zur Navigation zum Inhalt
 
Dermatologie 10. September 2008

Häufige Veränderungen und Krankheiten des Nagels

Von Dr. Oliver M. Mainusch, Velbert

Der Nagel dient dem Feingefühl, dem Schutz und an den Fingern durch sein kosmetisches Aussehen den sozialen Interaktionen. Ohne einen normalen Nagelapparat wären viele Funktionen der Zehen und besonders der Finger gestört. Normvariationen, Veränderungen und Krankheiten an den Nägeln sind in der klinischen Praxis häufig zu beobachten. Ihre Diagnostik hilft, Hinweise auf Erkrankungen anderer Organe, Infektionen, Allergien und Syndromen zu geben. Oftmals sind sie auch Vorboten oder Teilsymptome von Hauterkrankungen.

Anatomie und Physiologie

Der Nagelapparat ist ein komplexes Gebilde, das aus vier verschiedenen epithelialen Strukturen, periungualem Bindegewebe und der Endphalanx der Finger/Zehen besteht. Treten Störungen nur einer dieser Komponenten auf, führen diese zu Veränderungen der Nagelform und/oder qualität.
Der Ursprung des Nagels wird von der Nagelmatrix gebildet. Sie erstreckt sich von einer im proximalen Nagelwall liegenden Tasche bis zur Lunula. Weiter nach distal schließt sich an die Matrix das Nagelbett an. Es besteht aus einer spezialisierten Koriumschicht, die die an ihrer Unterseite mit Längsleisten versehene Nagelplatte fest haftend aufnimmt. Der Abschluss des Nagels wird durch das Hyponychium gebildet, der epidermalen Verbindung zwischen Nagel und Finger/Zehenbeere. Darüber hinaus wächst nur noch der freie Rand der Nagelplatte.
Zu den Seiten wird der Nagel durch die lateralen Nagelwälle eingebettet. Lateraler und proximaler Nagelwall zusammen werden als Peronychium bezeichnet. Das am proximalen Nagelwall liegende, an der Nagelpatte locker aufliegende epidermale Häutchen nennt sich Kutikula. Sie dient zusätzlich dem Schutz der Nagelmatrix. Der Raum zwischen Nagelmatrix und der Endphalanx beträgt weniger als einen Millimeter und nimmt nach distal nur leicht bis auf 2–3 Millimeter zu. Die Endphalanx ist somit von entscheidender Bedeutung für die Form des Nagels (Abb. 1, 2, 3).
Die Nageloberfläche ist physiologischerweise glatt und durch die durchscheinenden Kapillaren von zartrosa Farbe. Eine Ausnahme macht nur die halbmondförmige Lunula. Sie erscheint weiß, was möglicherweise an der verstärkten mitotischen Gewebsaktivität liegt. Fläche und Stärke der Nagelplatte schwanken von Hand zu Hand, sind alters und tätigkeitsabhängig sehr individuell. Das Nagelwachstum unterliegt ebenfalls individuellen Einflüssen. Mit zirka 0,1 Millimeter pro Tag an der dominanten Hand ist es 2 bis 3mal schneller als an den Zehennägeln.

Anomalien der Nagelform

Im Folgenden werden häufige Nagelveränderungen dargestellt, die durch Normabweichungen von Krümmung, Profil oder Dicke der Nagelplatte in Erscheinung treten.

Uhrglasnägel (Trommelschlegelfinger)

Die distal aufgetriebenen Finger mit den typischen Uhrglasnägeln sind klinisch sehr auffällig (Abb. 4). Vier Gruppen von Uhrglasnägeln werden unterschieden:

