zur Navigation zum Inhalt
 
Dermatologie 10. September 2008

neues aus der dermatologie (Teil 2)

Familiäre Häufigkeit bei Herpes zoster

Doppeltes Gürtelrose-Risiko bereits bei einem Blutsverwandten

Je mehr Verwandte mit Gürtelrose jemand hat, desto höher ist das Risiko, selbst ebenfalls daran zu erkranken. „Dann sollten Sie sich impfen lassen: Ihr Risiko ist doppelt so hoch wie bei jemandem ohne erkrankte Blutsverwandte“, warnt der amerikanische Dermatologe Prof. Stephen Tyring von der UT Medical School Houston. Er untersuchte mit seinem Team die Familiengeschichten von 1.027 Patienten über einen Zeitraum von 13 Jahren. Es zeigte sich, das fast 40 Prozent der Gürtelrose-Patienten mindestens einen Verwandten nennen konnten, der ebenfalls erkrankt war. Am stärksten war der Zusammenhang bei Eltern und Geschwistern. In Österreich wird die Impfung gegen Herpes zoster seit Mai 2008 bereits ab 50 Jahren empfohlen.

PH

Beschleunigte Wundheilung

Histatine im Speichel lassen Wunden schneller heilen

Warum es hilft, seine Wunden zu lecken, wurde von holländischen Zahnmedizinern erforscht (FASEB J., doi: 10.1096/fj.08-112003). In einem In-vitro-Experiment wurden Epithelzellschichten künstlich „verwundet“ und diese Stellen dann entweder mit menschlichem Speichel oder mit einer isotonischen Flüssigkeit ohne Zusatzstoffe in Kontakt gebracht. Nach 16 Stunden war die speichelbedeckte Wunde, im Gegensatz zu der unbehandelten, fast komplett verheilt. Um zu bestimmen, welcher der vielen Bestandteile im Speichel dafür verantwortlich ist, wurden anschließend Speichelanalysen mittels Hochleistungsflüssigkeitschromatographie, einem chemischen Trennverfahren, durchgeführt. Es stellte sich heraus, dass die wirksamsten Faktoren bei der Wundheilung Histatine sind (Histatin 1 und Histatin 2). Bisher war nur bekannt, dass Histatine fungizid und antibakteriell wirken, aber nicht, dass sie den Wundheilungsvorgang beschleunigen. Die Studienautoren gehen davon aus, dass Histatine in Zukunft als Wirkstoffe in Arzneimitteln verfügbar werden können und besonders Patienten mit schlecht heilenden Wunden oder Verbrennungen zugute kommen würden.

PH

Psoriasistherapie

Antikörper gegen Schuppenflechte

In zwei Zulassungsstudien verbesserte der Antikörper Ustekinumab bei 66 bis 76 Prozent der Psoriasispatienten die Beschwerden deutlich. Dabei genügten meist Injektionen des Wirkstoffs im Abstand von jeweils drei Monaten. Zudem erwies sich das Mittel als gut verträglich.
Der Antikörper Ustekinumab blockiert auf den Zelloberflächen die Rezeptoren für die Interleukine 12 und 23, die bei der Hauterkrankung maßgeblich an den Entzündungsprozessen beteiligt sind. An den beiden Doppelblindstudien nahmen in den USA und Kanada insgesamt rund 2.000 Patienten mit mäßiger bis schwerer Psoriasis teil, die entweder den Wirkstoff erhielten oder aber ein Scheinpräparat.
Bei zwei Dritteln bis drei Vierteln der Pa­tienten besserten sich dadurch die Symptome um mindestens 75 Prozent. Dabei unterschieden sich die Nebenwirkungen zwischen dem Wirkstoff und dem Placebo kaum, wie die Mediziner aus Evanston im US-Staat Illinois und dem kanadischen Waterloo in der Zeitschrift The Lancet (2008; 371:1675-1684) schreiben.

