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Dermatologie 11. Dezember 2007

Die Haut im dritten und vierten Lebensalter

Von Prof. Dr. Daisy Kopera, Graz

Dieser Überblick ist fokussiert auf Symptome und Hautveränderungen im höheren Lebensalter. Aus mehreren Gründen stellen diese für die damit befassten Ärztinnen und Ärzte manchmal eine Herausforderung – quasi einen Notfall – dar. Neben verschiedenen Arten von Hauttumoren und typischen Alterserkrankungen der Haut haben nicht alle der im Senium auftretenden Hautveränderungen Krankheitswert, trotzdem sind sie „lästig“ und „hartnäckig“, oft therapieresistent.
Wahrscheinlich sind viele dieser Konditionen sogar unterdiagnostiziert und auch gar nicht medizinischer Betreuung unterzogen, dennoch mindern sie die Lebensqualität vieler Betroffener, beeinträchtigen das Erscheinungsbild in ästhetischer Hinsicht oder das subjektive Wohlbefinden. Manchmal belasten sie die Psyche der Betroffenen so sehr, dass sie sogar eine mögliche Ursache depressiver Zustandsbilder darstellen.

Physiologische Hautalterung

Veränderungen der alternden Haut sind zum Teil auf physiologische, intrinsische Alterungsprozesse zurückzuführen, die sich unaufhaltsam im Laufe der Zeit einstellen und genetisch determiniert sind.
Jugendliche Haut hat die wunderbare Eigenschaft, dass durch Zellteilung ständig neue Keratinozyten entstehen. Diese durchwandern in etwa vier Wochen die Schichten der Oberhaut von der Basalzellschicht bis zur Hautoberfläche, wo sie als kernlose Hornlamellen abschilfern. Durch die stetige Abnahme der Zellteilungen mit zunehmendem Alter wird die Oberhaut einerseits dünner, andererseits wird die Wanderung der Keratinozyten auch langsamer, sodass die gleichen Keratinozyten länger beansprucht werden und die Widerstandsfähigkeit der Haut abnimmt.
Mit den Jahren nehmen die Aktivität der Talgdrüsen und die Lipidsynthese ständig ab, die Haut trocknet aus und wird dadurch infektionsanfällig. Juckreiz und Ekzeme können entstehen. Die so genannte Xerosis cutis senilis, die trockene Altershaut, ist ein Symptom, das sich bei Frauen schleichend postmenopausal einstellt, bei Männern erst später im Senium, wenn es zum Absinken des Androgenspiegels kommt. Generell ist dieses Phänomen nichts Besonderes, im Einzelfall kann der Austrocknungsgrad durch langjähriges Negieren dieses Symptoms so ausgeprägt sein, dass eine rückfettende Lokaltherapie nur bei sehr konsequenter, regelmäßiger Durchführung tatsächlich zur Normalisierung des Hautzustandes und zur Linderung des oft quälenden Juckreizes führt. Moderne Hautpflegeprodukte – von rückfettenden Bade- und Duschzusätzen bis zu Pflegeemulsionen jeglicher Reichhaltigkeit – sind auf jeden Hauttyp und jedes Lebensalter abgestimmt.

Ernstzunehmende Infektionen und blasenbildende Dermatosen

Dazu zählt vor allem das Erysipel, das vielfach an den Unterschenkeln lokalisiert ist, da interdigitale Rhagaden durch Pilzinfektionen als Eintrittspforte für die Streptokokken vorliegen. Eine diabetogene Stoffwechsellage begünstigt dies. Herpes-Zoster-Infektionen zeigen bei älteren, immundefizienten Patienten manchmal aggravierte Verläufe, hämorrhagische Varianten kommen vor allem bei Antikoagulierten vor. Blasenbildende, autoimmunologisch bedingte Altersdermatosen (bullöses Pemphigoid, Pemphigus vulgaris) können unterschiedlich schwer verlaufen. Die Behandlung dieser Erkrankungen unter stationären Bedingungen ist fast immer angezeigt.

Dekubitusprophylaxe

Es mag lapidar klingen, jedoch ist bei sehr betagten, immobilen, bettlägrigen Patientinnen und Patienten (v.a. bei Diabetes mellitus) besonders darauf zu achten, worauf sie gebettet werden. Die alte, schlecht durchblutete Haut ist höchst gefährdet, innerhalb weniger Tage Dekubitalgeschwüre zu entwickeln, nicht nur sakral, sondern z.B. auch an den Fersen.

Umfeldbedingte Hautalterung

Sichtbare Alterserscheinungen der Haut entstehen auch durch äußere Einflüsse. Diese extrinsischen Faktoren umfassen Lebens­umstände und -gewohnheiten, Genussmittel, Medikamente, Umweltverschmutzung und vor allem klimatische Einflüsse wie Lufttrockenheit, extreme Temperaturen und insbesondere UV-Exposition (Photoaging). Spätfolgen der Einwirkung von UV-Licht auf die Haut sind Pigmentunregelmäßigkeiten, Altersflecken, aktinische Elastose, Falten- und Runzelbildung. Die Behandlung dieser ästhetisch störenden Symptome ohne echten Krankheitswert ist zwar möglich, nicht zwingend medizinisch indiziert, aber immer häufiger erwünscht.

Maligne Hauterkrankungen im Senium

UV-Licht kann aber auch durch chronische Einwirkung die DNA der Hautzellen verändern und die Entstehung der so genannten „non-melanoma-skin-cancer“ bewirken (Plattenepithelkarzinome, vormals Spinaliome, Basaliome). Mehr als 50 Prozent der unter stationären Bedingungen behandelten Dermatosen im höheren Lebensalter sind durch UV-Licht induziert.
Derzeit wird die vormals als „Präkanzerose“ bezeichnete aktinische Keratose als Frühstadium eines Plattenepithelkarzinoms angesehen und ist somit absolut behandlungsbedürftig. Immer häufiger werden sehr betagte Patientinnen und Patienten mit schier unglaublich fortgeschrittenem Basaliom, Plattenepithelkarzinom, aber auch Lentigo maligna und malignem Melanom bei Dermatologen vorstellig. Dies resultiert aus der langjährigen Indolenz der Patienten selbst und ihrer Bezugspersonen im Umgang mit „nur einer Hautveränderung“. Viele dieser im späten Stadium inoperablen Tumore wären bei frühzeitiger Diagnose mit relativ kleinen chirurgischen Eingriffen, durch photodynamische Therapie oder durch rechtzeitige Lokaltherapie mit Immunmodulatoren heilbar.

 Fazit für die Praxis

Prof. Dr. Daisy Kopera, Klinik für Dermatologie, Medizinische Universität Graz
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