  • der einfache Typ,
  • Uhrglasnägel bei hypertropher pulmonaler Osteoarthropathie,
  • Uhrglasnägel bei Pachydermoperiostose und
  • Uhrglasnägel beim Syndrom des Muschelschalennagels.
  • Der einfache Typ ist der häufigste und zeichnet sich durch seine verstärkte Nagelwölbung mit einer quer verlaufenden Furche aus. Die Entstehung ist in der Regel schmerzlos. Es besteht eine Hypertrophie der Weichteile der Fingerbeere durch eine feste, elastische ödematöse Schwellung der Pulpa. Weiterhin findet sich eine Hyperplasie des dermalen fibrovaskulären Gewebes unter möglicher Mitbeteiligung der angrenzenden Matrix. Sie ist Ursache einer abnormen Beweglichkeit der Nagelbasis. Es erscheint der Eindruck, der Nagel liege auf einem Kissen. Bei bis zu 60 Prozent der Patienten besteht eine umschriebene Zyanose.
    Bei Entstehung der Uhrglasnägel kann zunächst nur ein Finger einer Hand betroffen sein. Am Ende sind immer alle Finger betroffen. Eine Ausnahme stellen obstruktive Gefäßerkrankungen oder Ödeme der Weichteile dar. Zur Feststellung des Schweregrades kann eine Profilzeichnung nach Lovibond erfolgen. Sie beschreibt den Winkel zwischen gewölbter Nagelplatte und proximalem Nagelwall. Im Normalfall beträgt dieser Winkel 160°, beim Uhrglasnagel werden 180° meist überschritten. Radiologische Veränderungen kommen nur selten vor. Der pathologische Prozess ist eine Hypervaskularisierung durch Öffnung zahlreicher Anastomosen. Bei Trommelschlegelfingern kann das Nagelbett um zwei Millimeter verdickt sein. Sowohl angeborene wie auch familiäre Uhrglasnägel wurden beobachtet.
    Eine Therapie ist nicht bekannt, ein Fortbestand der Nagelveränderung nach Behandlung des Grundleidens ist beschrieben.

    Koilonychie (Löffelnägel)

    Das Gegenteil der Uhrglasnägel ist die Koilonychie. Da der Nagel durch vertikale Bindegewebsbündel im Subungualbereich fest mit dem Knochen verbunden ist, wird die Form der Endphalanx durch die Nagelplatte reflektiert (Abb. 5).
    Zu Beginn der Koilonychie besteht eine Abflachung der Nagelplatte. Später kommt es zum Aufwerfen der Ränder und somit zur typischen Löffelform. Bei Neugeborenen kann die Koilonychie ein temporärer Zustand sein. In der Literatur wird aber auch der Zusammenhang zu einem Eisenmangel bei Säuglingen beschrieben. Die Koilonychie ist ein häufiges Zeichen des PlummerVinsonSyndroms. Bei subungualen Keratosen sollte auch an eine Psoriasis gedacht werden. Über durch Mangelerkrankungen, Avitaminosen, Infektionen und arzneimittelnduzierte Koilonychie wurde berichtet. Berufliche Ursachen wie Zement und Ölarbeiten sind vermutlich aber die häufigsten Ursachen einer Koilonychie.
    Die Therapie liegt bei den erworbenen Formen in der Behandlung des Grundleidens oder Meiden der auslösenden Faktoren.

    Pincer Nail (Röhren, Zangennagel)

    Der Röhren oder Zangennagel ist durch eine starke Querwölbung der Nagelplatte charakterisiert. Die Wölbung nimmt in der longitudinalen Achse zu und ist meist am distalen Rand am stärksten ausgeprägt. Hier wird das Weichteilgewebe regelrecht in die Zange genommen (Abb. 6). Bleibt die Wölbung über der gesamten Nagelplatte gleich, spricht man von einem Trompetennagel. An der Endphalanx kann es durch die Zugkräfte des extrem gewölbten Nagels zur Entstehung eines kleinen Traktionsosteophyten kommen. Im Extremfall können sich die Nagelränder berühren und eine Röhre bilden.
    Die Veränderungen sind je nach Ausprägung mit starken Schmerzen und Entzündungen verbunden. Besonders betroffen sind die Großzehennägel, die ein Laufen in festem Schuhwerk unmöglich machen.
    Die Ursache ist unbekannt. Selten wurden Spontanheilungen beschrieben. Therapeutisch hilft oft nur die Operation, die das fälschlicherweise Entfernen der Nagelplatte verhindern kann.