APA

Hidradenitis suppurativa

Rauchen war schuld an Karl Marx’ Hautkrankheit

Aus historischen Befunden geht hervor, dass Karl Marx an Eiterbeulen und chronischen Fisteln in den Achselhöhlen und Leistenbeugen litt. 125 Jahre nach seinem Tod weiß man, dass es ich dabei um Hidradenitis suppurativa handelte. Die Ursache für diese Erkrankung war lange unbekannt. Nun wird im British Journal of Dermatology (2008, 1/159: 255-256) berichtet, dass neben der erblichen Veranlagung ein wesentlicher Faktor bei der Entstehung der Erkrankung im Rauchen zu finden ist: In einer von Marburger Dermatologen untersuchten Patientengruppe waren Raucher mit 89 Prozent im Vergleich zur Kontrollgruppe, in der sich 46 Prozent Raucher fanden, weit überrepräsentiert. „Die Datenlage ist schon jetzt recht solide“, bekräftigt Studienautor Dr. Rudolf Happle, Dermatologe an der Philipps-Universität Marburg: „Aus ärztlicher Sicht ist es nicht mehr vertretbar, den Zusammenhang mit dem Rauchen zu ignorieren.“

PH

Weißer Hautkrebs

Durch Operation fast zu 100 Prozent heilbar

„Mit einer operativen Frühtherapie sind praktisch 100 Prozent aller weißen Hautkrebse auf Dauer heilbar“, fasst der Tübinger Dermatologe Prof. Helmut Breuninger die Ergebnisse der Studie seines Arbeitskreises zusammen (Lancet Oncology Issue Aug. 2008). Gegenstand der Untersuchung war das Plattenepithelkarzinom der Haut. Es ist neben dem Basalzellkarzinom der zweithäufigste weiße Hautkrebs. Das Ziel der Forscher war, das Risiko für eine Metastasierung abzuschätzen und eine schonende Therapie zu entwickeln.
Bei über 600 Patienten wandte Breuninger eine sparsame chirurgische Therapie mit nachfolgender dreidimensionaler Untersuchung (3D-Histologie) auf Krebsausläufer an. Die lokale Rückfallquote sank beim Plattenenpithelkarzinom auf rund 2 Prozent, beim Basalzellkarzinom auf 1 Prozent. Durch die sparsame Operation ließen sich gute ästhetische Ergebnisse erzielen. Großflächige Narben wurden vermieden.
Die mikroskopische Bestimmung der Tumordicke und des speziellen Tumortyps erlaubte erstmals genaue Rückschlüsse auf das Metastasierungsrisiko. Dünne Karzinome bis 2 mm Dicke siedelten überhaupt nie in andere Organe ab. Patienten mit Karzinomen von 2 bis 6 Millimetern Tumordicke blieben zu 96 Prozent ohne Absiedlungen. Nur 15 Prozent der Tumoren waren dicker als 6 mm und wuchsen aggressiv (desmoplastischer Typ). Diese Patienten hatten höhere Rückfallquoten. Jeder Sechste davon
entwickelte Metas­tasen in die Lymphknoten. Meist kamen diese Patienten erst sehr spät in die Klinik, obwohl der Tumor gut erkennbar und sichtbar wuchs.

idw

Wenn die Tätowierung nur noch peinlich ist

Doppelt so viele Frauen wie Männer wollen den Körperschmuck weg haben

In einer US-amerikanischen Studie zeigten sich 17 Prozent der Tätowierten unzufrieden mit ihrem Körperschmuck, aber nur sechs Prozent wollten sich die Tätowierung entfernen lassen, wird in Archives of Dermatology (2008;144[7]:879-884) berichtet.
Durchschnittlich waren die zur Entfernung Entschlossenen zwischen 24 und 39 Jahre alt, darunter 69 Prozent Frauen, die meisten Singles. 58 Prozent wurde die Tätowierung peinlich. 38 Prozent empfanden sie als entstellend. Für ebenso viele war ein neuer Arbeitsplatz ausschlaggebend für die Entscheidung. 37 Prozent gaben an, sie hätten Probleme mit Kleidung. Ein Viertel der Befragten fühlte sich ausgegrenzt. Für ein Fünftel war ein Geburtstag oder eine Hochzeit der Anlass.

