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Dermatologie 29. August 2007

Solariumkur für T-Zellen

Während der Photoimmunotherapie wird Blut entnommen und in den roten und weißen Anteil sowie Plasma getrennt. Der überwiegende Blutanteil wird sofort in den Körper refundiert, ein kleiner Teil wird hingegen in einem sterilen Beutel gesammelt und mit UVA bestrahlt. Dabei werden die T-Zellen moduliert.

Vor mehr als 20 Jahren wurde erstmals in Europa, an der damaligen II. Universitäts-Hautklinik in Wien, die Extrakorporale Photoimmunotherapie (ECP) zur Therapie des kutanen T-Zell-Lymphoms angewendet. Damals erwartete man sich noch keinen innovativen Durchbruch bei der Behandlung dieser und auch anderer T-Zell-gesteuerten Krankheitsbilder. „Heute eröffnen uns die inzwischen gesammelten Erfahrungen neue Möglichkeiten der Anwendung, etwa bei systemischer Sklerodermie, Pemphigus vulgaris, Colitis ulcerosa, rheumatoider Arthritis, atopischer Dermatitis und vor allem bei Abstoßreaktionen nach Organtransplantationen“, zählt Prof. Dr. Robert Knobler von der Universitäts-Hautklinik Wien, die neuen Indikationen auf.

AKH Wien als Vorreiter

Robert Knobler war der Mann der ersten Stunde, er brachte nach einem Forschungsaufenthalt an der Columbia University, USA, die neue Technik nach Wien und richtete an der damaligen II. Universitäts-Hautklinik das erste ECP-Zentrum in Europa ein. Dem Wiener Vorbild folgend, wurden in den kommenden Jahren in ganz Europa ähnliche Einrichtungen geschaffen – mittlerweile gibt es über 100 Standorte. An der Wiener Universitätshautklinik, Vorstand Prof. Dr. Herbert Hönigsmann, werden im Jahr über 1.300 Behandlungen durchgeführt. Mitte dieses Jahres fand in Wien ein international besetztes Symposium statt, auf dem Forschungsergebnisse über den Wirkungsmechanismus und daraus ergebende neue Möglichkeiten vorgelegt wurden.

Zellen werden sensibilisiert und danach bestrahlt

Die Patienten werden über einen venösen Zugang an das Photopheresegerät angeschlossen. Die Maschine entnimmt Blut aus dem Körper und trennt zunächst rote und weiße Blutkörperchen und Plasma. Während die roten Blutkörperchen dem Patienten sofort refundiert werden, wird die gesammelte Menge an Plasma und weißen Blutkörperchen mit der photoaktiven Substanz 8-Methoxypsoralen versetzt und in der Folge die Zellen für die Bestrahlung sensibilisiert. Anschließend wird dieser Teil des entnommenen Blutes im Gerät mit langwelliger Ultraviolettstrahlung (UVA) bestrahlt und danach dem Patienten refundiert. Der Kranke wird für zwei Tage sta­tionär aufgenommen, der Vorgang selbst dauert zweieinhalb bis vier Stunden. Beim kutanen T-Zell-Lymphom erfolgt die Behandlung zwei Tage hintereinander, in Abständen von einem Monat. Bei Patienten mit Knochenmarksimplantation wird anfangs öfter behandelt, später werden die Intervalle aber verlängert.
Knobler ist von der Wirkung der Therapie überzeugt: „Beeindruckende Vorteile dieser Therapie sind die kaum vorhandenen Nebenwirkungen. Selbst die Infektionsgefahr, die bei anderen immunsuppressiven Interventionen besteht, ist nicht erhöht. Zudem kann sie mit weiteren Therapien besser kombiniert werden. Flankierende Medikamente, wie etwa Cortison, können eingespart werden. Außerdem hat der Patient hat eine bessere Lebensqualität und möglicherweise eine höhere Lebenserwartung.“

T-Zell Modulation

Obwohl noch nicht völlig erforscht, geht es bei dieser Therapie um die Modulation der T-Zellen. Sie werden in ihrer Funktion über zwei verschiedene Wege verändert: Die ECP leitet sowohl eine Apoptose der krankheitsverursachenden Zellen ein, als auch eine Umwandlung von Monozyten zu funktionellen dentritischen Zellen, die entweder eine zytotoxische Anwort oder eine suppressive Reaktion der T-Zellen auslösen und damit den therapeutischen Effekt erzielen.
Bei Patienten mit Knochenmarksimplantation wird durch die Induktion von regulatorischen T-Zellen die Immuntoleranz gegenüber dem Empfänger erhöht. Man erwartet, dass auf diese Weise die graft versus host disease (GvHD) gelindert werden kann. Bei Herz-Lungen-Nierentransplantierten wird die Toleranz der T-Zellen gegenüber dem Fremdorgan erhöht.
„Die Erforschung der Modulation des Immunsystems steht erst am Beginn, es könnten sich auch neue Möglichkeiten, etwa für die Krebstherapie ergeben. Wir dürfen wohl noch einiges zum Vorteil der Patienten erwarten“, fasst Knobler die Ergebnisse des Symposiums zusammen.

Quelle: „Photoimmunotherapy-Photopheresis – State of the art after twenty years”; 14. Mai 2007, AKH Wien

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