    Brachyonychie (Rackettnagel, kurze Nägel)

    Nagelbett und somit auch Nagelplatte sind bei dieser Veränderung breiter als lang. Sie kann isoliert oder zusammen mit einer Verkürzung und basalen Verbreiterung der Endphalanx vorkommen (Abb. 7 a, b). Eine autosomal dominante Vererbung des Rackettdaumens ist bekannt. Auch bei Syndromen wie dem RubinsteinTaybiSyndrom ist die Brachyonychie angeboren vorhanden. Erworbene Formen finden sich bei Nagelkauern, Hyperparathyreoidismus und psoriatischer Arthropathie. Eine operative Korrektur ist möglich.

    Papageienschnabelnägel

    Den Namen hat diese Nagelveränderung der symmetrischen Hyperkurvatur des freien Nagelrandes zu verdanken, die einem Papageienschnabel ähnelt (Abb. 8). Das Fingerendglied ist normal gestaltet. Zu einem vorübergehenden Verschwinden dieser Veränderung kommt es, wenn die Nägel längere Zeit in lauwarmem Wasser gebadet werden. Im Allgemeinen sind Papageienschnabelnägel nur selten zu beobachten, da die Patienten sie oft recht kurz schneiden. Eine Therapie ist nicht bekannt.

    Anonychie und Nagelatrophie

    Grundsätzlich sollten diese Begriffe getrennt werden. Von Anonychie (total oder partiell) wird gesprochen, wenn sich der Nagel erst gar nicht entwickeln konnte. So bildet sich bei der aplastischen Anonychie, die gelegentlich mit anderen Defekten wie der Ektrodaktylie assoziiert ist, nie ein Nagel. Bei der Nagelatrophie war bereits einmal ein vollständiger Nagel gewachsen, der sich krankheitsbedingt (Lichen ruber, Onychomykose) zurückgebildet hat (Abb. 9).

    Veränderungen der Nageloberfläche

    Variationen im Relief der Nageloberfläche sind die vielfältigsten pathologischen Veränderungen des Nagels. Nach Alkiewicz und Pfister werden Grübchen, Dellen, Usuren, Kerben, Querfurchen, Hohlkehlen, Spalten, Längs und Perlrillen sowie Defekte nach Blasen oder Pusteln unterschieden.

    Stumpfe und Glanznägel

    Erkrankungen wie atopisches Ekzem oder chronische Erythrodermie, die zu einem Scheuern oder Kratzen des Nagels führen, lassen die Nageloberfläche glänzen oder stumpf erscheinen. Der freie Nagelrand ist meist stark abgenutzt. Derartige Veränderungen sind auch bei verschiedenen Berufsgruppen zu finden. Usuren der Nagelplatte stellen ein besonderes Berufsrisiko bei Arbeitern, die mit schweren Plastiksäcken umgehen, dar.

    Longitudinale Rillen

    Längs über die Nagelplatte verlaufende Rillen weisen auf lange bestehende Anomalien hin. Ein physiologisches Vorkommen von feinen, flachen, parallel verlaufenden Furchen, die von vorspringenden Leisten getrennt werden, findet sich im Alter. Mitunter kann eine Verbesserung durch Massage des Nagelwalls und Einreiben der Nagelplatte mit Olivenöl erzielt werden.
    Bei Erkrankungen wie Lichen planus, rheumatoider Arthritis, peripheren Durchblutungsstörungen und Dyskeratosis follicularis (Morbus Darier) sind derartige Veränderungen auch zu finden.
    Bei der Onychorrhexis (Abb. 10) handelt es sich um eine Reihe schmaler longitudinaler, parallel verlaufender Furchen, die längsfasrig aufgesplittert sind. Sie wirken wie mit einer Nadel aufgekratzt. Erfolgreiche Behandlungen mit Triamcinolonacetonid 0,5 %, appliziert in den Nagelwall, wurden von Abell und Samann beschrieben.