PH

Aknegeplagte leiden unter Juckreiz

Kratzen und waschen als hilfreich empfunden

Die Charakteristika der Akne sind wohlbekannt, aber Juckreiz wird als Symptom selten erwähnt. Dabei ist Juckreiz durchaus ein belastender Faktor, der die Lebensqualität der Patienten stark einschränkt. Eine Studie hatte daher zum Ziel, die Häufigkeit dieses Faktors bei Akne zu untersuchen.
70 Prozent der befragten 120 Patienten, darunter eher die älteren, klagten über Juckreiz. 83 Prozent der Betroffenen gaben an, dass es sich nicht um einen anhaltenden Reiz, sondern um einen vorübergehenden handle, der vor allem um die Mittagszeit auftritt. Viele beschrieben den Reiz als kitzelnd. Mehr als die Hälfte der Betroffenen litt aufgrund des Pruritus unter Stimmungstiefs. Als erschwerende Umstände wurden Schweiß, Hitze und Stress empfunden. Erleichterung verschafften sich 52 Prozent der Befragten durch kratzen oder reiben, währen 37 Prozent es als angenehm empfanden, die betroffene Stelle abzuwaschen. Die Studienautoren schließen daraus, dass Aknepatienten den häufigen Juckreiz als beträchtliche Behinderung empfinden, und dass er ein häufiges Symptom bei Akne ist (J Eur Acad Dermatol Venereol. 2008 Jul 8).

PH

Atopische Dermatitis

Tacrolimussalbe beugt Rezidiv vor

Patienten mit mittelschwerer bis schwerer atopischer Dermatitis bleiben unter Tacrolimus länger beschwerdefrei. Dies folgt aus einer US-amerikanischen Studie, die in der Fachzeitschrift Journal of the American Academy of Dermatology (2008;58:990-999) publiziert worden ist.
Erwachsene und Kinder mit mittelschwerer bis schwerer atopischer Dermatitis, die nach einer bis zu 16 Wochen langen Stabilisierungsphase unter Tacrolimus beschwerdefrei geworden waren, wurden doppelblind und randomisiert auf zwei Gruppen aufgeteilt. 125 Studienteilnehmer erhielten dreimal wöchentlich eine Tacrolimussalbe (0,03% für Kinder, 0,1% für Erwachsene). Die 72-köpfige Kontrollgruppe erhielt währenddessen nur die Trägersubstanz. Der Beobachtungszeitraum betrug 40 Wochen. Primärer Endpunkt war die Anzahl der ekzemfreien Behandlungstage.
Dabei zeigte sich, dass die Tacrolimus-Patienten signifikant länger beschwerdefrei waren, nämlich durchschnittlich 177 Tage. Die Kontrollgruppe hingegen brachte es auf lediglich 134 beschwerdefreie Tage im Durchschnitt. Im Median trat das erste Rezidiv signifikant später auf: bei den Tacrolimus- Patienten nach 169 Tagen, bei denen der Trägersubstanzgruppe bereits nach 43 Tagen. Allerdings lässt dieses Verhältnis sich möglicherweise nicht auf die Gesamtheit der Patienten übertragen. Schließlich waren diejenigen Patienten, die in der Stabilisierungsphase nicht auf die Tacrolimustherapie angesprochen hatten, von vornherein ausgeschlossen worden. Eine weitere Einschränkung ergibt sich aus der Empfehlung, von einer Langzeitbehandlung mit Tacrolimus abzusehen.

PH

Neue Therapie bei chronischem Handekzem getestet

Phase-III-Studie mit Alitretinoin

Etwa die Hälfte der Patienten mit chronischen Handekzemen, die auf eine Kortikoidtherapie nicht ansprechen, können von einer oralen Therapie mit Alitretinoin profitieren. Das geht aus einer internationalen Studie hervor, an der 1.032 Patienten teilgenommen haben (British Journal of Dermatology 158, 2008, 808-817). Der Wirkstoff hat immunregulierende und entzündungshemmende Eigenschaften und trocknet die Haut kaum aus, kann aber bei Ungeborenen Missbildungen auslösen. Die Studienteilnehmer erhielten 24 Wochen lang täglich entweder 30 mg oder 10 mg Alitretinoin oder Placebo. Bei 48 Prozent der Patienten, die die höhere Dosis erhalten hatten, heilten die Ekzeme vollständig oder fast vollständig ab. Mit der niedrigeren Dosis waren es 28 Prozent gegenüber 17 Prozent bei der Kontrollgruppe. Im Median trat der Rückfall unter Alitretinoin nach rund einem halben Jahr auf. Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählten Kopfschmerzen und erhöhte Blutfettwerte. Diese traten bei jeweils 20 Prozent der Probanden mit der höheren Dosierung auf. Studienautor Prof. Thomas Ruzicka von der Ludwig-Maximilians-Universität München geht davon aus, dass der Wirkstoff zur Standardtherapie bei schweren chronischen Handekzemen werden kann.

