeln, ab dem 30. Lebensjahr signifikant ansteigt.

Wie häufig sind Uterusmyome?
HEFLER: Dazu gibt es keine exakten Angaben, denn Myome
verursachen oftmals keine Beschwerden und die Diagnose erfolgt häufig aufgrund eines Zufallsbefundes bei einer Gebärmutterentfernung. In ungefähr 80 Prozent aller chirurgisch entfernten Uteri sind Myome nachzuweisen. Klinische Symptome entwickeln circa 25 Prozent aller Frauen im reproduktiven Alter.

In welchem Lebensalter treten Uterusmyome vor allem auf?
HEFLER: Kinder und junge Frauen haben keine Myome. Ab dem 30. Lebensjahr wird dieser gutartige Tumor des Muskelgewebes häufiger. Da das Wachstum von Myomen hormonell beeinflusst ist, entstehen nach der Menopause in der Regel keine neuen mehr, und bereits vorhandene hören auf zu wachsen. Manchmal schrumpfen sie sogar und verkalken. Zur Frage, ob Myome in der Schwangerschaft vermehrt wachsen, sind die Meinungen kontrovers.

Welche typischen Symptome verursachen Myome?
HEFLER: Die Krankheitszeichen sind abhängig von Größe und Lage des Tumors. Die Geschwulst kann subserös wachsen, also an der Außenseite der Gebärmutter, intramural oder submukös, also in den Uterus hinein. Frauen mit submukösen Myomen kommen oft mit Blutungsstörungen zum Gynäkologen. Submuköse Myome können die Einnistung der befruchteten Einzelle in der Gebärmutterschleimhaut stören, sodass Infertilität, aber auch wiederholte Aborte Hinweis auf diese Geschwulst sein können. Bei größeren Tumoren treten dann Symptome auf, die eine Folge des Drucks auf benachbarte Organe sind. Das können Unterbauchschmerzen, Obstipation und Probleme beim Urinieren sein.

Wann sollte eine Behandlung erfolgen?
HEFLER: Eine Therapie ist erst bei klinischen Symptomen indiziert. Wenn die Familienplanung abgeschlossen ist und Blutungsstörungen das Hauptproblem sind, kann ein konservativer Behandlungsversuch mit der Pille unternommen werden. Für Frauen, die wenige Jahre vor dem Wechsel stehen, kann speziell die Hormonspirale, deren Wirkung bis zu fünf Jahre anhält, durchaus empfehlenswert sein. Denn nach der Menopause löst sich das Problem oft von selbst.

In welchen Fällen ist ein chirurgischer Eingriff ratsam?
HEFLER: Zunächst muss zwischen organerhaltenden Eingriffen und der Hysterektomie unterschieden werden. Wenn ein Kinderwunsch besteht und das Myom eine Schwangerschaft verhindert oder erschwert, kann eine organerhaltende Operation ratsam sein. Weiters ist eine chirurgische Intervention oft unumgänglich, sofern Druckbeschwerden bestehen.

Besteht nicht auch ein hohes Risiko, dass aus Uterusmyomen bösartige Tumoren entstehen?
HEFLER: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Sarkom auftritt, beträgt vor der Menopause weniger als ein halbes Prozent. Nach dem Wechsel steigt dieses Risiko auf ein bis zwei Prozent. Dann ist ein chirurgischer Eingriff eher zu rechtfertigen.

Welche chirurgischen Techniken sind gebräuchlich?
HEFLER: Je nachdem, ob die Myome in den Uterus oder in den Bauchraum hinein wachsen, können sie minimal-invasiv im Rahmen einer Gebärmutterspiegelung oder laparoskopisch entfernt werden. Wenn sehr viele oder sehr große Myome operiert werden sollen, ist eine Laparotomie anzuraten.

Was ist vor und nach einer Operation zu beachten?
HEFLER: Zur Operationsvorbereitung können GnRH-Analoga eingesetzt werden, um die Myomgröße zu reduzieren oder eine Anämie zu beheben. Nach der Operation besteht bei den organerhaltenden Methoden immer die Möglichkeit, dass sich wieder neue Myome bilden. Die Wahrscheinlichkeit dafür hängt jeweils von der Operationstechnik ab und kann bis zu 20 Prozent betragen. Bei einer späteren Schwangerschaft kann es auch zu einer Uterusruptur kommen, sodass dann oftmals eine primäre Sectio angeraten wird.

Welchen Stellenwert hat im Rahmen der Myombehandlung heute die Hysterektomie?
HEFLER: Sie ist und bleibt das einzige Verfahren, um bei behandlungsbedürftigen Uterusmyomen das Problem vollständig zu beheben. Allerdings kommt die Hysterektomie heute wesentlich seltener zum Einsatz als noch vor etlichen Jahren.

Die radiologische Embolisation ist ein neuer Behandlungsansatz. Wann ist sie anzuwenden?
HEFLER: Die Myomembolisation kann in Ausnahmefällen zur Therapie von Myomen eingesetzt werden, wenn ein Erhalt der Gebärmutter gewünscht wird. Sie ist eine interessante Alternative zu den operativen Methoden, jedoch keine Standardmethode. Dazu fehlen noch die längerfristigen Beobachtungsstudien.

Wie funktioniert diese Therapie?
HEFLER: Über einen arteriellen Zugang am Oberschenkel wird ein Katheter in die Arteria uterina vorgeschoben. Anschließend werden beide Äste der Arterie mit kleinen Kunststoffkügelchen teilverschlossen und die Blutversorgung unterbrochen. Das verursacht die Nekrose des Myoms.

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