    Myxoide Pseudozysten (Dorsalzysten; Abb. 11), Warzen und Tumore können durch den Druck ihrer Raumforderung auf die Matrix zu langen tiefen, teils auch breiten Rillen (Kanälen) führen. Die operative Entfernung der Raumforderung führt zu einer Behebung der Veränderung.
    Eine seltenere Veränderung ist die Dystrophia mediana canaliformis mit einem Defekt in der Mitte des Daumennagels, der an der Kutikula beginnt und nach distal zum freien Nagelrand hin vorwächst. Die mediale Nageldystrophie betrifft meist beide Daumen, seltener sind Finger und Zehen betroffen. Die Ätiologie ist nicht geklärt. Traumatisierung als Ursache wird vermutet. Familiäres Auftreten ist beschrieben. Von Fällen spontaner Heilung wurde berichtet, ebenso traten Rezidive auf. Die Behandlung gleicht der von Patienten mit tickartigem Zurückschieben der Kutikula.

    Quer verlaufende Linien

    Sicherlich sind die häufigsten quer verlaufenden streifenförmigen Einsenkungen, die von einer Nagelseite zur anderen verlaufen die BeauReilQuerfurchen. Sie betreffen alle Finger einer Hand in unterschiedlicher Ausprägung. Sie können nach jeder schweren fiebrigen Erkrankung oder traumatischen Verletzung einer Extremität auftreten. An Daumen oder Großzehennagel kann man zudem zuverlässig ablesen, wie lange das Ereignis zurückliegt. Der Daumennagel speichert diese Informationen bis zu einem halben Jahr, am Großzehennagel reichen die Informationen je nach Wachstumsgeschwindigkeit bis zu zwei Jahren zurück. Die Breite der Furche gibt auch die Dauer der die Matrix schädigenden Einwirkung wider. Sollte die schädigende Einwirkung länger als zwei Wochen dauern, so kann es zu einem proximalen Ablösen des Nagels, was als Onychomadesis (Abb. 12) bezeichnet wird, kommen. Der Nagel bleibt bis zum vollständigen Herauswachsen fest am Nagelbett haften.
    BeauReilFurchen finden sich bei viralen Infekten, z. B. Masern, Zinkmangel, StevensJohnson und LyellSyndrom, Zytostatikatherapie wie auch unspezifischen Ereignissen. Bei der Psoriasis kommen noch Grübchen hinzu. Physiologisch treten sie bei Säuglingen in der 8. bis 9. Woche und beim Menstruationszyklus auf. Unilaterales Auftreten spricht für Traumen, Karpaltunnelsyndrom, chronische Paronychie oder Ekzem. Folgt eine große Anzahl solcher Furchen in dichten Abständen, spricht das für Maniküreschaden.
    Bei einem nervösen Tick können ein bis zwie Finger, meist Daumen oder Zeigefinger, betroffen sein. Eine Therapie ist bei Infektionen nicht erforderlich, sonst liegt sie in der Behandlung des Grundleidens.
    Bei Maniküreschäden oder einem Tick gestaltet sie sich wegen mangelnder Einsicht meist schwieriger.

    Onychia punctata, Grübchen

    Eine wellige Nageloberfläche und Grübchen werden als Onychia punctata bezeichnet. Als Synonym werden auch Erosionen und RosenauDepression verwandt. Derartige Veränderungen entstehen aufgrund fehlerhafter Nagelbildung in der proximalen Nagelmatrix. Größe und Tiefe der Einsenkung werden hierbei von der Matrixbeteiligung bestimmt, die Länge ähnlich der Querfurchen durch die Dauer.
    Durch diese Tatsache können Größe, Länge und Tiefe stark variieren. Auch ihre Anordnung variiert (Abb. 13). So können sie longitudinal, quer oder sandpapierartig über der gesamten Nagelplatte verteilt sein. Regelmäßig angeordnete Grübchen können sich zu Wülsten oder Wellen formieren. Das gelegentliche Auftreten von Grübchen ist physiologisch, tiefe Grübchen sind Zeichen einer Psoriasis. Sind sie flach, können sie Zeichen einer Alopecia areata, eines Ekzems oder berufsbedingt sein. Eine Therapie ist nicht bekannt. Besonders ästhetisch störende Grübchen können mit Schleif und Polierkissen geglättet werden.