PH

Heilung mit geklonten Zellen

Melanom-Patient durch eigene Zellen seit zwei Jahren tumorfrei

Wissenschaftlern des Fred Hutchinson Cancer Research Center ist es laut eigenen Angaben erstmals gelungen, einen fortgeschrittenen Hautkrebs mit Hilfe von Zellen des Patienten zu heilen, die außerhalb des Körpers geklont worden sind. Nach zwei Jahren Behandlungsdauer wies der 52 Jahre alte Mann keine Melanome mehr auf. Das Team habe von Krebs bekämpfenden Immunzellen fünf Milliarden Kopien hergestellt und diese dann wieder dem Körper zugeführt, berichtet das New England Journal of Medicine (2008 358:2698-2703).
Der Patient litt unter fortgeschrittenen Melanomen, die sich bereits auf die Lungen und die Lymphknoten ausgebreitet hatten. Die Wissenschaftler konzentrierten sich auf eine bestimmte Art von weißen Blutkörperchen, die sogenannten CD4+ T-Zellen. Es gelang ihnen, aus einer Probe dieser Blutzellen des Patienten CD4+ T-Zellen auszuwählen, die speziell darauf ausgerichtet wurden, eine auf der Oberfläche der Melanome vorkommende Chemikalie anzugreifen. Sie wurden im Labor vermehrt und wieder eingesetzt, um zu sehen, ob sie einen erfolgreichen Angriff auf die Tumore durchführen konnten.
Nach zwei Monaten zeigten die Scans, dass die Tumore verschwunden waren. Der Patient blieb auch nach zwei Jahren krebsfrei. Die neuen Zellen blieben Monate nach der Behandlung im Körper des Mannes nachweisbar. Die Wissenschaftler räumen aber ein, dass der neue Ansatz nur an einem Patienten mit einer bestimmten Art von Immunsystem und Tumorart erfolgreich getestet wurde. Das könnte bedeuten, dass er nur bei einem kleinen Prozentsatz von Patienten einsetzbar ist.

pte

Allergien durch Gendefekt

Filaggrinmangel führt zu Neurodermitis, Heuschnupfen und Asthma

Ein genetisch bedingter Mangel and Filaggrin, einem Schlüsseleiweiß der Hautbarriere, kommt eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Allergien zu. Wird dieses Protein aufgrund eines Gendefekts vermindert oder überhaupt nicht gebildet, ist die natürliche Verhornung gestört und die natürliche Barrierefunktion der Haut eingeschränkt.
Einer Münchner Forschergruppe rund um den Dermatologen Dr. Stephan Weidinger von der Technischen Universität München, gelang nun in einer groß angelegten Untersuchung an 3.000 Schulkindern der Nachweis, dass rund acht Prozent der Bevölkerung Varianten des Filaggrin-Gens aufweisen und deren Neurodermitis-Risiko sich dadurch um mehr als das Dreifache erhöht. Außerdem werden damit auch Heuschnupfen und bei Neurodermitikern zusätzlich Asthma begünstigt (Journal of Allergy and Clinical Immunology, 121[5]:1203-1209).
Die Resultate zu Asthma waren für die Forscher besonders überraschend, weil Filaggrin bislang nicht im Epithel der Bronchien nachgewiesen worden war, sondern nur für die Haut von Bedeutung zu sein schien. Allerdings könnte es möglich sein, dass durch die geschwächte Funktion der Hautbarriere möglicherweise das Eindringen von Allergenen erleichtert wird und eine erhöhte Entzündungsbereitschaft besteht. „Insgesamt zeigen unsere Resultate, dass Mutationen im Filaggrin-Gen extrem starke Risikofaktoren für Neurodermitis sind und darüber hinaus Heuschnupfen, und bei Personen mit einem bereits bestehenden Ekzem auch Asthma, verursachen können“, erklärt Dr. Weidinger. „Asthma alleine scheint dagegen nicht mit diesen Gendefekten in Zusammenhang zu stehen.“
In einer weiteren Studie konnten die Forscher bereits nachweisen, dass Varianten des Filaggrin-Gens auch das Risiko von allergischen Kontaktekzemen erhöhen, insbesondere das Risiko für allergische Reaktionen gegen Nickel.