    Trachyonychie, raue Nägel

    Sie gehen meist mit einen Verlust der Nageltransparenz einher. Der Nagel ist spröde bis brüchig und splittert am freien Nagelrand (Abb. 14). Die Ursachen sind vielfältig, sie können berufsbedingt auftreten, idiopathisch, kongenital oder erworben sein. Die Trachyonychie kann aber auch Vorbote zahlreicher Dermatosen sein, selbst wenn diese klinisch noch nicht in Erscheinung getreten sind. So finden wir eine Trachyonychie beim Lichen ruber, der Psoriasis und der Alopecia areata.
    Bei der 20NagelDystrophie der Kindheit besteht an allen Nägeln eine übermäßige Längsriffelung, die zum Verlust der Nagelplattentransparenz führt. Der Beginn dieser Veränderung liegt in der Kindheit, sie verliert sich mit zunehmendem Alter. Bei der sogenannten 20NagelDystrophie sind sowohl Kinder als auch Erwachsene betroffen. Eine einheitliche Klärung dieser Erkrankung ist bisher nicht erfolgt. Es werden zwei Formen unterschieden. Die vertikale gestreifte Sandpapier20NagelDystrophie, bei der der Nagel seinen Glanz durch eine extreme Riffelung und Rauigkeit verliert. Er wirkt wie mit Sandpapier in Längsrichtung abgerieben. Sie ist besonderes Kennzeichen der Alopecia areata.
    Bei der zweiten Form glänzt die Nagelplatte und besitzt opalisierende Längsfurchen. Auch diese Form kann man bei der Alopecia areata finden. Die Ursache ist bis auf die Assoziation zur Alopecia areata unbekannt. Da mittlerweile zahlreiche Krankheiten mit Veränderungen an allen 20 Nägeln einhergehen, ist ihr diagnostischer Wert verloren. Eine Therapie außer der symptomatischen mit Polierkissen ist nicht bekannt.

    Onychoschisis

    Das schichtweise, horizontale Absplittern des Nagels vom freien Rand her wird als Onychoschisis bezeichnet (Abb. 15). Zu dieser Veränderung kommt es, weil der Nagel in Schichten ähnlich der Schuppen der Epidermis gebildet wird. Durch äußere Faktoren brechen dann einzelne Lamellen weg. Besonders betroffen sind Personen, die viel Feuchtigkeitsarbeit (Hausfrauen) oder Arbeiten mit Vibration (Klavierspieler) verrichten. Durch vermehrte Wasseraufnahme kommt es zur Austrocknung der Nagelplatte am freien offenen Rand. Durch elektronenmikroskopische Aufnahmen konnte diese von Shelley und Shelley nachgewiesen werden. Eine Onychoschisis wurde bei Chondrodysplasia punctata und Polycythaemia vera beobachtet. Auch bei einer Retinoidtherapie eines Lichen ruber planus wurden derartige Veränderungen beschrieben.
    Die sicherste Therapie ist das Meiden der auslösenden Faktoren. Nach Publikationen zufolge scheinen zysteinhaltige Medikamente und Gelatine eine schützende Wirkung zu haben.

    Schmerzhafte Nagelveränderungen

    Schmerzen sind subjektiv, sie werden daher von Patient zu Patient unterschiedlich empfunden. Jede Raum fordernde Veränderung ist in der Lage, Schmerzen auszulösen. Der Grund liegt in dem fest, ohne Fettgewebspolster zwischen Nagelplatte und Endphalanx haftendem dichten Bindegewebe. Raumforderungen, wenn sie nicht sehr langsam wachsen, können sich nicht druckfrei ausdehnen.

    Unguis incarnatus, eingewachsene Nägel

    Eingewachsene Nägel finden sich fast nur an der Großzehe (Abb. 16). In der Regel wächst einer der beiden seitlichen Nagelränder ein, aber auch beidseitiges Einwachsen kommt vor. Dies beginnt meist mit Schmerzen, später kann eine Entzündung mit Bildung von Granulationsgewebe folgen. Hauptursache sind chronische Drucktraumen durch falsches Schuhwerk, gefolgt von falsch geschnittenen Nägeln. Eine verstärkte Querkrümmung der Nagelplatte sowie kongenitale Stellungsanomalien sind ebenfalls Ursachen eines Unguis incarnatus.
    Therapeutisch stehen Ausschalten der auslösenden Faktoren, Nagelspangen und operative Verfahren zur Verfügung. Langfristig sind die operativen Verfahren EmmertPlastik oder Phenolkaustik überlegen.

    Kongenitaler Nagelschiefstand

    Der kongenitale Nagelschiefstand der Großzehe zeichnet sich durch ein Abweichen des Nagels und der Nagelmatrix nach lateral aus. Die Achsenstellung der Zehe ist davon für gewöhnlich nicht betroffen. Die Nagelplatte hat ein dreieckiges Erscheinungsbild, ist verdickt und wirkt austernschalenartig. Ihr besonderes Aussehen liegt an den zahlreichen Quer oder BeauReilLinien. Es besteht eine ausgedehnte Onycholyse, die zur Atrophie des Nagelbettes führen kann. Auch ein Einwachsen der Nagelplatte in den seitlichen Rand ist möglich. Die Verfärbung stammt von Hämorrhagien und/oder Superinfektionen (Pseudomonas). Die Ursache ist unklar. Eine sporadische oder autosomal dominante Vererbung mit variabler Expressivität wird beschrieben. Beidseitiges und unilaterales Auftreten kommen vor. In den letzten Jahren wurde über die Abweichung der Matrix durch die Persistenz eines Ligamentes (Ligamentum Guero) berichtet, das an der Matrix zieht (Abb. 17).
    Spontanremissionen sind bis zum 10. Lebensjahr möglich. Auf der anderen Seite sollte zum Erhalt guter Ergebnisse eine frühzeitige operative Sanierung angestrebt werden.

    Veränderungen der Nagelplatte

    Betrachtet werden nur Veränderungen, die die Nagelplatte selbst betreffen. Diese Veränderungen können aber von umliegenden Strukturen, dem Paraungualgewebe, ausgehen.

    Onycholyse

    Als Onycholyse wird die Ablösung der Nagelplatte von distal und/oder den seitlichen Rändern bezeichnet (Abb. 18). Zu einer vollständigen Onycholyse kommt es, wenn die Matrix erreicht ist. Durch die Onycholyse kommt es zu einem subungualen Spaltraum in dem sich Schmutzpartikel sammeln können. Seine zunächst grauweiße Farbe kommt durch die Ablösung und den damit verbundenen Lufteintritt zustande. Bakterielle und mykotische Besiedlung ist möglich und kann zu gelber bis grüner Verfärbung führen. Schmutz und Zelldetritus in diesem Spalt können durch Zersetzung unangenehme Gerüche verbreiten.
    Bei der Psoriasis kann die Onycholyse überall unter der Nagelplatte entstehen. Gewöhnlich findet sich ein braungelber Fleck. Ursache ist ein glykoproteinhaltiges Serumexsudat. Diese Ölflecken (Abb. 19) finden sich auch bei entzündlichen, ekzematösen Erkrankungen, z. B. dem Lupus erythematodes und bei der Lectitis purulenta et granulomatosa. Onycholysen der Zehennägel finden sich seltener, lediglich bei der distalen Onychomykose sind sie häufiger. Die Onycholyse ist nicht schmerzhaft. Kosmetische Aspekte führen den Patienten zum Arzt.
    Weitere Ursachen der Onycholyse sind beruflicher Natur und Traumen. Die Therapie besteht, wenn möglich, in der Behandlung des Grundleidens. Einzige Ausnahme ist die durch Manipulation ausgelöste Onycholyse. Hier liegt ein Maniküreschaden vor, wenn z. B. der freie Nagelrand zu aggressiv gereinigt wird oder ein Splitter immer weiter proximal vorgetrieben wird.

    Verlust der Nagelplatte

    Schwere Formen der Onycholyse und Onychomadesis führen zum Verlust der Nagelplatte. Zunächst kommt es zu einem Oberflächendefekt der Nagelplatte. Dieser Defekt entsteht durch Spaltbildung unter dem proximalen Anteil der Nagelplatte mit Verschwinden der juxtamatriziellen Anteile der Nageloberfläche. Die tieferen Schichten sind gewöhnlich nicht betroffen. Das Wachstum endet, wenn der Nagel nach Verlust dieser Verbindung abfällt. Nagelverlust kann Folge einer Erbkrankheit sein. Gründe für den Nagelverlust finden sich in den Ursachen der Onycholyse und Onychomadesis. Ein totaler irreversibler Nagelverlust mit Vernarbung des Nagelbetts kann auf einer permanenten Matrixschädigung durch Onychoatrophie, Epidermolysen, bullösen Dermatosen, Durchblutungsstörungen und Traumen beruhen. Die aplastische Anonychie stellt eine kongenitale Anomalie dar, sie geht nicht immer mit einer Vernarbung des Nagelbettes einher.

    Nagelplattenverfärbungen (Chromonychie)

    Der Begriff Chromonychie beschreibt Verfärbungen der Nagelsubstanz, oberfläche und des subungualen Gewebes. Abweichungen von der normalen zartrosa Färbung des Nagels sind vielfältig. Sie können endogen oder exogen bedingt sein. Bei dunklen Rassen sind die Nägel melaninhaltiger, was sich entsprechend in der Färbung zeigt. Diese sind im Allgemeinen dunkler und weisen zum Teil streifige braune Verfärbungen auf.

    Leukonychie (weiße Nägel)

    Die Leukonychie gehört zu den häufigsten Farbveränderungen der Nagelplatte. Es werden zwei Formen der Leukonychie unterschieden. Die echte Leukonychie, bei der die Nagelplatte selbst verfärbt ist, wird von der Leukopathie, bei der das Subungualgewebe verändert ist, abgegrenzt. Bei der echten Leukonychie kann es sich um eine totale (totalis) (Abb. 20) sowie partielle Leukonychie (partialis) handeln.
    Weiterhin gibt es temporäre und permanente Leukonychien. Bei den temporären findet sich häufig eine Leukonychia punctata (Abb. 21) oder Leukonychia striata.
    Bei Onychomykose spricht man auch von einer Pseudoleukonychie. Bei der Leukopathie unterscheidet man in Onycholse und hyperkeratose Formen sowie Verfärbungen, die durch Matrix und/oder Nagelbett entstehen. Eine echte Leukonychie ist selten, als Ursache finden sich aber zahlreiche Erkrankungen wie Alopecia areata, Erythema exsudativum multiforme, Herzinsuffizienz, Colitis ulcerosa, Intoxikation und berufliche Noxen. Die Ursache der Verfärbung ist noch nicht geklärt, vermutet wird eine Verhornungsstörung der nagelbildenden Zellen. Bei der häufig zu beobachtende Leukonychia punctata finden sich bis drei Millimeter große weiße Flecken, die einzeln oder in Gruppen auftreten. Die Ursache ist möglicherweise ein punktueller Fehler in der Verhornung, eine Rolle kann aber auch das Eindringen von Luft spielen. Meist sind Mikrotraumen, wie sie beim Kutikulaschieben entstehen, die Ursache. Die Therapie der Leukonychia totalis liegt in der Behandlung des Grundleidens, bei der PunctataForm sollten auslösende Traumata vermieden werden.
    Eine Leukopathie kann man bei Patienten mit Leberzirrhose beobachtet werden. Hier sind die Nägel meist völlig undurchsichtig und werden als TerryNägel bezeichnet. Die Lunula ist nicht mehr zu erkennen, lediglich am freien Nagelrand hört diese Veränderung auf. Hier findet sich ein ein bis zwei Millimeter breites rosa Band, was dem onychodermalen Band entspricht. Eine weitere Veränderung ist der urämische HalbundHalbNagel, der aus zwei Farbanteilen besteht, die durch eine transversale Linie getrennt sind.
    Alle diese Veränderungen sind nicht schmerzhaft. Eine Therapie ist bis auf die Behandlung des Grundleidens nicht bekannt.

    YellowNailSyndrom, Skleronychie

    Bedingt durch eine Reduktion der Wachstumsgeschwindigkeit des Nagels kommt es zu einem vermehrten Dickenwachstum. Die so verdickte Nagelplatte erscheint gelb, die transversale Krümmung nimmt zu (Abb. 22). Die Lunula ist nicht mehr sichtbar, die Kutikula fehlt meist. Die Nagelplatte ist oft nur sehr locker mit dem Nagelbett verbunden, was zum gelegentlichen Ablösen der Nagelplatte führt. Bei vielen Patienten finden sich assoziierte Atemwegserkrankungen. Häufig finden sich beim YellowNailSyndrom Störungen der peripheren Lymphzirkulation. Die gelben Nägel können sogar den ödematösen Veränderungen um Jahre vorauseilen. Therapeutisch wurden Erfolge mit VitaminEPräparaten beschrieben.

    Melanonychie

    Diese Nagelverfärbung ist sicherlich die wichtigste, weil sie diagnostisches Kriterium für ein subunguales malignes Melanom sein kann. Viele weitere harmlose Veränderungen können ebenfalls braune oder schwarze Verfärbungen verursachen. Klinisch erkennt man eine longitudinale streifenförmige Melanonychie (Abb. 23), die durch Einlagerung endogener dunkler Pigmente wie Blut und Melanin oder exogen, bakteriell, mykotisch oder durch farbige Substanzen entsteht.
    Melaninbedingte Längsstreifen beruhen entweder auf einer gesteigerten Melaninsynthese bei normaler Melanozytenzahl oder einer Vermehrung von Melanozyten in der Matrix. Beim Vorwachsen des Nagels werden diese Pigmente dann mitgeschleppt. Anhand der Länge des Streifens kann die Dauer dieser Veränderung abgeschätzt werden.
    Normale Nävi weisen einen gleich breiten braunen/schwarzen Streifen auf. Wichtigster Hinweis auf ein Melanom ist ein sich von proximal nach distal verjüngender Streifen. Tritt zusätzlich eine Pigmentierung des Paraungualgewebes auf, spricht man von einem HutchinsonZeichen (Abb. 24) – ein sicherer Beweis für das Vorliegen eines malignen Melanoms.
    Weitere Ursachen einer Melanonychie sind endogene Medikamente, Malnutrition, Schwangerschaft, PeutzJeghersTouraineSyndrom, Traumata und Hämochromatosen. Exogen sind es Farbstoffe und Medikamente. Besonderheit der exogenen Verfärbung ist das Abreißen der Verfärbung von proximal. Therapeutisch sollte immer bei endogener Verfärbung ein Melanom abgeklärt werden.

    Tumoren des Nagelapparates

    Zahlreiche benigne wie maligne Tumoren können unter der Nagelplatte oder im Periungalgewebe ihren Ausgang nehmen und Veränderungen an der Nagelplatte hervorrufen. Der Nagelapparat entsteht aus dem Periderm, sodass viele Tumoren der übrigen Haut auch hier vorkommen. Bei den meisten Tumoren ist ein operatives Vorgehen erforderlich, das von einfachen Flachexzisionen über aufwendige Lappenplastiken bis hin zur Amputation reicht.

     Fazit für die Praxis

    Korrespondenzadresse: Dr. Oliver M. Mainusch
    Überregionale Gemeinschaftspraxis
    Drs Schulte und Mainusch
    Velbert, Heiligenhaus, Wülfrath
    Blumenstraße 1, 42551 Velbert, Deutschland
    EMail:

    Literatur beim Verfasser

    Der Originalartikel erschien im
    Der Hautarzt 2004; 55:567–581
    DOI 10.1007/s0010500407499
    © SpringerVerlag 2004

    Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

    Medizin heute

    Aktuelle Printausgaben