PH

Piercings nicht nur Privatsache

Briten befürchten Belastung für ihr Gesundheitsystem

Jeder zehnte Engländer trägt ein Piercing. Zwar wendet sich „nur“ ein Prozent davon irgendwann mit Komplikationen an eine Klinik, aber jeder Vierte erleidet Schwellungen, Infektionen oder Blutungen, berichtet eine britische Studie (BMJ 2008;336:1426-1428). Unter den 16- bis 24-
Jährigen entwickelt sogar fast jeder Dritte Komplikationen, und jeder Siebte braucht ärztliche Hilfe. Am anfälligsten für gesundheitliche Probleme sind zwar Träger von Genitalpiercings – jeder zweite von ihnen muss danach zum Arzt – aber insgesamt wird diese Form des Körperschmucks selten angebracht. Daher sind die häufigsten Komplikationen bei Zungenpiercings zu beobachten. Alarmierendes Detail am Rande: Jedes zehnte Piercing an der Zunge wird nicht von einem Professionisten durchgeführt.
Nun hoffen die Studienautoren, dass der Trend bald abflaut, denn sie sind davon überzeugt, dass dieses Phänomen „eine signifikante Belastung für Gesundheitsdienste darstellt, und zwar für viele Jahre.“

PH

Geschlechtskrankheiten bei Älteren auf dem Vormarsch

Herpes genitalis und Feigwarzen am häufigsten

Bisher wurden Präventionsmaßnahmen gegen sexuell übertragbare Erkrankungen vorwiegend an junge Menschen gerichtet. Auch in der Forschung hat man Menschen, die über 45 Jahre alt sind, oft aus entsprechenden Studien ausgeschlossen, da sie von vornherein entweder als fix an einen Partner gebunden oder als sexuell inaktiv angesehen wurden.
Doch die Zeiten ändern sich: Ältere sind zunehmend fitter und lebenslustiger als ehedem, sie nutzen das Internet, um erotische Abenteuer anzubahnen, haben Potenz steigernde Mittel zur Verfügung und sind leichtsinniger – da Verhütung kein Thema ist, verzichten sie häufig auf Kondome. All dies zusammen, vermuten britische Forscher, ist mit dafür verantwortlich, dass einer Studie zufolge sich die Erkrankungszahlen unter Menschen über 45 in den Jahren 1996 bis 2003 mehr als verdoppelt haben (Se­xually Transmitted Infections 2008;84:
312-317). Zwar sind die erhobenen Erkrankungen – Chlamydieninfektion, Herpes genitalis, Feigwarzen, Gonorrhoe und Syphilis – in allen Altersgruppen häufiger geworden, aber unter den bisher kaum beachteten Älteren ist der Anstieg alarmierend. In der Studie waren es vor allem Menschen zwischen 55 und 59, die sich mit sexuell übertragbaren Erkrankungen in ärztliche Behandlung begaben, unter ihnen mehr Männer als Frauen. Es fiel auch auf, dass sich die Älteren im Vergleich zu den Jüngeren erst wesentlich später mit ihren Beschwerden an den Arzt wandten. Die Forscher rufen daher zu auf, die älteren Menschen in gesundheitlichen Informationskampagnen nicht länger zu ignorieren, und nicht nur Vorbeugungsmaßnahmen publik zu machen, sondern auch das Bewusstsein dafür zu schaffen, dass es wichtig ist, sich frühzeitig behandeln zu lassen.

PH

Insektengiftallergie

80 Prozent der Patienten beschwerdefrei nach Immuntherapie

Bei einer diagnostizierten schweren Insektengift-Allergie ist die „Allergieimpfung“ die wirksamste Behandlungsmethode. In einer Studie, in der die Langzeitwirkung der Immuntherapie untersucht wurde, konnte die langfristige und hohe Wirksamkeit dieser Behandlungsoption erneut belegt werden. Im Rahmen dieser wissenschaftlichen Untersuchung wurden 181 Patienten nach dreijähriger Therapie befragt, ob sie gestochen worden waren und wie die Reaktionen darauf ausfielen.
Bei 92 der 100 Patienten, die innerhalb dieser drei Jahre von einer Biene bzw. Wespe gestochen wurden, traten ausschließlich örtlich begrenzte Reaktionen wie Hautrötung, leichte Schwellung, Schmerzen etc. auf. Nur acht von ihnen hatten eine systemische Reaktion. Auch nach mehrmaligem Kontakt mit dem Insektengift konnte die anhaltende Wirkung der Allergie-Impfung nachgewiesen werden: 82,5 Prozent der Befragten, die wiederholt von einer Biene bzw. Wespe gestochen wurden, hatten keinerlei Beschwerden. Der Rest wies zwar eine systemische Reaktion auf, die jedoch stets deutlich geringer ausfiel als noch vor der Therapie.

APA

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben